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Unterricht in Oldesloe : Am Anfang steht die Sprache

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Lernkonzept „Deutsch als Zweitsprache“ wird an den Beruflichen Schulen in Bad Oldesloe erfolgreich umgesetzt.

Morteza, Jan, Hamza und Mahdi arbeiten im Werkraum der Beruflichen Schule am Schanzenbarg. Hier lernen die vier jungen Männer aus Afghanistan nicht nur, wie man eine Drehbank bedient, sondern ganz nebenbei verbessern sie auch ihre deutschen Sprachkenntnisse. „Deutsch im Arbeitsprozess“ nennt sich dieses Projekt und ist ein wichtiger Bestandteil des Lernkonzeptes „Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ).

„Damit wollen wir eine erfolgreiche Integration von schulpflichtigen Jugendlichen mit Migrationshintergrund an unserer Schule erreichen“, sagt Christina Gütte, Kreisfachberaterin DaZ, die seit einem Jahr das Fach „Deutsch als Fremdsprache“ an der Beruflichen Schule am Schanzenbarg unterrichtet.

Zwölf Schüler begannen im vergangenen Jahr mit diesem, speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Unterricht im Bereich der Beruflichen Bildung. DaZ-Unterricht gibt es schon länger an allgemeinbildenden Schulen, doch an Beruflichen Schulen ist er noch die Ausnahme. „Landesweit bieten nur sieben der 33 Berufsschulen das Fach DaZ an“, sagt Landtagsvizepräsidentin Marlies Fritzen von den Grünen, die gestern zusammen mit ihren Parteikolleginnen Ines Strehlau und Wiebke Garling-Witt der Beruflichen Schule einen Besuch abstattete, um das seit einem Jahr auch in Stormarn laufende Projekt näher kennenzulernen.

DaZ richtet sich in erster Linie an minderjährige und daher berufsschulpflichtige Flüchtlinge, die sich oft allein aus Kriegs- und Krisengebieten bis nach Deutschland durchgeschlagen haben und nun in ihrer neuen Heimat weiter die Schule besuchen wollen, um irgendwann auch beruflich Fuß zu fassen.

Morteza, Jan, Hamza und Mahdi gehören zu den sechs erfolgreichen Absolventen des ersten Jahrgangs, die ihren Hauptschulabschluss schafften. Die vier jungen Migranten flohen auf abenteuerlichen Wegen aus Afghanistan, wo ihre Familien meist aus politischen Gründen verfolgt wurden. Jetzt wolen sie nur eines: so schnell wie möglich Deutsch lernen und dann eine Ausbildung absolvieren.

Morteza Nadjafi war acht Monate lang auf der Flucht, bevor er schließlich bei Verwandten in Hamburg unterkam. „Ich möchte jetzt meinen mittleren Bildungsabschluss und dann Abitur machen“, sagt der 19-Jährige. Jan Y. Hashem kam über Norwegen nach Bad Oldesloe und spricht inzwischen vier Sprachen fließend. Der 18-Jährige nennt als Berufswunsch IT-Fachmann oder Mediziner. Hamza Haydar und Mahdi Karimi streben eine Berufsausbildung als Polizist oder Mechaniker an. „Alle vier sind fleißige Lerner und heben mittlerweile den Notenschnitt der Klasse. Sie sind absolut ehrgeizig und motiviert“, freut sich Klassenlehrerin Freda Scott-Haarhoff. „In Deutschland haben wir keinen anderen Weg, als zu lernen“, betont Jan.

Nach einem Schuljahr mit einer täglichen DaZ-Stunde sprechen die vier jungen Männer hervorragend Deutsch, ihre Muttersprache ist Dari (Neupersisch), das auch im Iran gesprochen wird. An der Beruflichen Schule lernten sie im ersten Jahr neben Deutsch auch noch Englisch und Mathematik. „Gerade der handlungsorientierte Unterricht ist dazu sehr gut geeignet, Sprache zu vermitteln“, betont Christina Gütte. Und in der Werkstatt werde der Unterricht dann mit Werkzeugen vertieft, betont Schulleiter Rüdiger Hildebrandt, der zurecht stolz ist auf seine fleißigen Schüler aus Afghanistan.

Inzwischen startete ein zweiter DaZ-Jahrgang mit zehn Jungen und zwei Mädchen mit Migrationshintergrund, die alle noch minderjährig sind. Das DaZ-Projekt wird vom Lande auch finanziell unterstützt. Die sieben Berufsschulen werden mit rund 370000 Euro gefördert. „Sprache ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Integration. Ich bin beeindruckt von diesem Projekt und der Leistung dieser jungen Migranten“, sagte Marlies Fritzen.

 

 

 

 




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erstellt am 13.Jan.2014 | 18:38 Uhr

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