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Kloster Nütschau : Anerkennung für das Flüchtlingsasyl im Kloster

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Benediktiner-Mönche in Nütschau erhalten vom Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein den „Leuchtturm des Nordens“.

Etwas schüchtern nahm Bruder Benedikt im Kloster Nütschau den hölzernen Leuchtturm entgegen. „Es ist mir fast schon unangenehm, dass wir für etwas ausgezeichnet werden, was doch selbstverständlich für Christen sein sollte“, sagte er. Die kleine Holzskulptur – der „Leuchtturm des Nordens“ –, wurde dem Benediktiner-Kloster Nütschau durch Martin Link überreicht, Geschäftsführer des Flüchtlingsrats Schleswig-Holstein, der diesen Preis seit elf Jahren vergibt. Die Auszeichnung würdigt den Einsatz der Klosterbrüder für das Kirchenasyl. Schon seit der Gründung des Klosters 1951 haben immer wieder Flüchtlinge, denen die Abschiebung drohte, Kirchenasyl in Räumlichkeiten des Klosters erhalten. Und das unabhängig von Geschlecht oder Religionszugehörigkeit.

Besonders seit 2013 setzt sich eine Gruppe rund um Bruder Benedikt für hilfesuchende Flüchtlinge ein. 15 Personen wurden in den vergangenen zwei Jahren im Kloster im Kirchenasyl aufgenommen. Und das mit „regelmäßiger und bedingungsloser Solidarität“.

„Der Leuchtturm ist seit elf Jahren ein kleiner Preis für eine wirklich große Tat. Leider ist er bisher undotiert, aber er soll ein Zeichen sein“, führte Link weiter aus. Die vorherigen Preisträger kamen aus den unterschiedlichsten Bereichen, Einzelpersonen oder auch die Gemeinde einer Moschee. Das Kloster passe wunderbar in diese Reihe. „Kloster Nütschau hat schon lange eine große Strahlkraft weit über die Region hinaus. Und das natürlich schon bevor es jetzt diesen Preis erhalten hat.“

Die Vorjahrespreisträgerin Brigitta Oehmichen, Psychotherapeutin aus Lübeck, hielt die Laudatio. Sie hob hervor, dass alle Menschen, die im Nütschauer Kirchenasyl unterkamen, von akuter Abschiebungsgefahr bedroht waren und dass diese oft habe abgewendet werden können. „Es ist schön zu sehen, dass sie sich so engagieren und dass ich gehört habe, dass es auch so weitergehen soll. In Kürze soll es vier Zimmer mit Dusche für Menschen geben, die hier im Kirchenasyl leben“, so Oehmichen.

Eine bezeichnende Anekdote, die bei der Verleihung die Runde machte: Als einst Bundespolizeibeamte für ein Auszeit im Kloster weilten, trafen sie auf einen Sudanesen, der hier Kirchenasyl genoss. Die Beamten wussten nicht so genau, wie sie mit dieser Situation umgehen sollten und sagten dann, dass sie die Sudanesen eigentlich festnehmen müssten. Freundlich, aber bestimmt, erwiderte ein Bruder: „Das werden Sie hier wohl kaum bei uns tun“ und im Sinne der Harmonie verzichteten die Polizisten tatsächlich auf eine Festnahme.

„Unser Engagement für Schutzsuchende ist gelebtes Christentum. Nicht mehr und nicht weniger“, erläuterte Bruder Benedikt. Er wolle das eigene Tun nicht zu sehr überhöht wissen. Es sei eine Selbstverständlichkeit. Gegenwärtig lebt ein Iraner im Kirchenasyl im Kloster Nütschau. Diese Form des Asyls ist rechtlich nicht unumstritten, erfährt aber viel Lob. „Es geht nicht um das Schaffen rechtsfreier Räume, sondern darum allen Beteiligten in einem vermeintlich abgeschlossenen Fall noch einmal Gelegenheit zum Innehalten, zur Überprüfung und eine Neubewertung humanitärer Lagen zu ermöglichen. Kirchenasyl gewährleistet, dass dem Rechtsstaat und dem hohen Verfassungsgut des Asyls vollständig Genüge getan werden kann“, stellte Link vom Flüchtlingsrat klar.

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erstellt am 11.Dez.2015 | 06:00 Uhr

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