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Gericht Ahrnesburg: : Angeklagter muss weitere 15 Monate hinter Gitter

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kurz nach Haftentlassung begeht ein 50-Jähriger die nächste Straftat und das hat schwere Folgen

Mit weitschweifigen und umständlichen Ausführungen versucht Arthur X. (Name geändert) sich zu rechtfertigen. Er habe kein Handy geraubt und auch keinen Widerstand bei seiner Festnahme geleistet. Er sei dabei sogar im Gegenteil von den Polizisten misshandelt worden. Doch genau das wirft ihm das Schöffengericht in Ahrensburg vor, Raub und Widerstand gegen Amtsträger.

Es geht um ein Geschehen am 17. Juli vergangenen Jahres. Der 50-Jährige aus Bad Oldesloe hatte vor der Wohnung seiner Frau lautstark randaliert. Als ihn ein Mitbewohner des Mehrfamilienhauses in Rümpel zur Ordnung rief und die Polizei alarmieren wollte, schlug X. ihm ins Gesicht und entriss ihm sein Handy. Als ihn Polizisten am Folgetag festnehmen wollten, sträubte er sich nach Kräften dagegen.

Pikanter Nebenaspekt: X. war erst zwei Tage zuvor aus der Haft entlassen worden. Sein Strafregister umfasst 21 Einträge. „Beleidigung, Hausfriedensbruch, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Raub, Körperverletzung, Diebstahl, Fahren ohne Führerschein unter Alkoholeinfluss und versuchter Totschlag“, liest der Vorsitzende Richter aus dem umfangreichen Register vor.

Es war bereits der zweite Versuch von X. in dieser Nacht, in die Wohnung seiner Frau einzudringen. Zuvor hatte sie ihm den Wohnungsschlüssel abgenommen, weil er angetrunken nach Hause kam. „Er hat sich nicht an meine Anordnung gehalten, dass er nüchtern kommen soll“, sagt sie aus. Seine Sachen hätte er in nüchternem Zustand abholen können. „Er hat mich nächtelang betrunken terrorisiert, darauf hatte ich keinen Bock mehr“, sagt sie.

Stattdessen klingelte er in der Tatnacht gegen 2.30 Uhr Sturm und trommelte gegen die Fensterscheibe. Seine Frau rief daraufhin die Polizei, die eine Wegweisung aus der Wohnung aussprach. Daran hielt X. sich aber nicht und tauchte erneut und lautstark auf.

„Ich muss früh zur Arbeit und bat ihn zu verschwinden“, sagt sein Nachbar aus. Als X. weiter wütete, setzte er sich in sein Auto und wollte die Polizei anrufen. Da trat X. auf ihn zu, versetzte ihm einen Schlag durch das geöffnete Fenster und entriss ihm das Handy. Auch seine Brille wurde durch den Schlag demoliert. Das geraubte Handy präsentierte X. anschließend seiner Frau, die durchs Fenster zuschaute. „Mein neues Handy“, soll er dabei gesagt haben.

Auch in dieser Nacht war X. sturzbetrunken. „Er konnte kaum gehen und torkelte“, sagt der Nachbar. Bei seiner Festnahme zwölf Stunden später hatte er noch über zwei Promille. „Er sagte uns, er werde auf keinen Fall mitkommen“, sagt einer der Polizisten aus. Nur zusammen mit einem Kollegen konnte er X. bändigen und ihm die Handschellen anlegen. „Er strampelte und versuchte sich aus unserem Griff zu entwinden“, so der zweite Beamte. „Er ist amtsbekannt und reagiert enthemmt und sehr laut“, fügt er vor dem Schöffengericht hinzu.

Das Mobiltelefon ist bis heute verschwunden. Der Verteidiger zweifelt die Aussage des Nachbarn an: „Er möchte X. nur eins auswischen wegen der ständigen Ruhestörungen“, merkt er an und fordert Freispruch. Denn ein Raub könne nicht nachgewiesen werden. Wenn eine Haftstrafe verhängt werde, müsse sie auf Bewährung erfolgen. „Ich würde mich über eine Bewährung freuen“, sagt der Angeklagte X. in seinem Schlusswort. Dann könne er sich mit seiner Frau eine neue Wohnung suchen und einen Job.

Die Staatsanwältin fordert ein Jahr und acht Monate Haft ohne Bewährung. „Eine Bewährungsstrafe wird sich X. nicht zur Warnung dienen lassen.“ Dem folgt das Gericht im Wesentlichen. Es verhängt ein Jahr und drei Monate Freiheitsstrafe, die nicht zur Bewährung ausgesetzt wird.

Wir glauben dem bestohlenen Zeugen, der sehr klar ausgesagt hat“, sagt der Richter, „wir sehen auch keine Einsicht oder Distanzierung des Angeklagten zu seiner Tat.“ X. habe seiner Frau triumphierend das geklaute Handy gezeigt. Zwar sei die Schuldfähigkeit des Angeklagten alkoholbedingt vermindert gewesen. „Sie greifen Menschen in den Morgenstunden an, die nur ihre Ruhe haben wollen“, sagt der Vorsitzende Richter zu Arthur X., „dafür ist eine deutliche Sanktion erforderlich.“


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