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Stormarner Tageblatt

11. Dezember 2017 | 14:38 Uhr

Bad Oldesloe : Angezapft, ausgekocht, abgezockt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Es gab viele Opfer in dieser Woche, echte und selbsternannte.

von
erstellt am 29.Mär.2015 | 11:15 Uhr

Katastrophen

Vor der Flugzeug-Katastrophe in den französischen Alpen verblassen all die großen und kleinen Katastrophen im Kreis. Dabei war der Tod einer 16-Jährigen am Klingberg wahrlich tragisch. Das Mädchen war am Mittwochabend auf der Straße von Tönningstedt nach Neverstaven auf Inline-Skates unterwegs. Als sie von einem Auto überholt wurde, prallte die 16-Jährige aus unbekannter Ursache mit dem Kopf gegen Holm und Windschutzscheibe. Ihr Verletzungen waren tödlich.

Opfertum

Opfer sind nach ihrem Selbstverständnis auch die Hartz  -IV-Bezieher, die gegen den „Machtmissbrauch“ des Jobcenters demonstrieren wollten. Der Inhalt des Protestes ist das eine, die Form das andere. Dass sie trotz Flugzeugabsturz daran festhielten, zwischen Bahnhof und Kreisverwaltung sowie am Berliner Ring weiße Kreuze für die „Opfer der Agenda 2010“ aufzustellen, fanden Passenten mindestens unangemessen und respektlos, um es mal freundlich auszudrücken. Die ebenfalls plakatierte Verbindung zwischen Nazi-Verbrechen und Hartz-IV-Behörde war aber keinen Deut weniger geschmacklos. Wer meint, sich auf solche Art zum Opfer stilisieren zu müssen, ist ganz bewusst ein Täter.

Variantenreich

Viele Wege führen nach Rom, aber nur einer um Hammoor herum. Aber welche Variante ist die richtige Ortsumgehung? Gibt’s die überhaupt? Nach dem Schuss vor den Bug durch das A-20-Urteil („Sie haben nicht genug untersucht“) ist die Landesbehörde gewarnt und vorsichtig. Wenn nun der favorisierte Streckenverlauf 1.4a wegen veränderter ökologischer Kriterien nicht mehr gerichtsfest ist, sollte man in unserem streit- und klage-wütigen Land die Finger davon lassen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Das Land hat die Notbremse gezogen und gut daran getan. Weniger gut ist allerdings, alles wieder auf Anfang zu stellen und Straßenverläufe ins Feld zu führen, die es noch gar nicht gibt. Dabei bestehen ja geplante und in Frage kommende Trassen: 1.2 (Süd) und 2.1 (Nord). Warum wird nicht – ganz demokratisch – darüber entschieden und das kleinere Übel gewählt? Das würde Geld und Zeit sparen. Bei ganz anderen Varianten wäre die Betroffenheit ebenso groß und Widerstand so sicher wie das Amen in der Kirche. Ferner müssten auch diese Zukunftsmodelle im Klagefall vor Gericht bestehen können. Glaubt angesichts dieser Aussichten jemand noch allen Ernstes, dass das Projekt umsetzbar ist – in Zeiten, in denen immer mehr denken, sie leben auf einer einsamen Insel?

O’zapft is

Von den Bayern kann man nicht nur lernen, wie Strukturpolitik und Fußball funktionieren, sondern auch wie man richtig feiert und damit auch noch Geld verdient. Aber im Norden gibt es doch viele Vorurteile gegen den Freistaat im Süden, in dem von Anbeginn der Zeit die CSU regiert und SPD und Grüne kleinhält. Da darf man dann doch mal sagen, dass bayrische Volksfeste hier nichts verloren haben. Dass die Ahrensburger das anders sahen, bekamen die Politiker nach dem Ausschuss-Beschluss gegen ein Oktoberfest zu spüren. In der Stadtverordnetenversammlung wollten SPD und Grüne nicht länger Spaßverderber sein. Aber auch nicht im Büßergewand auftreten. Heraus kam ein typischer politischer Kompromiss: Das Fest wird nur für zwei Jahre vergeben, und der Veranstalter soll nächstes Jahr ein neues Konzept vorlegen. Am besten, wie man ein Oktoberfest ohne Bier (Alkohol!) Hendl (Fleisch!) und Musik (Lärmbelästigung!) feiert. Und wie die Security verhindert, dass außerhalb dafür vorgesehener Einrichtungen gebiselt wird, wie es auf der Wies’n heißt. Vielleicht sollte man auch gleich über ein Verbot für Dirndl (frauenfeindlich!) und Lederhosen (machomäßig!) nachdenken. Da sollte noch so manche politische Debatte möglich sein, die in einem Kompromiss gipfeln könnte. Haariger Schmuck an Hose oder Hut ist erlaubt. Allerdings kein Gamsbart, sondern nur der Troddel einer ökologisch erzogenen Schwarzbunten.
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