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Düneberger Strasse : Altmetall-Diebe plündern ehemalige Teppichfabrik in Geesthacht

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Schrottdiebe haben in Geesthacht ganze Arbeit geleistet – angeblich unbemerkt neben offiziellen Arbeiten in den Hallen.

shz.de von
erstellt am 22.Feb.2017 | 16:05 Uhr

Geesthacht | Altmetall-Diebe haben die ehemalige Teppichfabrik an der Düneberger Straße in Geesthacht heimgesucht – und zwar im großen Stil. „Es wurden mit Hilfe eines Baggers oder Radladers Bäume zur Seite geschoben und riesige Löcher in eine Fassade gerissen, um komplette Heizkessel mitnehmen zu können. Und selbst die Transformatoren sind in einem Stück verschwunden“, erklärt Insolvenzverwalter Udo Müller. Der Rechtsanwalt aus Hannover hat bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Bisher gibt es keine Spur von den Tätern, der Schaden lässt sich bisher nicht beziffern.

Die Norddeutsche Teppichfabrik war 1953 in Geesthacht gegründet worden. Zeitweise wurden mehr als 600 Menschen beschäftigt. Nach schwierigen Zeiten – Laminat hat Teppich vielerorts den Rang abgelaufen – wurde 2014 mit noch gut 300 Beschäftigten Insolvenzantrag gestellt. 2016 ging die Teppichproduktion für die verbliebenen 80 Mitarbeiter ganz zu Ende. Die Stadt überlegt noch, welcher künftigen Nutzung sie das 24 Hektar große Areal, das bisher als Industriegebiet eingestuft ist, zuführen will. Denkbar wären Gewerbe und Wohnen.

„Wir haben umfangreich Spuren gesichert und müssen diese nun auswerten“, erklärt Gerd Dreller von der Geesthachter Kriminalpolizei. „Das Objekt ist von der Größen her, und damit natürlich auch diese Tat, sehr außergewöhnlich“, so Dreller.

<p>Unbekannte haben die Teppichfabrik regelrecht entkernt. Versorgungsleitungen wurden abgebaut, Trafos und Brenner mitgenommen. Der Schaden konnte noch nicht beziffert werden.</p>

Unbekannte haben die Teppichfabrik regelrecht entkernt. Versorgungsleitungen wurden abgebaut, Trafos und Brenner mitgenommen. Der Schaden konnte noch nicht beziffert werden.

Foto: Timo Jann
 

Nach dem Auszug der Teppichproduktion durch Vorwerk im Herbst – das Unternehmen hatte Teile der Norddeutschen Teppichfabrik mit der Marke „Nordpfeil“ 2014 aus der Insolvenz übernommen –  war nach unseren Informationen ein niederländisches Unternehmen damit beauftragt worden, in den Produktionshallen die nicht mehr benötigten Maschinen zu demontieren. Wochenlang gingen Mitarbeiter ein und aus, war schweres Gerät im Einsatz, um die Demontagearbeiten durchführen zu können.

Dass unbemerkt von diesen offiziellen Arbeiten Schrottdiebe aktiv waren, scheint zweifelhaft. Doch Hinweise von den Arbeitern gab es bisher nicht. „Ich möchte da gar nicht spekulieren, was dahinter stecken könnte“, übt sich Müller in Zurückhaltung. Möglich erscheint allerdings, dass da irgendjemand mit den Schrottdieben gemeinsame Sache gemacht haben könnte. Denn nur während der offiziellen Arbeiten war das Tor zum 24 Hektar großen Areal geöffnet. Anders hätte es keinen Zugang gegeben.

Selbst aus den Kabelkanälen klauten die Altmetall-Diebe die Leitungen, um das Metall versilbern zu können.

Selbst aus den Kabelkanälen klauten die Altmetall-Diebe die Leitungen, um das Metall versilbern zu können.

Foto: Timo Jann
 

Auch, dass das fünf mal sechs Meter große Loch in der Fassade der Heizzentrale nicht aufgefallen war, ist fraglich. Die Beute der Diebe war nicht in wenigen Minuten zusammengerafft, wahrscheinlich zog sich der Raub über mehrere Tage hin. Außerdem muss der Schrott auf mehreren Lastwagen abtransportiert worden sein. „Was da passiert ist, ist ein großes Desaster, ich war schon sehr geschockt, als ich mir das vor Ort angesehen habe“, so Müller. Dachrinnen fehlen ebenso wie Heizkörper, Wasserleitungen wurden gekappt, Stromkabel rausgerissen. Alles was als Metall einen Wert hat, ist aus den Gebäuden verschwunden.

Die große Frage ist jetzt, wie es mit den ungeplant entkernten Immobilien weitergeht. „Es bleibt abzuwarten, wie sich der Denkmalschutz positionieren wird. Wenn gefordert wird, dass in den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden der alte Zustand wieder herzustellen ist, wären das Investitionen, die jeden Investor abschrecken dürften“, berichtet Müller. Nach unseren Informationen waren Verhandlungen mit einem möglichen Käufer des Geländes bereits weit gediehen. Bisher angedachte Zwischenlösungen für die Hallen sind seit dem Beutezug der Altmetall-Diebe zunichte gemacht. Es gibt keine Versorgung mit Strom, Wasser und Wärme mehr. „Die Nachnutzung hat sich erledigt“, so Müller.

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