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Ammersbek sorgt gut vor für Ankunft der Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mehr als eine 100 Interessierte sahen sich die Neubauten an, die zunächst für Flüchtlinge gedacht sind

Großer Andrang herrschte bei der Besichtigung des neuen Gebäudes, das zunächst für Flüchtlinge in Ammersbek entstanden ist. Wohl über 100 Besucher kamen in das schnell errichtete Haus in Holzständer-Bauweise. 480  000 Euro haben die zwei Bauten gekostet und sind in drei Monaten fertig geworden. Für die Bauamtsleiterin Susann Jandt-Wahls ist das eine gute Investition: „Entsprechend große Container hätten schon in fünf Jahren genauso viel an Miete gekostet.“ Die beiden massiven Gebäude hingegen haben eine weitaus längere Lebensdauer.

Die nichttragenden Wände können für eine andere Nutzung später verändert werden, die Türen sind breit genug für Rollstuhlfahrer. Die Untergeschosse sind auch barrierefrei. So könnten hier später auch Menschen mit Handicap wohnen. Jede der acht Wohnungen hat 60 Quadratmeter Wohnfläche, sodass insgesamt 48 Bewohner eine Unterkunft finden. Die Gebäude mit Staffelgeschoss passen sich den Vorgaben des B-Plans an.

„Wir möchten hier vorzugsweise Familien mit Kindern unterbringen“, sagt Bürgermeister Horst Ansén. Familien benötigten mehr Schutzraum als einzelne Personen. 110 Flüchtlinge sind zurzeit in Ammersbek, die meisten sind Familien mit Kindern. Der Freundeskreis Flüchtlinge umfasst hier gut 50 Unterstützer, die sich auch die neuen Bürger kümmern werden.

Die ersten Bewohner sollen Mitte Februar einziehen. „In der kommenden Woche kommen die Möbel, relativ einfache Betten und abschließbare Spinde“, sagt Julia Albrecht vom Ordnungsamt. Für diese Standardausstattung seien etwa 20  000 Euro eingeplant. Viele Flüchtlinge arbeiteten bereits oder sie besuchten Deutschkurse.

Der schnelle Bau wurde durch vorgefertigte Elemente im Holzbaubetrieb möglich. Die Außenanlagen werden noch fertig gestellt, als Ersatz für die gefällten sollen sechs neue Bäume gepflanzt werden. Das benachbarte Jugendzentrum und der nahe Sportplatz bieten viele Möglichkeiten zu Begegnung.

Die Hilfsbereitschaft bleibt groß. „Die neuen Bewohner sollen sich hier aufgefangen fühlen“, sagt die Erzieherin Ajfer Heller, die in der Nachbarschaft wohnt. Die Erzieherin stammt selbst von Migranten aus Mazedonien ab. „Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen, deutscher als ich kann man nicht sein“, sagt sie. Man solle den Neubürgern selbstbewusst begegnen: „Dazu gehört auch zu sagen, was man nicht haben möchte.“

So positiv sieht es auch Irina Milewski: „Jeder hat eine Chance verdient, man sollte den Flüchtlingen offen gegenübertreten. Ich sehe mich als Vorbild. Wenn etwas nicht klappt, muss man ihnen eben zeigen wie es besser laufen sollte.“

Nach dem Krieg wurde das Gelände am Schäferdresch Flüchtlingen aus dem Osten zugewiesen. „Hier haben meine Eltern Gemüse und Feldfrüchte angebaut“, sagt der ehemalige Bundestagsabgeordnete Werner Zywietz. Nach der Flucht aus Ostpreußen sei seine Familie in Ammersbek fair aufgenommen worden: „Anfangs wurden wir in der Schule noch als Polacken bezeichnet, später haben wir uns hier gut vertragen.“ Über den Sportverein und den Dorfkrug Harms sei die Integration gut gelungen, die Kneipe sei eine Art Sozialstation gewesen. „Man muss die Menschen motivieren, aufeinander zuzugehen“, sagt Zywietz.

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