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Angeklagter gibt erstmals alles zu – der Liebe wegen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Vorstrafenregister des 58-Jährigen ist lang. Betrug, Fahren ohne Führerschein, Trunkenheit im Verkehr, Urkundenfälschung, Unterschlagung, gemeinschaftlicher Diebstahl und gewerbsmäßige gefährdende Abfallbeseitigung zählt der Vorsitzende Richter auf. 36 Mal wurde Hubert M. (Name geändert) bereits verurteilt. Jetzt steht er vor dem Schöffengericht in Ahrensburg, weil er Bauern und Containerverleiher betrogen haben soll. Er gab vor, Altreifen oder Bauschutt zu entsorgen, bestellte dafür Container und ließ sich von den Landwirten bezahlen. Das Geld behielt er, Leistungen erbrachte er aber nicht.

Der zuletzt in Bad Oldesloe lebende Schausteller wird von Justizbeamten vorgeführt. Er sitzt seit November in Lübeck ein. Zuvor war er längere Zeit auf der Flucht, denn eine Gefängnisstrafe ist noch zur Verbüßung offen. In Marburg hatten die Handschellen geklickt.

Angeklagt sind elf Fälle, der Schaden der Betrogenen beläuft sich auf insgesamt fast 20  000 Euro. „Ich habe mit zwei Männern aus Lübeck zusammengearbeitet“, gibt M. zu, „einem Polen und einem Ausländer.“ Das ergaunerte Geld hätten sie sich geteilt. Deren Identität möchte er nicht preisgeben, gesteht aber alle Taten. Die wurden bereits 2011 verübt, ein früheres Verfahren musste wegen weiterer Beweisaufnahme abgebrochen werden. Danach tauchte M. unter.

Dicke Aktenordner türmen sich vor Richter Ulf Thiele und den Schöffen. Auch zu den Tatzeiten stand M. unter Bewährungsauflage, vor fünf Jahren hat der Mann mit Schnurrbart und Stirnglatze den Offenbarungseid abgelegt. „Bei früheren Verfahren gaben sie sich als Unschuldslamm und Opfer aus“, sagt der Richter. Jetzt gibt M. alles zu: „Ich habe eine neue Lebenspartnerin. Sie will mich verlassen, wenn ich so weitermache.“ Sie besuche ihn regelmäßig im Gefängnis. Er sei froh, dass er jetzt alles abhaken könne. In Zukunft werde er „etwas mit Flohmärkten machen wie mein Sohn, der ist damit erfolgreich.“ Er habe nie Lesen und Schreiben gelernt, weil seine Familie ständig herumgereist sei. Er habe sich mit Betrügereien gewerbsmäßig eine laufende Einnahmequelle verschafft, wirft ihm die Staatsanwältin vor. Zugunsten des Angeklagten spreche sein Geständnis, was das Verfahren verkürzt habe. Sie fordert ein Strafmaß von zwei Jahren und sechs Monaten Haft.

„Herr M. möchte sein Leben jetzt definitiv umkrempeln“, sagt sein Anwalt Patric von Minden. Erstmals habe er alle Taten gestanden und nichts auf andere abgewälzt. Es seien nicht gewerbsmäßige, sondern einfache Betrügereien gewesen. „Er ist ein Kleinkrimineller und Analphabet.“ Eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren und zur Bewährung sei angemessen. „Ich schließe mich meinem Anwalt an“, sagt M. in seinem Schlusswort. Doch das Schöffengericht folgt dem Antrag der Staatsanwältin, der Angeklagte erhält zwei Jahre und sechs Monate Haft und muss die Verfahrenskosten tragen. Darin ist auch die nicht verbüßte letzte Haftstrafe von neun Monaten inbegriffen.

„Wir haben keinen Zweifel daran, dass sie gewerbsmäßig schweren Betrug begingen“, sagt der Richter. Er glaube zwar, dass M. diesen Lebensabschnitt nach der Haftentlassung beenden wolle. Sein bisheriges Leben mit regelmäßigen Straftaten über Jahrzehnte hin lasse aber Zweifel aufkommen. Bisher habe M. alle Bewährungschancen verstreichen lassen. Und darüber sei mit einer deutlichen, aber nicht übermäßigen Haftzeit geurteilt worden.

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