zur Navigation springen

Ortsumgehung Hammoor : Alles wieder auf Anfang

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Südtrasse 1.4a definitiv vom Tisch, andere Varianten sind aber möglich / „Fangen wieder bei Null an“ – ein Alptraum, sagen viele.

Die Südvariante 1.4a als Entlastungsstraße war schon zum Greifen nah – und nun das: Zurück zu den Wurzeln, alles auf Anfang. Totaler Neubeginn. Für viele Hammoorer ein Alptraum.

„Wir fangen bei Null an“, betont Amtsvorsteher Herbert Sczech, der als Moderator fungiert, im Laufe des Abends. Ein Raunen geht durch den proppevollen Saal, Unmutsbekundungen werden laut. Viele Zuhörer können das nicht verstehen und wollen es – nach 30 Jahren der Planung – verständlicherweise einfach nicht wahrhaben. Sie hoffen, die Abgesandten aus Kiel noch umstimmen zu können, beißen allerdings auf Granit.

Aufgrund ökologischer Veränderungen und einer Neu-Kartierung sowie der daraus resultierenden Angst, mit dem Millionen-Projekt im Klagefall vor Gericht nicht bestehen zu können, werde der Planfeststellungsbeschluss definitiv nicht erfolgen, betont Dipl.-Volkswirtin Karin Druba aus dem Wirtschaftsministerium.

„Das löst bei ihnen keine Freude aus, das weiß ich.“ Andererseits „soll es, wenn es die Gemeinde wünscht, eine Ortsumfahrung geben“ – eine, wohlgemerkt, keine bestimmte. Diese Zusage aus Kiel steht und ist das einzige, was an diesem Abend klar ist.

Nicht die Alternativ-Varianten 1.2 (Süd) oder 2.1 (Nord) werden favorisiert. Ebenso wenig kommen die Trassen 1.1 und 1.3. wieder in die engere Wahl. Sogar Straßenführungen, die derzeit noch gar nicht auf dem Radar erscheinen, könnten am Ende zum Zug kommen. Alles sei offen, nichts unmöglich, merkt die für die Straßenplanung zuständige Bereichsleiterin Britta Lüth aus dem Lübecker Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr an und hebt damit nicht gerade die Stimmung.

Viele Zuhörer im Saal ergreifen das Wort, machen ihrem Unmut Luft und bringen ihre Bedenken zu Gehör. Landwirte befürchten bei der Variante 2.1 das Existenz-Aus. „Die Nord-Trasse führt direkt durch unser Haus“, so ein Zuhörer. Wenn die käme, müssten sieben bis acht Landwirte aufgeben. Und bereit, Land zu veräußern, seien die auch nicht. Sogar das Wort Enteignung fällt. Im schlimmsten Fall könnte es dazu kommen. Aber die Enteignung komme sehr selten vor, so Lüth: „Da helfen die Bauernverbände, da kann man Lösungen finden.“ Allerdings nicht an diesem Abend.

In der mehrstündigen Versammlung geht es rein um Informationen, um Dialog, Gedankenspiele und unterschiedliche Meinungen. So wären Einwohner bei einer möglichen Südtrasse ebenso betroffen und sauer. Der Südring würde zu dicht an den Häusern verlaufen, merkt ein Zuhörer an und stellt klar: „Wir finden keinen Konsens.“ Ja, das wird in den nächsten Jahren sicherlich schwierig. Denn auch bei anderen Varianten würden Mensch und Umwelt in Mitleidenschaft gezogen.

„Sie müssen offen sein“, erklärt Britta Lüth. „Es wird wieder nicht allen gefallen. Aber wir wollen auf jeden Fall mit ihnen planen.“ Planlos findet die Mehrheit indes die Informationspolitik. „Sie haben uns jahrelang hingehalten, obwohl sie wussten, dass die Trasse 1.4a zum Scheitern verurteilt ist“, ereifert sich eine Zuhörerin und erntet Applaus.

Britta Lüth kontert und erklärt, warum solche Verfahren so lange dauern – und nimmt wie Torsten Conradt, Direktor des Landesbetriebs Straßenbau und Verkehr (Kiel), sachlich und souverän Stellung zu den Finanzen und Fischteichen, zur Grootbek, zu Kammolch, Frosch und Fledermaus. Und zum Zeitfenster für das neue Projekt: Es wird auf jeden Fall Jahre dauern, viele Jahre – wenn es überhaupt umgesetzt wird. Ein Zuhörer: „In diesem Leben wird das nichts mehr.“ Man wird sehen.

 

 

 

 

zur Startseite

von
erstellt am 29.Mär.2015 | 14:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen