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Stormarner Tageblatt

20. Oktober 2017 | 02:05 Uhr

Ahrensburg : Allmende Wulfsdorf lebt den Traum

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Wohnprojekt feiert sein zehnjähriges Bestehen.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2015 | 06:00 Uhr

Zehn Jahre Allmende: Ist die Visionen bereits Wirklichkeit, oder ist man noch auf dem Weg? Haben sich die Erwartungen der Gründer erfüllt, gab es Enttäuschungen? Die Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen des Allmende-Wohnprojekts im Ahrensburger Ortsteil Wulfsdorf bot gute Gelegenheit, zurückzublicken und nach vorn zu schauen.

Die Sporthalle im Herzen der Siedlung war gut besucht, als das Jubiläum des ambitionierten Projekts gefeiert wurde. „Würdet ihr die Entscheidung hierher zu ziehen, nochmal so treffen, wenn ihr gewusst hättet, was auf euch zukommt?“, lautete die Frage, die Annegret Klusmeier, eine der ersten Bewohnerinnen,an ihre „Allmendis“ richtete. Und die riefen kollektiv: „Ja“. Zur Überraschung der meisten fügte sie selbst allerdings an: „Wenn ich ehrlich bin, hätte ich mir das sicherlich nicht zugemutet, hätte ich es vorher gewusst.“ Ein wenig Gelächter und ein paar ungläubige Blicke waren das Ergebnis. „Ich möchte aber trotzdem nichts davon missen. Und hätte ich auf der anderen Seite gewusst, dass ich das alles schaffe und wie viele Erfahrungen ich sammle, dann hätte ich mich mit dem Wissen von heute doch dafür entschieden.“

Diese Aussagen machten eines eindrucksvoll klar: Die zehnjährige Geschichte der Allmende war nicht einfach zu bewältigen. „Wir sind keine Insel der Glückseligen. Auch hier gibt es die Diskussionen wie in normalen Mehrfamilienhäusern oder Siedlungen – wer darf was? Und was soll wie geregelt sein?“, so Klusmeier weiter. „Ich habe hier nur das Gefühl, dass ich noch nie so viele Menschen getroffen habe, die eben gewillt sind, auch gemeinsam Lösungen zu finden.“

Manche Probleme, so wurde es formuliert und ausdrücklich hervorgehoben, seien in der Ahrensburger Stadtverwaltung vielleicht sogar extra hervorgerufen worden. „Die Verwaltung -damals noch unter Bürgermeisterin Ursula Pepper - hat uns zu Beginn nicht unterstützt. Uns wurden eher immer neue Steine und Hindernisse in den Weg gelegt. So zum Beispiel die Forderung nach 40 Prozent Gewerbe. Das war ein echtes Problem“, so Annegret Klusmeier.

Vom amtierenden Bürgermeister Michael Sarach wollten die Allmendis wissen, ob nicht Projekte wie ihres wichtiger und zukunftsträchtiger seien als „normale“ Wohngebiete. In der Allmende werde echte Gemeinschaft gelebt. Die auch ein gemeinsames Feindbild hat: Einfamilien- und Reihenhäuser mit ordentlichen Vorgärten, Gartenzwerg und Zaun.

„Ich kann ihnen versprechen, dass ich mich persönlich für solche Wohnprojekte einsetzen möchte. Ich bin selbst durch das dörfliche Leben geprägt und habe daher eine Menge Sympathien für dieses Konzept. Im neuen Flächennutzungsplan könnten wir vielleicht die Chance nutzen, neue Plätze für ähnliche Wohnprojekte zu finden. Meine Unterstützung dafür kann ich zusichern“, sagte Bürgermeister Michael Sarach unter großem Applaus.

Seine Gedanken zur Zukunft der Allmende macht sich auch Georg Lutz, einer der Mitinitiatoren und Pächter des Guts Wulfsdorf. „Wenn ich höre, dass hier über eine U-Bahnhaltestelle nachgedacht wird, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf. Auch wenn Grundstücke hier für klassische Einfamilienhäuser genutzt werden können, geht es mir so“, sagte Lutz, „ich finde unsere Gesellschaft könnte noch bunter und vielfältiger sein.“

„Ich wusste immer, dass ich nie in einem Reihenhaus mit Zaun und Gartenzwerg leben würde. Ich wollte es offener und bunter“, sagte auch Claudia Brümmer, die als „wichtiges Puzzleteil“ in der Anfangsphase zu dem Projekt stieß, unter dem Applaus der Anwesenden. Brümmer, Lutz und auch andere Bewohner machten in ihren Statements klar: Man möchte – so weit es geht – unter sich und damit der eigenen Lebensphilosophie verhaftet bleiben. „Wir dürfen aber nicht zum Altersheim werden. Wir sollten offen für neue Einflüsse bleiben“, fügte Brümmer am Ende an.

 

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