Alle sitzen in einem Boot

Eva Apelt vom Holstenhof und Karsten Rohde von der RRG trainieren mit psychisch Kranken auf dem Herrenteich,
Foto:
1 von 2
Eva Apelt vom Holstenhof und Karsten Rohde von der RRG trainieren mit psychisch Kranken auf dem Herrenteich,

In der Reinfelder Rudergemeinschaft werden Menschen mit Handicap integriert

shz.de von
08. Juli 2015, 10:14 Uhr

Das Wort „Inklusion“ ist in aller Munde. Inklusion heißt „Zugehörigkeit“, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch überall dabei sein kann – mit und ohne Behinderung, ist Inklusion gelungen. Inklusion braucht Menschen, die sich dafür einsetzen, die Zeit und Geduld mitbringen und bereit sind, ganz viel Unterstützung anzubieten. Doch wie funktioniert das? Wie können sich Vereine öffnen und sinnvolle Angebote für Menschen mit Behinderungen anbieten?

Die Reinfelder Rudergemeinschaft (RRG) und das Therapiezentrum Holstenhof für Menschen mit psychischen Erkrankungen machen es vor. Eva Apelt, Mitarbeiterin des Holstenhofes und ehemaliges Mitglied der RRG, hatte die Idee, psychisch Kranke mit ins (Ruder-) Boot zu holen. „Inklusion ist heute ein großes Thema, doch es ist oft schwer, Organisationen zu finden, die bereit sind, sich zu öffnen“, so Apelt. Oft sei dies auch ein finanzielles Problem. Es sei schon etwas Besonderes, dass die RRG sofort bereit war, mit Karsten Rohde einen geduldigen und erfahrenen Trainer zur Verfügung zu stellen. Die RRG bot zwei Schnupperkurse an, bevor es endgültig an die Ergometer in den Trainingsraum und anschließend auf den Herrenteich ging.

Gar nicht so einfach, in einen Vierer mit Steuermann einzusteigen und die Ruder gleichzeitig zu bewegen. Was so leicht aussieht, entpuppt sich als Ganzkörpersport. „Hier wird jeder Muskel des Körpers trainiert“, so Rohde. Die psychisch Kranken geben sich alle Mühe, haben Spaß an der Bewegung – und schon bald gleitet das spezielle, sehr stabile Ausbildungsboot namens „Aida“ langsam auf den See hinaus. Carsten Rohde arbeitet bei den Stormarner Werkstätten in Bad Oldesloe und hat dort eine Gruppe von sechs Behinderten zum Rudern animieren können. Auch das Ausbildungsboot wird von den Stormarner Werkstätten zur Verfügung gestellt.

Karsten Rohde wird für seine Trainingsstunden vom Holstenhof bezahlt – ein Entgegenkommen, das es der RRG ermöglicht, das doch sehr aufwändige Angebot für Menschen mit Behinderungen auf ihrem Weg in ein selbstbestimmtes Leben anbieten zu können. „Unser Ziel ist es, die Menschen mit Handicap in den Verein zu integrieren und sie so fit zu machen, dass sie später allein ein Ruderboot bedienen können“, erklärt Apelt. Ein weiterer Schritt zur Teilnahme am Leben in der Karpfenstadt. Die ersten Hürden sind genommen, die Grundkenntnisse der Rudertechnik vermittelt. Alle zwei Wochen trifft sich das Team. Hier wird Inklusion gelebt.

zur Startseite

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert