Fluglärm : Anflug entzweit Initiativen

Stormarn macht mobil gegen den Fluglärm aus Richtung Hamburg.
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Stormarn macht mobil gegen den Fluglärm aus Richtung Hamburg.

Hamburger BAW fühlt sich ausgegrenzt, Elmenhorster FGE begrüßt Forderung.

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25. Juli 2015, 06:00 Uhr

Das Gespräch von Vertretern des Kreises Stormarn und Hamburgs, zu dem die Fluglärmschutzbeauftragte Dr. Gudrun Pieroh-Joußen eingeladen hatte, wird von den Bürgerinitiativen völlig konträr bewertet. Während Vertreter der BAW (BI für Fluglärmschutz in Hamburg und Schleswig-Holstein) von „Missachtung“ und „Ausgrenzung“ sprechen, begrüßt die FGE (Fluglärmgeplagte Gemeinde Elmenhorst) die Stormarner Forderungen.

Die Vertreter von Kreis, Städten und Ämtern plädieren für eine Rückkehr zum Regelanflug aus vier nautischen Meilen. Die Verlängerung auf sieben Meilen, wesentlicher Punkt im 16-Punkte-Plan des Hamburger Senats, habe das Lärmproblem nur auf die Umland-Gemeinden in Stormarn verlagert (wir berichteten).

„In der Besprechung wurden unsere Recherchen bestätigt, dass besonders Elmenhorst und Jersbek seit dem Wegfall des kurzen Anfluges ab dem 1. Juli 2013 unter einem mindestens verdoppelten Überflugaufkommen zu leiden haben“, so FGE-Sprecherin Barbara Gosch. 70 Prozent der Landungen auf den Runway 23 würden bereits „nachweislich“ über zehn nautische Meilen geführt, so Gosch. Das Einschwenken auf den Leitstrahl geschehe dann dann auf Höhe Elmenhorst, der Anflug verläuft gerade über Jersbek, Ammersbek und Poppenbüttel.

An Wochenenden und Feiertagen würden sogar alle Anflüge vor 10 und nach 20 Uhr über die zehn Meilen geführt werden. Und die Flughafen-Vertreter hätten in dem Gespräch erneut darauf hingewiesen, das der verlängerte Anflug keine spürbare Entlastung für Hamburg Nordosten gebracht habe.

Das bestreitet die BAW. Zudem sei es ein Unterschied, ob 2500 Elmenhorster oder 100  000 Menschen in den Walddörfern und Ahrensburg mehr abbekommen, so BAW-Sprecher Martin Mosel. „Fakt ist“, so BAW-Vertreter René Schwartz aus Ahrensburg, „dass der Fluglärm durch startende und landende Flugzeuge in Ahrensburg, Bargteheide und Großhansdorf wesentlich höher ist als in Elmenhorst oder gar Bad Oldesloe.“ Die Initiativen müssten sich „einig gegen den überbordenden Fluglärm stellen“ und dürften sich nicht in „kirchturmartiges nicht über mein Haus fliegen“ zerstreiten, so Umweltbiologe Schwartz.

Fakt ist allerdings, dass BAW und FGE zurzeit nicht miteinander reden. Beide verfolgen dasselbe Ziel: Den Fluglärm gerecht auf alle betroffenen Anwohner zu verteilen. Auch bei Überflügen über möglichst dünn besiedeltes Gebiet und möglichst großer Höhe ist man sich einig grundsätzlich einig – die FGE betont allerdings, dass das „unabhängig von der Größe der Städte und Gemeinden zu erfolgen“ habe.

Und die Schlussfolgerungen der beiden Initiativen stehen sich dann wieder konträr gegenüber. Die BAW erhebt die Forderung nach einem noch längeren Regelanflug aus zehn nautischen Meilen ab. Das lehnen FGE und die Stormarner Vertreter kategorisch ab, fordern stattdessen die Rückkehr zum Kurzanflug.

Sowohl Schwartz als auch Gosch wünschen sich allerdings eine stärkere Positionierung des Landes. „Die Regierung muss sich intensiv damit befassen und nicht auf verträgliche Entscheidungen aus Hamburg hoffen“, so Schwartz. Und Barbara Gosch fragt sich, wie es sein kann, „dass die Hamburger Bürgerschaft Beschlüsse zu Lasten anderer Bundesländer fasst ohne sich vorher mit den betroffenen Ländern und Kommunen zu beraten?“.

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