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Auftakt von Albigs Sommertour : Als der Ministerpräsident das Venusbrüstchen kennenlernte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Torsten Albig besucht den Kleverhof in Elmenhorst und staunt nicht schlecht: 650 verschiedene Tomatensorten bietet das Unternehmen an und ein tolles Konzept.

„Wenn er nicht kommt, essen wir alles ganz alleine“, sagt Lutz Unverhau verschmitzt und nicht ganz ernst gemeint. Aber natürlich kommt er, der Ministerpräsident (MP) des Landes Schleswig-Holstein, wenn auch mit einstündiger Verspätung. Plötzlich bewegt sich was: Security-Fahrzeuge und der Sommertour-Bus stoppen um 12 Uhr vor dem Kleverhof in Elmenhorst.

Torsten Albig – locker in Jeans, kariertem Hemd und Sakko samt Schleswig-Holstein-Button am Revers – steigt lächelnd und vergnügt aus, begrüßt die Hausherren – Lutz und Tim Unverhau – sowie weitere Anwesende und taucht eine Stunde ein – in eine Welt, wo alles Bio ist, wo Tomaten das Nonplusultra sind und nach Dementer-Kriterien, den strengsten Maßstäben für den Bio-Anbau, Natur pur gelebt wird. Um 9.10 Uhr noch Spitzentechnologie in Lübeck. Nun Spitzenprodukte in Stormarn. Und die haben’s wahrlich in sich.

Völlig verblüfft zeigt sich der Ministerpräsident ob der kunterbunten Vielfalt. Sage und schreibe 250 verschiedene Jungpflanzen und 650 Tomatensorten! gibt es hier. Sie sind mal mini und mal maxi, mal dünn und mal dick, mal rund und mal oval, mal bissfest und mal fleischig, mal mit Haut und Haar und mal samtig wie Pfirsich. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Farben, in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen. Und sie haben urige Namen wie „Ochsenherz“, „Pink Egg“, „Blue OSU“, „Honig von Mexiko“, „Schwarze Pflaume“, „Purple Calabash“ oder „Venusbrüstchen“. Da muss der MP herzlich schmunzeln!

Nach dem Reinbeißen in die frechen Früchtchen und dicken Dinger folgt im Mund eine regelrechte „Tomaten-Gaumen-Explosion“, wie Albig das Prozedere nach dem Biss beschreibt. Nicht zu vergleichen mit den Tomaten aus dem Supermarkt!

Aber was, bitteschön, hat denn nun dieser Vorzeigehof mit der Albig’schen Maxim „Vielfältige Bildung“ zu tun? Eine ganze Menge. Denn die Brüder, die den elterlichen Betrieb in dritter Generation führen (siehe Extratext), bieten Vorträge, Rundgänge und Führungen an – zusätzlich Kinderworkshops wie Gartenanbau und Wiegetechnik („Wie wurde z.B. im Mittelalter abgewogen?“) oder Brotback-Kurse für vorwiegend aus Bargteheide, aber auch aus Bad Oldesloe kommenden Schulklassen. Da wird erst auf der Koppel gemeinsam gesät und geflanzt, dann später geerntet und verarbeitet. I-Tüpfelchen soll eine Seminar- und Schulungsküche Kleverhof (erst einmal) für Grundschüler werden. Die ist gerade am Entstehen und soll in etwa einem halben Jahr fertiggestellt sein.

Für diese Maßnahme nehmen die Unverhaus viel Geld in die Hand: 130 000 Euro. Weitere 20 000 Euro steuert die Aktiv-Region Alsterland bei. Das Gebäude mit Toiletten und Versorgungswegen wird insgesamt 65 Quadratmeter groß sein. 35 m² sind allein für den Küchentrakt vorgesehen, der 15 bis 25 Teilnehmern Platz bietet. Dafür musste das kleine Museum mit landwirtschaftlichen Geräten weichen. Es wird allerdings an anderer Stelle wieder hochgezogen.

„Wir wollen bei den Kindern den Spaß an Lebensmitteln wecken“, erklären die beiden Brüder, die alles selbst anpflanzen, unisono und stoßen damit beim Ministerpräsidenten auf offene Ohren. Der ist von dem Konzept begeistert.

Gerade auch bei Lebensmitteln müsse ein Umdenken stattfinden, meint Torsten Albig. Und das funktioniere bei Kindern am besten und weniger bei der Elternbildung. „Wollen wir in der Zukunft immer mehr industriell gefertigte Lebensmittel oder ökologisch gute Nahrungsmittel“?, so Albigs rhetorische Frage. Es gehe um viel mehr, als nur darum, die Tiefkühlpizza aufzureißen. Viele Kinder würden Tomaten nur noch in Form der Ketchupflasche kennen. „Tomaten sind aber was anderes, als das, was in der Tomatenflasche steckt. Wenn ich diese Tomaten-Geschmacks-Explosion erlebe“, müsse die Frage gestattet sein: „Warum verzichte ich darauf?“ Zumal Bio-Kost nicht teurer sei als zum Beispiel Fastfood. Das habe mit Bildung, aber auch mit Erziehung zu tun, so Albig: Dass der Kleverhof den Kindern dieses zusätzliche Erlebnis biete, sei vorbildlich.

Deshalb verspricht der MP, bei der Frage nach einer Hof-Beschilderung an der B 75 zu helfen: „Ich kann ein bisschen Anschub geben.“ „Solch eine Beschilderung würde uns nach vorne bringen“, betont Lutz Unverhau. „Dann würden uns viel mehr Menschen wahrnehmen.“ Das sieht Albig ähnlich, gerade auch unter touristischen Aspekten. Derzeit sind Hinweisschilder – wie berichtet – nicht erlaubt. „Wir müssen schauen, wie wir grundsätzlich damit umgehen“, merkt Albig mit Blick auf Niedersachsen an. Dort sind Hinweisschilder gang und gäbe. Ups, die Zeit drängt. Der MP bedankt sich für das „tomatenstarke“ Essen, greift noch schnell im Hofladen zu und braust im Bus zum nächsten Termin.

Tomaten-Mekka Kleverhof Aus dem Hobby den Beruf gemacht

Lutz Unverhau (47) ist Betriebswirt, Schwerpunkt Tourismus, sein Bruder Tim (49) Diplom-Ingenieur der Elektrotechnik. Beide verbindet die Liebe zu Tomaten. So reifte immer mehr die Idee, die elterliche Gärtnerei, die es seit 1923 gibt und die zeitweise verpachtet wurde, wiederzubeleben – mit Tomaten und Feingemüse. 2008 war es soweit.   Da gab zuerst Tim seinen Job auf und machte sein  Hobby zum Beruf. Drei Jahre später folgte Lutz.

 Mittlerweile bieten sie 650 Tomatensorten und 250 Jungpflanzen an, zudem  Hofladen und  -cafè,  Vinothek, Mosterei,  Museum. Bis auf ein Hamburger Großunternehmen sind fast alle Kunden aus der Region – Radius: 20 Kilometer.

 Jährlich verzeichnet der Kleverhof  zweistellige Zuwachsraten. Bislang wurden 400000 Euro in die Spezialitäten-Gärtnerei investiert. Zum Team gehören neben den  Inhabern, 1 Vollzeit- und 2 Teilzeitkräfte.

Der energie-autarke Kleverhof steht in Elmenhorst  am Mönkenbrook 26. Kontakt: Telefon (04532) 267959-4, Mail:  info@kleverhof.de, Internet: www.kleverhof.devst

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