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Bad Oldesloe : Anhaltender Frust in der Stadtverwaltung

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Viele Mitarbeiter Stadtverwaltung sind unzufrieden. Bürgermeister Lembke lobt großes Engagement und hofft auf Veränderung.

shz.de von
erstellt am 03.Jul.2017 | 06:00 Uhr

Es läuft nicht rund in der Oldesloer Stadtverwaltung. Viele Mitarbeiter schieben Überstundenberge vor sich her, über 20 freie Stellen sind unbesetzt, manche schon lange Zeit. Die Zusammenarbeit und Kommunikation unter unterschiedlichen Fachbereichen läuft nicht optimal und immer wieder hagelt es Kritik. Das alles führt zu Frust, Unzufriedenheit und einem steigenden Krankenstand. Durch das Fehlen der dann erkrankten Mitarbeiter, oder Mitarbeitern, die ihre Überstunden abbummeln müssen, bleibt noch mehr Arbeit liegen. Das wiederum hat Beschwerden von Bürgern, aus der Politik oder auch aus anderen Fachbereichen.

„Die Stimmung ist sehr schlecht“, sagt die Personalratsvorsitzende Karin Heinzen. Der gestiegene Krankenstand sei nur ein Hinweis, dass etwas im Argen sei. Dass die Atmosphäre auf einem Tiefpunkt ist, hat eine aktuelle Umfrage unter Mitarbeitern deutlich gemacht. „Manche fühlen sich ungerecht behandelt“, berichtet Heinzen. Aus Verwaltung skreisen war zu vernehmen, dass es zwischen den Fachbereichen nicht stimmt. Manche neiden anderen Fachbereichen die – subjektiv wahrgenommene – bessere Besetzung oder einen gefühlt geringeren Arbeitsanfall. In der Folge würden Verantwortlichkeiten hin und her geschoben.

„Ich bin ein wenig überrascht, dass die Stimmung so schlecht sein soll“, sagt Bürgermeister Jörg Lembke. „Dass eine viel zu hohe Anzahl Stellen nicht besetzt ist, habe ich allerdings schon häufig erwähnt. Da kommt es zu Reibungsverlusten. Ich möchte aber lieber ein Lob aussprechen, dass sich die Mitarbeiter so reinhängen“, so Lembke. „Ich finde es nicht gut, dass alles so dramatisch schlecht geredet wird. Ich hoffe viel mehr, dass mal nach Außen getragen werden kann, dass unsere Verwaltung durchaus ein guter Arbeitsplatz ist. Schließlich wollen wir kompetentes Personal für uns begeistern, was dann die Situation auf neu besetzten Stellen weiter verbessert“, so Lembke weiter. Die Möglichkeiten, Mitarbeiter aufzuhalten, die wegen der Stimmungslage abwandernwollten, seien begrenzt. „Ganz abgesehen davon, dass es sicherlich zu Neid führen würde, wenn man einzelne Mitarbeiter besser bezahlt, wäre das auch gar nicht möglich. Wenn jemand woanders mehr verdienen kann und das ausschlaggebend ist, dann kann ich ihn nicht aufhalten. Wir müssten gerade mit den Möglichkeiten und der Arbeitsatmosphäre punkten“, fügt der Verwaltunsgschef an.

„Es ist wichtig, dass man Spaß an der Arbeit hat und sieht, dass es vorwärts geht“, so Lembke. „Ich möchte hier jetzt nicht zur großen Politikschelte ausholen, aber es ist schon frustrierend, wenn es nicht vorangeht, weil Beschlüsse fehlen oder wieder geändert werden. Gefühlt treten wir bei manchen Themen auf der Stelle. Das frustriert Verwaltungsmitarbeiter, wenn derselbe Vorgang immer wieder auf dem Schreibtisch landet“, so der Bürgermeister. „Über den nicht immer glücklichen Tonfall zwischen Politik und Verwaltung oder den Stil mancher öffentlichen Kritik habe ich mich bereits geäußert.Wir sind keine Weicheier hier. Konstruktive Kritik hilft uns sogar, besser zu werden. Aber ungerechte oder überzogene Kritik führt zu Frust. Es wäre schön, wenn mal jemand öffentlich die Arbeit der Verwaltung loben würde. Jeder möchte mal positiv erwähnt werden. Das ist nur menschlich“, so Lembke weiter.

„Es hilft in unserer Situation nicht, einen Betriebsausflug oder soziale Aktionen durchzuführen, um die Stimmung zu verbessern. Es müssen andere Stellschrauben gedreht werden, was ich aber nicht öffentlich ausführen möchte. Wir sind da dran“, so Heinzen. „Ich hoffe, dass wir bis Ende des Jahres alle Stellen besetzen können. Das wird einen positiven Effekt mit sich bringen. Wir begrüßen, dass der Bürgermeister neue Stellen schaffen will. Es ändert sich bereits ein wenig. Das ist aber noch nicht direkt für alle Mitarbeiter feststellbar“, so Heinzen. Ob es kurzfristig möglich sei, die Stimmung grundlegend zu verbessern, sei „eine schwierige Frage“. „Da haben sich auch Sachen über Jahre aufgestaut. Im Endeffekt spielt es aber gar keine Rolle, was mal war. Wir müssen sehen, wie wir jetzt die Situation verbessern. Ich will nicht über das urteilen , was vor meiner Zeit war oder wie lange sich Frust schon aufstaute“, blickt Lembke nach vorn.  


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