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Stormarner Tageblatt

17. Dezember 2017 | 03:50 Uhr

Bad Oldesloe : Alter wird zur Schuldenfalle

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Durchschnittliche Rente bewegt sich unter der Hälfte des letzten Nettoeinkommens / Jeder siebte armutsgefährdet

shz.de von
erstellt am 29.Mär.2016 | 18:09 Uhr

29 Jahre besteht die Schuldner- und Insolvenzberatung der Awo mit Sitz in Bad Oldesloe und Sprechstunden in Ahrensburg und Bargteheide. Im Gründungsjahr startete man mit 94 Anfragen, im vergangenen Jahr wurden 488 neue Hilfeersuche verzeichnet. In den drei Jahrzehnten erreichten die Berater mehr als 11  000 Anfragen von Familien und Einzelpersonen sowie Gewerbetreibenden in wirtschaftlicher Not.

Im Jahresbericht stellt die Awo fest, dass zunehmend ältere Menschen kommen, weil der Renteneintritt zur Schuldenfalle werden kann. Von den neuen Anfragen im vergangenen Jahr kamen 28 Prozent von Menschen über 51 Jahre, die größte Gruppe. Jeder siebte Rentner (14 Prozent) gilt als armutsgefährdet, und die Zahl steigt weiter an.

Gründe sind laut Siegward Derlin, Ute Lehmann und Silke Moseke das gesunkene Rentenniveau und alte Schulden. Laut Bundesregierung ist das Rentenniveau bereits 2012 unter 50 Prozent des letzten Nettoeinkommens gesunken. „Dieser Ausfall kann oft nicht oder nur sehr schwer kompensiert werden“, so die Berater. Was das praktisch bedeutet, zeigt die Awo an einem Beispiel auf.

Wer 45 Jahre gearbeitet und durchschnittlich verdient hat, bekommt aufgrund der langen Zeit zwar die volle Rente. Statt 1907 Euro, das letzte Nettogehalt, sind das aber weniger als 1287,45 Euro. Davon gehen knapp elf Prozent für Kranken- und Pflegeversicherung ab, so dass noch knapp 1150 Euro übrig bleiben. Diese Rechnung geht aber nur bei lückenlosen Zahlungen in die Rentenversicherung auf. Wer eine kürzere oder gebrochene Erwerbsbiographie hat oder mal erfolglos versuchte, sich selbstständig zu machen, erreicht die Entgeltpunkte nicht, so dass die Rente viel geringer ausfällt.

Auch eine Scheidung kostet Rentenpunkte. Wer dann noch alte Verbindlichkeiten mitschleppt, kommt schnell in Schwierigkeiten, denn Kosten wie Miete, Heizung, Strom und Abwasser laufen weiter oder steigen noch, während sich das Einkommen mehr als halbiert hat.

Wenn ein Ehepartner stirbt oder zum Pflegefall wird, „entsteht ein massives Problem, wenn diese Versorgungslücken nicht durch private oder Betriebsrenten kompensiert werden können“, so die Berater. Viele würden dann versuchen, sich mit Aufnahme einer Arbeit Geld dazu zu verdienen. Am besten ist es natürlich, gar nicht erst in die Armutsfalle zu tappen. Die Awo rät, seine Ausgaben vor Rentenbeginn zu prüfen und sich die Frage zu stellen, ob man noch ein Auto benötigt, ob noch alle Versicherungen notwendig sind, und ob Lebenserhaltungskosten gesenkt werden können. Staatlicherseits werden Zusatzversicherungen wie Riester empfohlen. Und glücklich kann sich oft schätzen, wer in einer schuldenfreien Immobilie wohnt, sofern die nicht saniert werden muss.

Wer die Grundsicherung vom Staat möchte, darf nur noch ein „Vermögen“ von 2600 Euro haben und wird zumeist auch in eine kleinere Wohnung ziehen müssen. Fazit der Berater: „Im letzten Lebenssegment und nach 45 Arbeitsjahren kehrt also nicht immer die angenommene Ruhe und Freude ein. Der Rentenbeginn muss genau analysiert und professionell begleitet werden.“

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