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Reinfeld und Ahrensburg : Altenheime werden verkauft

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dass der Kreis dem Verkauf der Pflegeheime hinter verschlossenen Türen zustimmen will, ist für Verdi „empörend“. Die Politiker betonen, „das Beste herausgeholt“ zu haben.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 06:00 Uhr

Dass der Kreis dem Verkauf der Pflegeheime in Reinfeld und Ahrensburg durch Asklepios hinter verschlossenen Türen zustimmen will, ist für Verdi „empörend“, so Gewerkschaftssekretärin Imke Wriedt: „Der Kreis und der Konzern schaffen Fakten, ohne die Betroffenen zu informieren oder zu beteiligen.“

2001 hatte Stormarn das Kreiskrankenhaus mit den Kreisaltenheimen in Ahrensburg und Reinfeld für umgerechnet 10,5 Millionen Euro an Asklepios verkauft. Das Unternehmen musste sich vertraglich verpflichten, die Mitarbeiter bis 2021 zu den alten Tarifbedingungen zu beschäftigen. Festgeschrieben wurde die Nutzung der verkauften Areale nur zu den jetzigen Zwecken.

Vor dem Verkauf muss deshalb der Übernahmevertrag geändert werden. „Nur mit Hilfe des Betriebsrats und der Gewerkschaft konnten Sicherungen der Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten bis 2021 eingebaut werden. Ob und wie diese Sicherungen weiter gelten, wissen weder der Betriebsrat noch die Gewerkschaft“, kritisiert Verdi und ruft die Beschäftigten auf, am Mittwoch, 24. September, zur Sitzung des Hauptausschusses in den Kreistag zu kommen. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr im Verdi-Büro in Bad Oldesloe in der Mühlenstraße 7.

Interessent für die Altenheime in Ahrensburg und Reinfeld ist die Azurit-Gruppe aus Eisenberg in der Pfalz, die bundesweit mehr als 40 Senioren- und Pflegezentren betreibt und mehr als 2900 Menschen beschäftigt. Die alten Gebäude sollen saniert oder abgerissen und durch neue ersetzt werden. „Was städtebaulich auf den Flächen entsteht, entscheiden die Gemeinden“, sagt Landrat Klaus Plöger, der davon ausgeht, dass der Verkauf am Freitag im Kreistag beschlossen wird. „Das wird sich wohl zur allgemeinen Zufriedenheit lösen lassen.“ Es sei klar, dass es weiterhin die Heimplätze geben muss. Auch die Regelungen für das Personal müssten nach dem Verkauf eingehalten werden. „Wir haben hart verhandelt und das Beste herausgeholt“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Wagner.

Wie dieses Beste aussieht, wüsste man bei Verdi auch gern. „Wenn das alles so toll ist, kann man es ja auch öffentlich machen“, sagt Imke Wriedt. 2001 seien die Gewerkschaft und der Betriebsrat an den Verhandlungen beteiligt gewesen, jetzt erfahre man nichts. „Wir können das Verhandlungsergebnis nicht beurteilen, weil wir es nicht kennen“, sagt die Verdi-Sekretärin. Weil auch die Mitarbeiter im Ungewissen gelassen wurden, gebe es große Unruhe und Sorgen.

Jedenfalls haben die Stormarner Kreistagsabgeordneten anonyme Briefe ohne Absender und Unterschrift erhalten, in denen sie dazu aufgefordert werden, dem Verkauf nicht zuzustimmen. „So etwas kommt bei mir gleich in die Tonne“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzender Joachim Wagner. Karl-Reinhold Wurch (FDP) drückt es anders aus: „Ich mir abgewöhnt, auf anonyme Schreiben zu reagieren“. Der FDP-Fraktionsvorsitzende bestätigt ebenso wie seine Kollegen, dass die Rechte des Personals und der Bewohner bei einem Verkauf gewahrt bleiben. Reinhard Mendel (SPD) sagt: „Der Personal-Überleitungsvertrag gilt weiter.“ Und „auch der Kreis kommt zu seinem Recht“, so Stefan Kehl (Grüne).

Vom Investor und seinem Konzept sei man ebenfalls überzeugt, sagt Joachim Wagner. Im anonymen Brief steht etwas anderes. In Bad Segeberg hat Azurit 2013 ein Heim übernommen. Der alte Mitarbeiterstamm sei schikaniert worden, bis sie gekündigt haben, heißt es in dem Brief. Dass Alt-Beschäftigte unter Druck gesetzt werden, sei ein „übliches Vorgehen“, wenn Private ein Altenheim übernehmen, sagt Imke Wriedt.

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