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Bargteheide : Angst vor Kriminalität und Werteverlust der Häuser

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Flüchtlinge und Wohnungsbau - das neue Aufreger-Thema in Bargteheide. Anwohner protestieren bei der Sondersitzung des Hauptausschusses gegen Unterkünfte in der Nachbarschaft.

Nach der Windkraft-Diskussion gibt es ein neues Aufreger-Thema in Bargteheide. Jetzt geht es um den Wohnungsbau, der nicht nur den Flüchtlingen zugute kommen soll. Fünf Standorte sollen überprüft werden. Zwei davon liegen in den Neubaugebieten Trabrennbahn und Kornmühle. Und gerade dort regt sich Protest. So kamen jetzt fast 100 Besucher zur Sondersitzung des Hauptausschusses, der das Programm jetzt einstimmig befürwortete.

Es ist die Kleinstadt-Variante der aktuellen bundesweiten Diskussion. Ängste um den Wertverlust der Häuser und vor Kriminalität sind der Antrieb für den Protest. Und der kam ausführlich zu Wort. „Ich habe zwei kleine Jungs zu Hause“, so eine Anwohnerin vom Maisfeld. Sie habe Angst, dass hier junge Männer ohne Arbeit tagsüber herumlungerten.

Doch viele Menschen setzen sich für eine sinnvolle Beschäftigung ein, und auch die Flüchtlinge selbst engagieren sich. „Für jede Flüchtlingsfamilie gibt es inzwischen einen Paten“, so Gabriele Abel, Koordinatorin der Flüchtlingshilfe für die Stadt. Viele Ankömmlinge engagierten sich schon als Dolmetscher oder Helfer für andere. Einige arbeiteten bereits in einem Praktikum. Gegen eine erzwungene Nähe würden Unterschriften gesammelt, sagte ein anderer.

Bürgermeister Dr. Henning Görtz sprach klare Worte: „Wir werden die Einwohner und Nachbarn nicht um Erlaubnis fragen, aber wir werden sie informieren.“ Denn Bargteheide müsse eine festgelegte Quote bei der Aufnahme von Flüchtlingen erfüllen, das sind sieben Prozent der dem Kreis Zugewiesenen. „Ob sie das jetzt wollen oder nicht, das müssen sie in der Berliner Politik diskutieren.“ Der Zustrom werde nicht rasch abreißen. Zurzeit seien 150 Flüchtlinge angekommen, mit weiteren 50 bis 80 sei in absehbarer Zeit zu rechnen. Es habe eine Fülle von ablehnenden Briefen und E-Mails gegeben. „Man schreibt mir, wir würden die Flüchtlinge hierher holen“, sagt Görtz, „tatsächlich haben wir keinen Einfluss darauf.“ Er lasse sich nicht auf Vorurteile ein. Priorität bleibe die dezentrale Unterbringung als der beste Weg für eine schnelle Integration. Die Zustände in Hamburger Massenquartieren bewiesen, dass dieser Weg besser sei.

Darin sind sich die Ausschussmitglieder einig. „Es ist unsere Pflicht aus christlicher Nächstenliebe“, so Gorch Hannis la Baume (FDP). „Wir haben schon viele ausländische Mitbürger erfolgreich integriert“, sagte Andreas Bäuerle (SPD). Viele Ängste entstünden durch Halbwissen, sagte Abel.

„Wer hier vor fünf Jahren ein Haus gekauft hat, kann schon heute eine klare Wertsteigerung verzeichnen“, so Görtz. Eine Zusammenballung müsse vermieden werden. Das und die Integration der Neubürger sei auch die beste Vorsorge gegen Kriminalität. Nach Auskunft der Polizei gebe es hier bisher keinerlei Auffälligkeiten.

Dafür wird voraussichtlich Wohnraum geschaffen. Geplant sind Container am Westring/Glindfelder Weg und am Westring auf der Höhe des Kleingartenvereins im Norden. Sie könnten kurzfristig verwirklicht werden und sind nicht auf Dauer ausgelegt. Anders Am Maisfeld, wo nach jetzigem Stand acht Wohnungen in zwei Holzbauten geplant sind. „Eine Firma aus dem Kreis kann sie kurzfristig errichten“, so Görtz, „diese Häuser sind aber dauerhaft.“

Etwas Dauerhaftes soll auch An den Stücken und Am Bornberg entstehen. An den Stücken könnten 80 bis 100 Wohnungen in Massivbauweise entstehen, so Görtz. Am Bornberg könne das Projekt „BornInk“ mit bis zu 170 Wohneinheiten realisiert werden. Die Aufstellung von Containern am Sportplatz der Dietrich-Bonhoeffer-Schule ist vorerst zurückgestellt. Den Wunsch vieler Besucher, die Flüchtlinge im Gewerbegebiet unterzubringen, lehnen die Kommunalpolitiker einmütig ab.




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