Todestag von Raimund Harmstorf : Als der „Seewolf“ noch in Bad Oldesloe lebte

Unvergessen: Raimund Harmstorf (l.) als Seewolf, mit Edward Meeks als Humphrey van Weyden. Oben links: Das Urnengrab auf dem Oldesloer Friedhof. Oben rechts ist der Raimund-Harmstorf-Weg zu sehen: Eine Spielstraße im Steinfelder Redder. Fotos: srp (2) / ImaGO (4)
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Unvergessen: Raimund Harmstorf (l.) als Seewolf, mit Edward Meeks als Humphrey van Weyden. Oben links: Das Urnengrab auf dem Oldesloer Friedhof. Oben rechts ist der Raimund-Harmstorf-Weg zu sehen: Eine Spielstraße im Steinfelder Redder. Fotos: srp (2) / ImaGO (4)

Vor 20 Jahren starb Raimund Harmstorf und fand letzte Ruhe auf Friedhof der Kreisstadt. Eine Straße erinnert an den Star.

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02. Mai 2018, 06:00 Uhr

Er war der Seewolf, der eine Kartoffel mit der bloßen Hand zerdrücken konnte – ein verwegener Hüne, der Anfang der 1970er Jahre im Jack-London-Klassiker „Der Seewolf“ die Massen vor die Bildschirme zog. Raimund Harmstorf, der in dieser Rolle unsterblich wurde, war ein vielseitiger Schauspieler, der sich vor genau 20 Jahren, am 3. Mai 1998, im bayrischen Marktoberdorf im Alter von 58 Jahren das Leben nahm.

Im Steinfelder Redder gibt es einen Raimund-Harmstorf-Weg. Es ist die wohl bundesweit einzige Straße, die nach dem Schauspieler benannt wurde, der in Bad Oldesloe nicht nur einige Jahre seiner Kindheit und Jugend verlebt hat, sondern hier auf dem Friedhof der Kreisstadt auch seine letzte Ruhe fand. Was aber verband den legendären Schauspieler Raimund Harmstorf mit Bad Oldesloe?

Nur wenige wissen, dass Raimund Harmstorf in den 1950er Jahren in der Kreisstadt lebte und hier auch die Schule besuchte. Auch sein Vater und Großvater stammen aus Bad Oldesloe. Sein Vater Dr. Ernst Harmstorf wurde 1902 in Oldesloe (Rethwischhof) geboren, machte 1921 an der Oberrealschule sein Abitur, arbeitete als Arzt zeitweise im Kreiskrankenhaus und starb 1992 in Bad Oldesloe.

Er war Anhänger und Verfechter der anthroposophischen Medizin und hatte auch Rudolf Steiner noch persönlich kennengelernt. Dr. Ernst Harmstorf arbeitete als Chirurg in Hamburg, wo er eine eigene Praxis hatte. In der Hansestadt wurde am 7. Oktober 1939 auch sein Sohn Raimund geboren. Da hatte gerade der 2. Weltkrieg begonnen und so blieb es nicht aus, dass er als kleines Kind die ganze Grausamkeit des Krieges miterleben musste. Im Sommer 1943 zerstörten britische und amerikanische Bomber bei der so genannten „Operation Gomorrha“ einen Großteil der Hansestadt, die bis zu 50 000 Tote forderte. Die Familie Harmstorf flüchtete nach Oldesloe, wo die Großeltern wohnten. Der Großvater arbeitete hier als Gutssekretär und war später Direktor der Oldesloer Sparkasse. Nach dem Krieg zog die Familie wieder zurück nach Hamburg, wo Raimund Harmstorf eine Rudolf-Steiner-Schule besuchte.

Der aufgeweckte Junge, der mit drei älteren Schwestern in Eppendorf aufwuchs, war – nach eigenen Angaben – nie ein „Musterknabe“ gewesen. „Alles, was mit Ferne zu tun hat, das hat mich immer interessiert“, schrieb Raimund Harmstorf in seinen Kindheitserinnerungen. Das Fernweh packte ihn zeitlebens und in den Sommerferien war der junge Abenteurer nicht mehr zu halten und machte sich auf in die weite Welt. Er trampte einfach los – oft ohne einen Pfennig in der Tasche – aber dafür mit viel Mut und Zuversicht und einer gehörigen Portion Abenteuerlust, die ihn bis nach Nordspanien und Portugal führte.

„Als ich 13 war, riss ich wieder einmal aus und heuerte auf einem Fischkutter an, der für zwei Monate in die Nordsee auf Heringsfang ging. Natürlich habe ich weder Eltern noch Schwestern vorher etwas verraten, die Reise hätte wohl an der Hafenmole schon ihr Ende gefunden“, so Raimund Harmstorf in seinen Kindheitserinnerungen. Rund zwei Monate fuhr er hinauf bis nach Island. Auf dem Kutter musste er hart arbeiten, vielleicht eine Reifeprüfung für seine spätere Rolle als Seewolf.

