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Trittauer „Kultkneipe“ : Alter Bahnhof: Der Zug ist abgefahren

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die „Kultkneipe“ Alter Bahnhof in Trittau ist geschlossen, gegen den Wirt wurde Anzeige erstattet.

von
erstellt am 23.Dez.2013 | 19:28 Uhr

Die Trittauer Kult-Kneipe „Alter Bahnhof“ ist geschlossen. Für viele Gäste kam das nicht von ungefähr, der Zeitpunkt war trotzdem überraschend. „Ich musste aus wirtschaftlichen Gründen schließen und alle Konzerte absagen, um nicht in die Bredouille zu kommen“, sagt Bernd Koppe, der die Gaststätte mit Livemusik seit fünf Jahren betrieb.

Er habe bis zuletzt gehofft, den Alten Bahnhof halten zu können, „aber es hat nicht sollen sein“, so der 56-Jährige. Die Idee, Konzerte ohne Eintritt anzubieten und den Hut rumgehen zu lassen, habe „nicht immer funktioniert“, räumt er ein. „Ich glaube dass wir für dieses Konzept am falschen Platz waren. In Stormarn gibt es kein Nachtleben. Die Leute fahren nach Hamburg und nicht nach Trittau.“

Dass der Alte Bahnhof Knall auf Fall geschlossen wurde und es nicht einmal ein Hinweisschild an der Tür gibt, sorgt für Gerüchte. Auf Nachfrage sagte die Vermieterin aus Großensee, dass sie Koppe fristlos gekündigt habe. Bei ihr seien Mietschulden in fünfstelliger Höhe aufgelaufen. Ungeklärt scheint zudem der Verbleib von fast 25 000 Euro des Sparclubs „Zum letzten Heiermann“. Auch wenn es kein eingetragener Verein sei, wie Koppe sagt, gehörte er zum Angebot der „Mitmachkneipe Alter Bahnhof. Die 35 Mitglieder wollten sich beim gemeinsamen Sparclubessen treffen und die Sparbeiträge sollten vor Weihnachten ausgezahlt werden. Für das Essen hatte Koppe einen Koch bestellt, die Tische im Lokal sind noch gedeckt. Doch auf dem Sparclub-Konto befand sich nur ein kleiner dreistelliger Betrag, wie eine kurzfristig anberaumte Prüfung der misstrauisch gewordenen Mitglieder ergeben hatte. In mehreren Gesprächen mit Sparclub-Mitgliedern hatte Bernd Koppe angekündigt, den offenen Betrag zurückzahlen, erst bis Freitag, dann bis gestern. Er habe um weiteren Aufschub gebeten.

Im Gespräch mit dem Stormarner Tageblatt bestreitet Bernd Koppe, dass Geld fehlen würde. „Das ist kein Verein, und ich war nie Vorsitzender. Was einige verlautbaren, ist ein Unding, und dagegen werde ich vorgehen. Das Geld liegt fest. Ich werde das zum Januar aufklären.“

Dessen ungeachtet liegt der Polizei mittlerweile eine Strafanzeige wegen Unterschlagung vor. Sparclubmitglied Christian Krohß aus Schönberg, der nach eigenen Angaben jede Woche 100 Euro eingesteckt hatte und damit den wohl größten Verlust aller Sparer verbuchen müsste, geht das nicht weit genug. „Sollte der Wirt das Geld nicht zurückzahlen, werde ich es von den beiden Personen einfordern, die das Geld wöchentlich herausgenommen haben und die Listen führten. Ich gehe davon aus, dass sie als Kassenwarte fungierten und mindestens einmal im Monat einen Auszug hätten ziehen müssen.“

Die Mitglieder des Sparclubs wollen sich in diesen Tagen treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Offenbar sind sie bereit, die verbliebene Restsumme zu investieren, um einen Anwalt mit der Wahrnehmung ihrer Interessen zu beauftragen.

 

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