Bad Oldesloe : Angeklagter erhebt Vorwürfe gegen Polizei

Ein mutmaßlicher Brandstifter muss sich vor Gericht verantworten.
Ein mutmaßlicher Brandstifter muss sich vor Gericht verantworten.

Der 29-Jährige spricht über seine Beziehungen und den Tag des Brandes in Bad Oldesloe.

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21. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Erstmals hat Arne K. (Name geändert) Details über sein Leben und die ihm vorgeworfene Tat mitgeteilt. Der 29-Jährige muss sich vor der I. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck verantworten. Vorwurf: Versuchter Totschlag und schwere Brandstiftung. In der Nacht zum 31. Mai soll er das Haus am Pölitzer Weg in Oldesloe in Brand gesetzt haben, in dem seine Partnerin und deren siebenjähriger Sohn schliefen. Die Frau war zu diesem Zeitpunkt schwanger von Arne K. Der wurde noch am Tag des Feuers festgenommen und sitzt seither in Untersuchungshaft.

Am zweiten Verhandlungstag erhebt Arne K. Vorwürfe gegen die Polizeibeamten, die seine Aussage protokollierten: „Man hat verbal auf mich eingeprügelt, mich geduzt, angebrüllt und mich aufgefordert, die Tat doch endlich zuzugeben.“ Die Beamten hätten ihm seine Aussage vordiktiert. Auch sei er bei seiner ersten Vernehmung nicht rechtlich belehrt worden. Arne K. bestreitet die Brandstiftung. Er habe in der besagten Nacht einige seiner Sachen abgeholt, die seine Partnerin für ihn rausgestellt hatte. Dabei habe er eine Zigarette vor dem Wintergarten geraucht und die Kippe auf den Glastisch geschnippt. Dort soll das Feuer ausgebrochen sein. „Warum zündest du uns an?“, soll seine Partnerin ihm nach dem Brand geschrieben haben. „Das könnte ich dir nie antun“, hatte er geantwortet.

Es war eine problematische Beziehung, immer wieder geriet das Paar in Streit. Der Vorsitzende Richter verliest einige Textnachrichten der beiden vor. „Deine Scheißlügen lasse ich mir nicht länger gefallen“, hatte Arne K. geschrieben, üble Schimpfworte gehörten zu seinem Vokabular. Sie zahlte ihm mit gleicher Münze zurück. Beide erfanden auch imaginäre Partner, um den anderen eifersüchtig zu machen. Auch am Abend vor der Tat beschimpften sie sich noch. „Es war ein kindischer Streit, ich schäme mich dafür“, erklärt Arne K. dazu.

Er habe durch einen Freund von dem Brand erfahren und sich große Sorgen gemacht, sagt der Angeklagte und schluchzt: „Ich habe Panik bekommen, dass man mich verdächtigt.“ Er sei dann zur Polizei gefahren, um sich zu erkundigen und wurde umgehend verhaftet.

Angeblich hält seine Partnerin noch zu ihm. „Nach meinem Wissensstand besteht die Beziehung noch, sie glaubt an meine Unschuld.“ Zuletzt habe seine Partnerin ihm im September geschrieben und ihn von der Geburt seines Sohns informiert. Er hoffe, dass sie weiter zu ihm stehen werde. Beide hatten zuletzt getrennt voneinander gewohnt. Am Tattag wollte seine Partnerin eine neue Wohnung beziehen.

„Sie hat spontan gesagt, dass sie Arne K. die Tat zutraut“, sagt ein Polizist als Zeuge vor dem Lübecker Landgericht aus. Ihr Partner sei psychisch auffällig gewesen, habe sie bedroht und Gegenstände aus Wut kaputt gemacht. „Wir wussten, dass diese Beziehung problematisch war“, sagt ein Kollege. Im Verhör habe sich Arne K. einsichtig und kooperativ gezeigt.

Der 29-Jährige hat die Hauptschule besucht. Eine Lehre als Bäcker brach er wegen einer Allergie ab und avancierte eine Ausbildung als Berufskraftfahrer. Seinen Vater hat er kaum kennengelernt. Wie seine drei Ge-schwister sei er von einem späteren Partner seiner Mutter sexuell missbraucht worden. Auch habe der seine Mutter zum Anschaffen gezwungen. Arne K. hat mit einer früheren Partnerin einen weiteren Sohn. Die Frau sei fremdgegangen wenn er auf Tour war und habe getrunken. Nach acht Jahren trennte sich das Paar.

Seine neue Partnerin habe er im Sommer vergangenen Jahres kennengelernt, berichtet der Angeklagte. Weil sie keine geeignete Wohnung fanden, wohnten sie zuletzt getrennt. Er habe bei ihr zwei bis drei Mal wöchentlich übernachtet. Der Sachverständige schildert die Frau als manisch-depressiv. „Sie ist manipulierbar“, sagt Arne K. vor Gericht. Insbesondere eine Freundin von ihr habe sich destruktiv in die Beziehung eingemischt.


>Termin: Die Verhandlung vor der
I. Großen Strafkammer des Landgerichts Lübeck wird am Montag, 8. Januar, fortgesetzt.

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