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Stormarner Tageblatt

22. August 2017 | 22:54 Uhr

Bad Oldesloe : Alle wollen das Kino retten

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Für die Zukunft eines Kinos in der Kreisstadt gibt es zwar viele Ideen, aber bislang wenig konkrete Ansätze.

Das Oldesloer Kino ist insolvent, und viele sind in Sorgen: Wird es wieder Kino in der Kreisstadt geben? Die Frage, ob Bad Oldesloe überhaupt ein Kino braucht, stellt sich für Kulturmanagerin Inken Kautter überhaupt nicht: „Stadt fängt da an, wo ein Kino ist. Kino ist nach wie vor als Erlebnisort relevant. Es hat ja auch was mit Dunkelheit, Kichern und Knutschen in der letzten Reihe zu tun.“

Allerdings sieht sie die Voraussetzungen für ein öffentliches Engagement nicht gegeben. Dafür wäre zu belegen, dass ein Kino nicht kostendeckend betrieben werden kann. „Um das zu beweisen, müsste man einen ganz schönen Törn hinlegen, schließlich hat es Jahrzehnte kommerziell funktioniert“, so Kautter. Eine zündende Idee zur Kinorettung hat sie nicht. Inken Kautter: „Ein Konzept kann nicht von außen kommen. Für mich ist es schließlich nur ein Kino, für Heinz Wittern ist es mehr. Der Rahmen muss gesteckt sein.“ Egal ob sich eine Stiftung engagiert, ein Förderverein oder die Stadt – es seien viele Varianten denkbar. Voraussetzung seien aber immer geklärte Eigentumsverhältnisse.

In Bargteheide hat man mit Kino und Insolvenz bereits Erfahrungen gesammelt. Allerdings war die Ausgangslage dort grundlegend anders: Das Kleine Theater gehört der Stadt. „Das war eigentlich nur ein Kinosaal, auf dem man auch Theater spielen konnte“, blickt Bürgermeister Henning Görtz zurück. Theater bedeutete Gastspiele von Tournee-Ensembles, die der Kulturring in die Stadt holt.

„Der Durchbruch kam Anfang der 90er Jahre mit Kirsten Martensen. Mit ihrem Mix aus Kino, Theater und Gastronomie ist die Erfolgsstory entstanden“, so Görtz:. Der kulturelle Erfolg ist unbestritten, der finanzielle war allerdings nicht wirklich gegeben. Auch das Kleine Theater musste Insolvenz anmelden. Durch strikte Trennung der verschiedenen Bereiche steht es aktuell auf stabilen Füßen.

Was allerdings nicht bedeutet, dass das Kleine Theater Gewinn abwirft. Im Gegenteil. „Es geht immer ums Geld. Mit Kultur kann man nichts verdienen, das ist für die Stadt ein Zuschussgeschäft“, so der Bürgermeister. Die Stadt verlangt nur eine „eher symbolische Pacht“ und gibt mehr als 50  000 Euro Zuschuss für den gesamten Theaterbetrieb. Investitionskosten für den Bau in städtischem Besitz kommen hinzu. Görtz: „Es ist eine wichtige Säule unseres Kulturangebots. Ich hoffe, dass wir in Bargteheide noch lange Kino haben.“

„Ich weiß, wie schwierig es ist, in dem Bereich Investoren zu finden und wie schwierig es ist, mit Banken darüber zu diskutieren“, sagt Norbert Leinius, Chef der WAS. „Wenn Ahrensburg tatsächlich einen großen Kinoneubau bekommt, welcher Investor wird dann noch nach Oldesloe kommen?“, fragt Leinius. Und wenn doch, bestünde die Gefahr, dass Bargteheide oder Volksdorf „den Bach runter gehen könnten“. Aber vielleicht, so spinnt er einen ersten vorsichtigen Gedankenfaden, habe ja der Ahrensburger Investor ein Interesse, in Bad Oldesloe eine Dependance zu betreiben. Oder ein Lübecker Kinobetreiber.

Für das Hotel sieht Leinius ebenfalls keine rosige Zukunft: „Normalerweise ist das zu klein. Aber die Lage ist ja nicht schlecht.“ Vielleicht sei eine andere Nutzung der Immobilie denkbar. „Dafür müsste man aber den Zuschnitt, die Brandschutzsituation und einiges mehr kennen und sich mal mit vier, fünf Leuten zusammensetzen. Ganz klar – bei so einer Runde würde ich gerne mitmachen.“

Für die Grünen-Politikerin Karin Hoffmann wäre die Kino-Rettung eine Herzensangelegenheit. Sie stammt aus einer alten Kinofamilie. Bahnhofslichtspiele, Thalia und Hansa gehörten den Hoffmanns: „Wir mussten abends immer noch schnell die Filmrollen zum Bahnhof bringen.“ Trotzdem könne die Stadt kein Pleite-Unternehmen retten. „Uns reicht schon das Café am Markt“, sagt Karin Hoffmann, und ähnlich hört man es auch aus den anderen Fraktionen.

Karin Hoffmann will aber den Eindruck vermeiden, es werde nur geredet aber keiner sei bereit, etwas zu tun. „Wir müssen mal mit ein paar Leuten zusammenkommen, die bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. Ich bin ja ein Fan von Genossenschaften. Dann hat man ein Wir-Gefühl“, Sie sei dazu bereit, aber dafür müssten Fakten auf dem Tisch liegen: „Wir müssen wissen, ob da hinten Licht am Ende des Tunnels ist oder ob uns ein Zug entgegen kommt.“ Sie habe bereits Hilfe angeboten, jetzt sei Heinz Wittern am Zuge.

>Walter Albrecht ruft für Freitag, 26. Februar, zu einer „Solidaritätskundgebung“ „Wir kämpfen für unser Kino!“ heißt es um 16 Uhr. auf dem Marktplatz auf. „Bad Oldesloe ohne Kino ist unvorstellbar. Wir stimmen mit den Füßen ab – eine Stadt steht auf und bekennt sich zum Kino“, hofft der ehamalige DGB-Vorsitzende.

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23-2176993_Bad Oldesloe_Andreas_Olbertz_Redakteur.JPG von
erstellt am 15.Feb.2016 | 05:30 Uhr

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