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Stormarner Tageblatt

18. Oktober 2017 | 00:40 Uhr

Als Däne tief verwurzelt in Oldesloe

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Dänischer Ex-Soldat, Postmeister und Vater des „Landboten“-Verlegers Julius Schüthe brachte Sohn auf die Idee für eine Zeitung

shz.de von
erstellt am 23.Jan.2014 | 13:36 Uhr

Zeitungen sind heute selbstverständlich – vor mehr als 175 Jahren aber noch ein Novum. Die Idee, in Stormarn eine Zeitung herauszugeben, war Verleger Julius Schüthe während der Zeit, als weite Teile Schleswig-Holsteins – darunter auch Stormarn – unter dänischer Herrschaft standen, aber nicht einfach so gekommen.

Impulsgeber für das „Oldesloer Wochenblatt“, der direkte Vorfahre des heutigen „Stormarner Tageblatts“, war sein Vater, Peter Schythe (Foto) – den Familiennamen deutschte sein Sohn später in „Schüthe“ ein.

Schythe ist nicht irgendwer gewesen. Der dänische König hatte ihn zum Oldesloer Postmeister ernannt – den ersten überhaupt in der Stadt. Das Ganze war eine angesehene Position, die nur an verdiente ehemalige Heeresangehörige vergeben wurden. Kein Wunder also, dass Schythe dem dänischen Heeresdienst entstammte.

Schythe wurde am 24. April 1769 in Kopenhagen geboren. Ab 1789 war er Soldat, kam 1806 mit dem Kopenhagener Husarenregiment nach Holstein. 1808 erhielt er als Zivilversorgung den Oldesloer Post-Posten. Schythe verschaffte sich großes Ansehen in der Stadt – und das als Däne. 1820 wurde er Mitglied der Bürgerschaft, im selben Jahr verlieh ihm der dänische König den Titel „Kanzleirat“.

Schythe heiratete – nachdem seine aus Kopenhagen stamme Ehefrau 1812 verstarb – die Tochter eines Oldesloer Bürgers. Mit Dorothea Frederike Pöhls hatte Schythe zwölf Kinder, wobei vier von ihnen bereits früh verstarben. Einer seiner Söhne war der am 28. November 1814 geborene Julius. Ihn ließ Schythe ab 1830 zum Buchdrucker ausbilden – denn der Postmeister erkannte angeblich das Fehlen einer Zeitung in Oldesloe und damit das Manko in der Übertragung von Nachrichten im damaligen Verkehrsknotenpunkt in Stormarn.

Im Sommer 1838 kehrte Julius von der Wanderschaft zurück. Der Vater hatte angeblich seinen Plan von der Buchdruckerei und der Zeitung nie aufgegeben und setzte nun große Hoffnungen in seinen Sohn. Das Privileg zur Einrichtung der Druckerei vergab der dänische König; das für die Zeitung vorerst nicht – zu groß war die Sorge, das neue Medium könnte Stimmung gegen die Dänen-Herrschaft machen. Am 29. Oktober 1838 verstarb Peter Schythe, sein Sohn jedoch hielt an den Plänen seines Vaters fest. Im Januar 1839 eröffnete er die Druckerei, unter strengen Auflagen konnte Schythe-Junior schließlich am 6. April 1839 die erste Ausgabe des „Oldesloer Wochenblatts“ herausgeben.

Dass er darin für eine schleswig-holsteinische Erhebung gegen die Dänen kämpfte, zeigt umso mehr, wie verwurzelt die dänisch-stämmige Familie inzwischen in Oldesloe war. Als die Dänenherrschaft 1863 zu Ende war, hatten er und viele andere ihr Ziel erreicht. Seit dieser Zeit deutschte er auch den Familienname Schythe in Schüthe ein.

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