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Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 00:11 Uhr

Allerhand Signalwirkung

vom

shz.de von
erstellt am 17.Aug.2013 | 07:26 Uhr

Lautsprecher "Herr Rädisch", erteilte Bauausschuss-Vorsitzende Maria Herrmann (SPD) das Wort. Uwe Rädisch (CDU) guckte verdattert aus der Wäsche: "Nö, ich hatte mich doch gar nicht gemeldet..." Da klopft ihm sein Sohn Detlef von hinten auf die Schulter: "Ja, es gibt ja auch noch einen." Detlef Rädisch war als VfL-Vorsitzender bei der Sitzung. Und Freunde hat er sich mit seinem Auftritt nicht gemacht. Während das Umkleidehaus am Wendum umgebaut worden war, hatte der Verein auf eigene Kosten Dixi-Toiletten aufstellen lassen. Das Geld wollte er von der Stadt wieder haben. Da kann man ganz sicher drüber reden. Aber wenn man gleich mit einer vollen Attacke gegen die Verwaltung loslegt, im Kurparkstadion seien Steuergelder verschwendet worden, weil dort der Platz mit Rollrasen ausgelegt wurde, ohne Rücksprache mit den Vereinen müsse der jetzt "in sensationellem Zustand" sein. Und als dann auch noch zum wiederholten Male die Umzäunung des künftigen Kunstrasens gefordert wurde, war bei etlichen Politikern die Geduld am Ende. Der Rollrasen im Kurparkstadion ist übrigens 28 Quadratmeter klein und dessen Rechnung niedriger als die für die "Dixis".

Stimmungsmache Im Englischen gibt es den Begriff der self-fulfilling prophecy - die selbsterfüllende Prophezeiung. Man muss nur oft genug über befürchteten Vandalismus und hohe Reinigungskosten auf dem zukünftigen Kunstrasenplatz am Exer reden, dann wird es schon so kommen. Dann werden die Schwarzseher sich bestätigt fühlen und quaken: Hättet ihr mal gleich auf uns gehört. Dabei haben sie ihn durch ihre ewigen Diskussionen und Anträge erst ausgelöst. Viel wichtiger wäre doch, ein Umfeld und ein Klima zu schaffen, das Vandalismus gar nicht erst aufkommen lässt. Sowas hat Ursachen und denen müsste man auf den Grund gehen und Abhilfe schaffen. Gegen mutwillige Zerstörer hilft ein Zaun nämlich auch nur bedingt. Und Profis wie sie unser Zeichner Götz Wiedenroth skizziert, lassen sich erst recht nicht davon abhalten.

Vorbildlich Da muss man sich - gelinde ausgedrückt - veräppelt vorkommen. Da wird für den Neubau des Kindergartens im Steinfelder Redder ein Kompromiss mit Umweltschützern, allen voran Klaus Gräber, ausgehandelt, der dann aber bei erstbester Gelegenheit dem Rotstift zum Opfer fällt. Ein ganz tolles Signal, das dessen zukünftiger Kompromissbereitschaft garantiert förderlich ist. Konkret geht es darum, dass der Knick an dem Grundstück mit einem Verbau geschützt werden sollte. Dummerweise sind die Kosten aber von geschätzten 2,5 Millionen auf berechnete 2,85 Millionen Euro geklettert. Und bei der Suche nach Einsparmöglichkeiten war man in der Verwaltung auf Ökogedöns wie besagten Verbau (22 000 Euro) oder das Gründach (18 000 Euro) gekommen, die der Finanzausschuss dann mehrheitlich gestrichen hat. Tolles Signal.

Defizite "Vorsorglich" hat die Stadt Ahrensburg den Vertrag mit dem Kinderhaus gekündigt, einem von Eltern getragenen Kindergarten. Begründung: Man brauche das Gebäude im Ahrensfelder Weg für Hortplätze der Aalfangschule. Außerdem gäbe es ja genügend Kita-Plätze in Ahrensburg, und das Kinderhaus-Konzept wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Das, mit Verlaub gesagt, war es vor 40 Jahren nicht. Damals schien es revolutionär, jetzt soll es angeblich überholt sein. Man sollte sich vom gerade vorherrschenden Zeitgeist nicht beirren lassen, wenn man auf erfolgreiche 40 Jahre zurückblicken kann. Damals schoss die antiautoritäre Erziehung zwar über das Ziel hinaus, indem man die Kinder sich selbst überließ, die Erziehungsziele, mit denen die "Revoluzzer" damals antraten, gelten aber immer noch. Nur sind jetzt zwei "Erkenntnisse" hinzugekommen: Frauen sollen arbeiten gehen (können) und Kleinkinder sollen Bildung bekommen. Beides wird als alternativlos verkauft, so dass es fast alle nachbeten und sich kaum jemand traut, mal kritisch nachzufragen, welche Ideologie, welche Geisteshaltung dahinter steht. Was als Bildung für Kleinkinder bezeichnet wird, ist nichts anderes als der Versuch, Erziehungs-Defizite auszugleichen, die es in immer mehr Elternhäusern gibt. Dafür schert man dann alle über einen Kamm und lässt sich das auch gerne einiges kosten.

Dass man der Kinderhaus-Kita einen jährlichen Zuschuss von 58 000 Euro zahlt und dass der sich 2013 vermutlich um 5000 Euro erhöht, weil weniger Kinder betreut werden, führt die Stadt extra in der Sitzungsvorlage auf. Vergleichszahlen, wie teuer die Betreuung der Kinder in einer anderen Kita für die Stadt wäre, sucht man vergebens.

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