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Marihuana-Szene Stormarn : Anklage: schwerer Raub

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Auch acht Zeugen bringen am zweiten Verhandlungstag kaum Licht ins Bargteheider-Drogen-Dunkel. Die Szene hält zusammen.

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2015 | 15:43 Uhr

Zweiter Verhandlungstag im Prozess wegen zweifachen, schweren Raubes gegen die polnischstämmigen Brüder Karol (24) und Krystian (22) H..

Ihnen wird vorgeworfen, im Februar zwei Wohnungen in Elmenhorst und Bargteheide überfallen zu haben. Angeblich ging es um Marihuana und jede Menge Schulden (wir berichteten). Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft in Neumünster.

Acht Zeugen sagen allein an diesem Verhandlungstag im Landgericht in Lübeck aus. Es ist nicht leicht, Licht ins Dunkel zu bringen. Zu tief scheinen fast alle Beteiligten in der Marihuana-Szene zu stecken, kennen sich untereinander und tun sich schwer damit, die Angeklagten zu belasten, ohne sich selber in Schwierigkeiten zu bringen. Vielleicht auch aus Angst vor dem Älteren der Brüder, der schon einmal wegen Körperverletzung vor Gericht stand, versucht sich der eine oder andere Zeuge, aus der Sache herauszuwinden, verstrickt sich in Widersprüche, will sich plötzlich an nur noch wenige Details erinnern.

Zwei Wohnungsnachbarn aus dem Traberstieg in Bargteheide, die mit den Opfern bekannt sind, wollen mit „all dem“ gar nichts mehr zu tun haben und sich kaum an den Tathergang erinnern. Anfang Februar sollen die beiden Angeklagten gewaltsam in eine Wohnung eingedrungen sein und den Fernseher des Opfers entwendet haben. Wahrscheinlich ging es um Drogenschulden. Dabei soll es zu einem Handgemenge gekommen sein. Die Nachbarn – zwei Brüder – hielten angeblich aus Angst vor Ärger lieber ihre Wohnungstüren geschlossen.

„Da hat sich der Polizeibeamte bei ihrer Vernehmung wohl verhört“, meint Richter Kai Schröder in Richtung des Zeugen und zeigt sich ein wenig ungeduldig. Er habe sehr wohl die Tür geöffnet. Ob diese Verwirrung wohl am alkoholisierten Zustand des Zeugen während der Tatnacht liegt? Auch der beisitzende Richter Ronald Bracker betitelt seine Aussage als „Unfug“. Staatsanwältin Jannicka Sondag geht von einer Absprache zwischen den beiden Zeugen aus.

Aufschlussreicher ist da die Aussage eines weiteren Nachbarn, der offensichtlich mit der Marihuana-Szene und eventuellem An- und Verkauf von Drogen nichts zu tun hat. Es sei öfter mal laut in jenem Mietshaus im Traberstieg, sagt der Nachbar aus, der als Tiefbauer in Hamburg arbeitet, schon mal die eine oder andere Tür im Haus repariert hat. Hier gebe es oft Streitigkeiten in der Nähe des Bahnhofes. Ein sozialer Brennpunkt, in dem es schon mehrmals gebrannt hat. „Der Wohnblock macht uns Sorgen“, sagte Bürgermeister Henning Görtz bereits im Jahr 2013.

Das Opfer habe ihn in der Tatnacht zu Hilfe gerufen, woraufhin er ins Treppenhaus getreten sei und den Fernseher in der Hand des Angeklagten Karol H. gesehen habe. „Die Zwei hatten sich in’ne Plünn“ so Frank H. Er habe versucht zu vermitteln und schließlich dem Opfer befohlen, einfach mit dem Fernseher wieder in seine Wohnung zu gehen. „Damit war für mich die Angelegenheit erledigt“, so der Zeuge weiter. Es habe sich nur um eine Rangelei gehandelt. Er habe weder Waffen noch Verletzungen gesehen. Das müsse dann später geschehen sein.

Am nächsten Tag sei eines der Opfer „voll wie ein Eimer“ gewesen, der andere ebenfalls in einem komplett aufgelösten Zustand. Beide hätten davon berichtet, dass der Fernseher nun doch weg sei. Es sei bekannt, dass „die sich was durch die Nase ziehen“. Dass das Opfer drogenabhängig sei, sei bekannt und offensichtlich.

Die Ex-Freundin von Krystian H. sprach so leise, dass der Richter sie mehrmals ermahnen musste. Ja, es sei um zehn Gramm Gras gegangen. Ja, sie sei in der Tatnacht in Elmenhorst – dort sollen von den Angeklagten nicht nur Marihuana sondern auch 1800 Euro entwendet worden sein – dabei gewesen, habe sich aber mit Ex-Freund Krystian H. im Hintergrund gehalten. Ja, sie kenne die meisten der weiteren Beteiligten durch den Angeklagten. Ja, sie habe gehört, wie Karol H. gesagt habe: „Mach jetzt die Tür auf. Wir holen das Gras raus!“ Und ja, sie wisse davon, dass die Angeklagten und weitere Beteiligte Gras konsumieren und weiterverkaufen.

Mehrmals muss Richter Schröder die 17-Jährige zu mehr Präzision ermahnen: „Sie sagen hier vielleicht vorsichtshalber nicht alles aus, weil der Angeklagte (Er deutet auf Karol H.) hier sitzt.“ Nach und nach erinnert sich das junge Mädchen aus Heidekamp auch an einen von Karol H. angeblich als Druckmittel benutzten Elektro-Schocker und daran, dass ein gewisser Achmed M. die Wohnung an der Dorfstraße in Elmenhorst als „Depot“ nutze: „Der wohnt noch bei seinen Eltern, und da kann er das Zeug schlecht lagern.“

Am Donnerstag wird der Prozess im Lübecker Landgericht fortgesetzt. Weitere Zeugen sind geladen. Ein Ende des Verfahrens ist noch nicht in Sicht.




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