Als Jugendlicher zog er zunächst wieder zu seinen Großeltern nach Bad Oldesloe, wo er bis 1957 die Theodor-Mommsen-Schule besuchte. Hier kam er auch erstmals mit der Schauspielerei in Berührung. Der Bargteheider Rolf Rüdiger Reichardt, zu dessen Freundeskreis Raimund Harmstorf damals gehörte, erinnert sich noch genau an seinen ehemaligen Mitschüler. „Seine Begabung als Schauspieler wurde bei einem besonderen Ereignis sichtbar. Ich kann mich erinnern, dass er bei einer Feier der TMS anlässlich des Tages der Deutschen Einheit am 17. Juni 1954 im damaligen Naturtheater mit schwarzer Hose und schwarzem Hemd außerordentlich eindrucksvoll aus Goethes Egmont zitierte. Seit diesem Auftritt war Raimund als gut aussehender, sportlicher junger Mann der absolute Schwarm der Damenwelt unserer Schule.“

In Hamburg begann Harmstorf nach dem Abi zunächst ein Medizinstudium, das er aber bald wieder abbrach. Stattdessen wechselte er an die Staatliche Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Der junge Mann war ein sehr guter Sportler, angeblich sogar Zehnkampf-Landesmeister von Schleswig-Holstein. Das ist jedoch nur ein Gerücht, das sich hartnäckig hält. Er war wohl ein sehr guter Weit- und Hochspringer sowie Diskuswerfer, jedoch tauchte sein Name nie in einer Bestenliste des Schleswig-Holsteinischen Leichtathletikverbandes auf. Das recherchierte Franz W. Kuck aus Bad Oldesloe, der beim Leichtathletik-Verband nachfragte.

Raimund Harmstorf war fast 1,90 Meter groß, sehr kräftig und eine imposante und durchtrainierte Erscheinung. Mit seinen langen, rotblonden Haaren, Bart und blauen Augen war er wie geschaffen für die Rolle als Held in Abenteuerfilmen. Zunächst aber stand er als junger Theaterschauspieler zusammen mit Gustav Gründgens, Will Quadflieg, Curd Jürgens, Elisabeth Flickenschildt und anderen großen deutschen Schauspielern auf der Bühne. 1966 ging er für zwei Jahre auf Theatertournee quer durch Südamerika.

Den Durchbruch als Schauspieler hatte er dann in der Rolle des brutalen und bärenstarken Kapitäns Wolf Larsen im legendären Fernseh-Vierteiler „Der Seewolf“, der 1971 im ZDF lief und ein Riesenerfolg war. Bei den Dreharbeiten unter der Regie von Wolfgang Staudte auf einem Schiff in Rumänien wurde er zwar nie gedoubelt, stattdessen aber synchronisiert: Produzent Walter Ulbrich war Harmstorfs Stimme angeblich nicht ausdrucksstark genug. Zur bekanntesten Stelle des Vierteilers wurde die Szene, in der Harmstorf mit der bloßen Hand eine „rohe“ Kartoffel zerquetscht. Die Idee dazu stammt angeblich von Harmstorf selbst. Im Film war die Kartoffel natürlich präpariert und vorgekocht, schließlich musste sie sich ja zerquetschen lassen. Der Seewolf wurde zu einem der größten Erfolge in der Geschichte des ZDF und unzählige Male wiederholt.

Nach dem Seewolf ging es nach Alaska, wo er mit Charlton Heston den Abenteuerfilm „Der Ruf der Wildnis“ drehte. Einen weiteren großen Erfolg feierte der Mime als Michael Strogoff im Vierteiler „Der Kurier des Zaren“. Es folgten mehr als 70 Rollen in Film, TV und Theater, etwa an der Seite von Franco Nero, Bud Spencer und Terence Hill. In den 80er-Jahren spielte er hauptsächlich in Serien, u.a. in „Derrick“, „Tatort“, „Der Alte“ oder in der „Schwarzwaldklinik“. In den 70er Jahren war er auch bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg in verschiedenen Rollen zu sehen.

Trotz aller Klischees und Actionrollen: Raimund Harmstorf war ein äußerst friedliebender und sensibler Mensch, der sogar gerne strickte. Er besuchte bis zu seinem Tod regelmäßig seine Freunde und Eltern in Bad Oldesloe. Und wenn sein Rolls-Royce oder Porsche dort vor der Tür stand, dann wusste man, dass „der Seewolf“ wieder in der Stadt war. Sein Suizid vor 20 Jahren löste große Bestürzung aus, aber als Seewolf bleibt er unvergessen.












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