Bargfeld-Stegen : Alles perfekt – bis auf das Wetter

Heizten die Stimmung vor dem WM Spiel an und holten das Publikum einfach auf die Bühne:  Missing Brake.
1 von 5
Heizten die Stimmung vor dem WM Spiel an und holten das Publikum einfach auf die Bühne: Missing Brake.

Das Bandfestival Bargfeld-Stegen ist aus dem Veranstaltungskalender der Region nicht mehr wegzudenken

shz.de von
22. Juni 2014, 15:03 Uhr

Tagelang hat die fleißige Crew des Bargfeld-Stegen Open Airs mit über 100 Helfern aufgebaut. Um 18 Uhr am Freitag, steht alles perfekt. Licht, Ton, die Bühnen, zahlreiche Stände, Partybänke – alles liebevoll gestaltet. Für jeden Besucher der nicht zum ersten Mal vorbeikommt, ist es auch ein klein wenig wie nach Hause kommen. Man sieht auf den ersten Blick, dass sich hier Mühe gegeben wird, viel Mühe.

Es ist eine Amateurveranstaltung, geprägt vom Ehrenamt vieler Bargfeld-Stegener, und trotzdem gibt es professionelle Technik und auch die gesamte Struktur greift im siebten Jahr nahezu problemlos ineinander. Nur das Wetter: Es will dieses Mal nicht mitspielen. Immer wieder nieselt es, dazu ist es ungemütlich kalt auf dem Dorfplatz. Das macht sich auch im Publikumsandrang am Auftaktabend bemerkbar. Deutlich weniger Besucher als sonst tummeln sich auf dem Platz.

Immer wieder besorgte Blickt von Crew-Mitgliedern auf die Uhr. Dirk Feuerer vom Orgateam, sit denn zufrieden Bisher habe man aber keinen Grund zu klagen. „Mit Blick auf das Wetter ist es mehr als okay“, betont der sympathische Sprecher der Veranstalter. Später am Abend werde es wohl noch voller.

„Turboton“ mit ihrer Ahrensburger Sängerin Jana sind ein früher Höhepunkt. Sie funken, rocken und punken sich durch ihr Programm zwischen Anspruch und Tanzbarkeit, zwischen Optimismus und Sozialkritik – ein gelungener Auftritt vor leider zu kleiner Kulisse. Dann aber wird es tatsächlich etwas voller. Schreiber aus Bad Segeberg kommen auf die Bühne, dann die Kleinstadtpioniere aus Bad Oldesloe. Doch auch wenn sie überzeugende Auftritte bei jetzt schon empfindlicher Kälte hinlegen, ist der Platz hier in Bargfeld-Stegen nur zu einem Viertel gefüllt.

In Sachen Andrang ist das eine Enttäuschung mit Blick auf die starken Vorjahre. Auch der Sonnabend beginnt mit grauen Wolken und Regen. Die tollen „Trying Empire“ holen mit ihrem „Sundance“ tatsächlich die Sonne raus. Doch sie bleibt nur kurz, nachdem die talentierte Band mit ihren funkigen Jazz-Pop die Bühne wieder verlassen hat.

Lärmbelästigung aus Ahrensburg – die klingen wie eine Mischung aus Tocotronic, Sportfreunde Stiller und die Ärzte – müssen auch mit wenig Publikum auskommen. So geht es immer weiter. „This autum skyline“ sind extra aus Hildesheim angereist, sind begeistert von dem freundlichen Empfang, aber doch auch sichtlich enttäuscht über die geringe Resonanz.

Der Wilmersdorfer Tröt Club begeistert mit seinen Blasmusikversionen von Rock- und Pophits. Die Stimmung ist großartig – es mangelt dem Publikum nicht an Begeisterung und Qualität – nur an Quantität. „Ja, natürlich ist es eine kleine Enttäuschung. Wir hätten uns alle ein komplett anderes Wetter gewünscht“, sagt Dirk Feuerer. Es bestehen große Bedenken, dass man das entstehende Loch in den Kassen noch füllen werden kann. Doch Eintritt sei kein Alternative: „Wir wollen diese Mischung aus Dorffest und Festival bleiben – ein offenes Fest für alle, kein eingezäunter Bereich“, legt er sich im Namen des Teams fest. „Wir müssen sehen, wie groß das Problem ist am Ende. Ich hoffe natürlich, dass es nicht so schlimm wird, dass wir uns überlegen müssen, ob wir 2015 überhaupt das Risiko noch mal eingehen“, sagt er. Auch Chef-Techniker Jannik Groß beschönigt die Situation nicht. „Freitag war leider schon viel zu schwach wegen des Wetters. Das kannst du kaum noch einholen“, sagt er ein wenig betrübt. Sehr viel Arbeit hat auch er mit seinem Team investiert. Noch hofft man allerdings auf die Übertragung der WM. Und tatsächlich: Während die Publikumslieblinge von „Missing Brake“ aus Stuttgart mit der Hälfte ihrer Fans auf der Bühne feiern, füllt sich der Platz. Alle sind bereit für eine große Fußballparty. Man erwartet mit Sicherheit einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft. Doch dann das: das 1:0 fällt nach Plan, 1:1, 1:2 drücken auf die Stimmung. Das 2:2 ist am Ende fast sinnbildlich und stellvertretend für die schöne Veranstaltung – sie ist kein Reinfall, keine Niederlage, aber leider auch kein voller Erfolg. „Der Andrang am Ende entschädigt ein wenig. Es ist Schadensbegrenzung“, sagt Jannik Groß, während die Ska-Band Jonkanoo den Schlusspunkt auf der Bühne setzt.

Am Ende, als alle den Platz verlassen, fasst das Veranstalter-Team wieder Hoffnung, dass beim Durchzählen der Kassen in den nächsten Tagen vielleicht doch die schwarze Null herauskommt. Weitermachen wollen sie auf jeden Fall gern. Und eigentlich kann man sich auch gar nicht vorstellen, dass es nächstes Jahr kein Bargfeld-Stegen Bandfestival gibt. Das wäre ein großer Verlust für die Region.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen