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Oldesloer Institution : Alles frisch auf dem Wochenmarkt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wochenmarkt, das ist Kult, Überzeugung, Tradtion. Das ist nicht nur schnöder Einkauf, sondern auch viel Kommunikation. Viele Marktbeschicker verkaufen schon in dritter Generation ihre Ware in der Kreisstadt

Den Oldesloer Wochenmarkt gab es schon lange, bevor die kleine Stadt an der Trave zu einem Bad wurde. Bereits 1371 wurde er zum ersten Mal erwähnt und fand wie noch heute auf dem Marktplatz statt. Mittwochs und sonnabends ist er nicht aus dem Stadtleben weg zu denken, ist ein Treffpunkt für viele Oldesloer, ein Platz zum Klönen und Einkaufen.

Dass es Spaß macht, auf dem Wochenmarkt zu bummeln, dafür sorgen die Marktbeschicker, die immer ein lustiges und nettes Wort für ihre Kunden haben. Hier und da duzt man sich, viele Marktbeschicker sprechen ihre Stammkunden mit ihrem Namen an und machen die eine oder andere humorige Bemerkung.

Am längsten mit dabei ist Dorothea Lauschke. Seit 1954 verkauft sie frischen Fisch. „Wir stehen schon Viertel nach 2 Uhr auf und besorgen unsere Ware frisch vom Großmarkt“, sagt sie. Die 75-Jährige hat 1985 das Zepter an ihre Tochter Sonja Lauschke übergeben. „Wir sind hier schon in dritter Generation auf dem Oldesloer Wochenmarkt“, erzählt die humorvolle Seniorchefin. Sie sei, flüstert sie mit einem Augenzwinkern, quasi neben Fischkisten aufgewachsen, denn noch bevor die Lauschkes den Stand auf dem Wochenmarkt betrieben, lebte die gesamte Familie vom Fischfang.

In Dorothea Lauschkes Kindheit fuhr der Opa noch zum Fischen auf die Ostsee hinaus. Ihre Großmutter lief jeden Tag rund 20 Kilometer mit einer Kiepe auf dem Rücken von Haus zu Haus, um den Fang an die Frau oder den Mann zu bringen. Damals wohnte die Familie noch in der Nähe von Stolpmünde in Pommern, heute Polen. Harte Arbeit war das damals. „Als Kinder haben wir immer mitgeholfen“, erinnert sie sich. Spaß mache ihr das Verkaufen auf dem Markt immer noch: „Da ist man mitten im Geschehen, kann mit den Stammkunden klönen und bekommt alles mit.“ Sie sei mit ihren Kunden alt geworden, kenne inzwischen schon ihre Kinder und Enkelkinder. Über die Geschichte des Wochenmarktes weiß sie auch so einiges: „1949 war er vom Marktplatz vor dem Rathaus an die Kurparkallee gezogen.“ Später habe er dann im Bürgerpark statt gefunden. 1989 sei dann die Wende gekommen - zurück zum Marktplatz im historischen Kern.

Auch Hans-Wilhelm Nagel gleich nebenan steht schon lange mit seinem Obststand auf dem Oldesloer Markt. Mit seiner lustigen Art bringt er seine Kunden gern zum Lachen. „Reneclaude“, „Clapps Liebling“ – Äpfel verkauft er für einen Euro die große Tüte. Er kommt aus dem Alten Land zwei Mal in der Woche nach Oldesloe und verkauft Obst aus der eigenen Produktion. Im August 1980 fing er klein an. „Damals waren die Standplätze auf den Märkten rar gesät. Da habe man den Marktmeister schon ordentlich überreden müssen. „Wir sind das erste Mal mit einem VW Käfer und einem kleinen Anhänger hierher gekommen“, erinnert er sich. Inzwischen arbeitet schon die dritte Generation im Betrieb. Seine freundliche, fröhliche Art lockt auch die Kinder an seinen Stand. Denn sie bekommen immer einen Apfel von ihm geschenkt – das hat seit Jahrzehnten Tradition. Der Anfang sei schwer gewesen, man habe sich behaupten müssen. Jetzt kenne ihn fast jeder in Bad Oldesloe.

Der Hof Wilken ist mit seinem Stand zehn Jahre dabei, der Geflügelhof Stapf mindestens schon 30 Jahre. 28 Jahre stehen Marlen und Günter Burmester und ihr gut gelauntes Verkaufsteam auf dem Markt. In ihrer Gärtnerei produzieren sie fast alles, was sie frisch am Stand verkaufen, auch selbst. Inzwischen hat der Sohn die Führung im Betrieb übernommen. Was sie selbst nicht hat – frische Pflaumen zum Beispiel - kauft sie gern bei den Mitanbietern, bei Hans-Wilhelm Nagel gegenüber. Doch von Konkurrenz könne man nicht sprechen, man kenne sich seit Jahren und sei freundschaftlich verbunden.

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