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Stormarner Tageblatt

20. August 2017 | 04:47 Uhr

Alles so schön lustig hier

vom

Wieviel ironische Brechung verträgt Ernsthaftigkeit

Rammstein haben Heino auf die Bühne geholt. Fast kein Musik- oder Kulturkritiker, der sich dazu nicht zu Wort meldet. Heino in Wacken, mit den bösen Hardrockern auf der Bühne, als wäre es nicht nur ein geschickter PR-Gag.

Man sollte Rammstein sowieso nicht ernst nehmen. Denn wer das macht, hat nicht verstanden, wie sehr sie mit ihrem Provokationsimage spielen. Doch der Auftritt von Heino, die ironische Brechung der eigenen "Ernsthaftigkeit" ist auf einer anderen Ebene auch ein Beispiel für das, was alltäglich auf den kleineren Bühnen passiert: Distanzierung vom Ernst. Ein Kommentar zum besagten Wacken-Auftritt lautet: "Sollten mal alle Musiker so mutig sein und über sich selbst lachen können."

Natürlich: Sich selbstkritisch, auch humorvoll betrachten können, ist durchaus wichtig, aber was sich auf Festivals und Konzerten auch hier mit verstärkter Tendenz zeigt, ist, mutig ist, wer das Gegenteil macht. Denn nur wer Angst hat, sich der Kritik des Publikums auszusetzen, bringt ein wenig Ironie ein, flüchtet sich in - mal gekonnte, mal stümperhafte - Comedyelemente. Wer zumindest den Anschein von Humor andeutet, macht sich - so die Überlegung - unangreifbarer.

Gerade flatterte die Bandbiographie einer Stormarner Combo auf den Schreibtisch. Auch dort steht, man solle es nicht zu kritisch hören, denn die vier Jungs seien halt noch nicht so weit. Es gehe ja um den "Fun". Unter den sehr ernst wirkenden Videos einer anderen Nachwuchsband steht: "Das soll lustig sein. Keine böse Kritik. Wir wissen, dass das nicht gut ist." Es darf, es soll, es muss also gelacht werden. Die Heinos sind überall. Wer allerdings immer versucht, einen "lustigen" Fluchtweg vor Kritik zu finden, wird auf Dauer gehemmt. Manche von Kritikern weltweit hoch gelobte Indie- oder Rockband würde bei diesen Rahmenbedingungen als unbekannte lokale Nachwuchsband durchfallen, wenn sie nicht genug Party macht, genug Lacher auf ihrer Seite hat. Also gehört ein wenig Mut dazu, sich im Zweifelsfall mit Kritik auseinanderzusetzen. Musik als Kunstform und nicht als reine Kirmes-Stadtfestbeschallung täte es gut.

Dass man seine Sache ernst nehmen kann, das beweisen einige Bands beim Sommerfest des Inihauses heute. Mit dabei "Das Kartell", "Fensterplatz", "Chipko" und noch mehr. Los geht es um 15 Uhr. Wer nur tanzen will, ohne viel nachzudenken, kann das ja in der Disco tun. So zum Beispiel im Oldesloer Seh-Sie. Dort steht heute eine "Karibische Nacht" auf dem Programm. Beginn 21 Uhr.

Alela

Diane "About Farewell". Guter Neo-Folk zwischen Melancholie und Hoffnung

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von
erstellt am 03.Aug.2013 | 05:59 Uhr

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