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Stormarner Tageblatt

13. Dezember 2017 | 14:50 Uhr

Bad Oldesloe : Alarm bei Krippenplätzen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Mühsames Abarbeiten der Warteliste. Mindestens 20 Kinder in Bad Oldesloe sind noch unversorgt.

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erstellt am 22.Feb.2016 | 06:00 Uhr

Oh, was ist sie wütend. Da hat Karina Sottek den neuen Kindergarten am Steinfelder Redder nur wenige Meter Luftlinie von ihrem Haus entfernt immer vor Augen, aber einen Platz bekommt sie dort für ihre Tochter nicht. Und auch nicht in einer der anderen Krippen in der Stadt.

„Es ist wirklich eine Frechheit, dass wir als langjährige Bewohner dieser Stadt einfach so mit unserem Kleinkind im Regen stehen gelassen werden“, ärgert sich die Mutter einer anderthalbjährigen Tochter. Karina Sottek: „Überall in den lokalen Medien sind Artikel veröffentlicht worden, dass die Stadt jetzt noch viel besser in Sachen Kinderbetreuung aufgestellt sei und dass man ja wahnsinnig stolz auf die tollen Kinderbetreuungsmöglichkeiten vor Ort ist. Den Eltern wird damit suggeriert, dass wir uns schon fast in Sicherheit wiegen können, dass jedes Kind einen Krippenplatz bekommt. Aber das ist ein Trugschluss.“

Kurz nach der Geburt von Lysann Sophie im August 2014 meldeten Karina und Sebastian Sottek ihre Tochter für einen Krippenplatz an. Nicht nur in einer Einrichtung, sondern gleich in allen. Karina Sottek: „Es gibt hier sieben Krippen. Da hätte ich doch gedacht, dass wir realistische Chancen haben. Die Kita am Steinfelder Redder war noch nicht mal gebaut, da haben wir unsere Tochter schon bei der Stadt angemeldet.“ Bei einer Kita wurde sie zum Besuch eingeladen. „‚Kommen Sie doch mal vorbei, gucken Sie sich alles an‘“, erzählt Karina Sottek: „Da wurde mir richtig Hoffnung gemacht. Und jetzt, wo es knapp wird, sagt man uns, dass es nichts wird.“ Nach und nach trudeln die Absagen ein. „Da bin ich in Panik verfallen, dass ich keinen Platz kriege“, gesteht die 27-Jährige. Im September muss sie wieder ihren Job als Rechtsanwaltsfachangestellte antreten – sonst ist sie ihn los.

Aus lauter Verzweiflung, am Ende ohne einen Platz dazustehen, hat sie jetzt einen Vertrag mit einer Tagesmutter abgeschlossen. Auch die sind Mangelware. Dafür nimmt die junge Familie einige Unannehmlichkeiten in Kauf. Vater Sebastian soll die Kleine demnächst auf dem Weg zur Arbeit zur Betreuerin in den Rögen bringen. Wenn Mutter Karina Nachmittags mit dem Zug aus Segeberg kommt, radelt sie zur Tagesmutter und anschließend quer durch die Stadt nach Hause am Steinfelder Redder.

Karina Sottek hatte sich bewusst für zwei Jahre Elternzeit entschieden: „Ich wollte sehen, wie mein Kind anfängt zu laufen und zu sprechen.“ In Elternkreisen macht das Gerücht die Runde, es gebe keine Plätze, weil Kontingente für Flüchtlingskinder frei gehalten werden.

„Das ist absolut albern“, dementiert Nicole Kanapin, Leiterin des Kindergartens Masurenweg: „Im Krippenbereich geben die ihre Kinder ohnehin nicht ab. Und wenn ich voll bin, bin ich voll. Da kann ich keinen vorziehen.“ Sie geht davon aus, dass es noch für eine ganze Reihe von Eltern ein böses Erwachen geben wird. In einer Vorlage für die jüngste Sitzung des Sozialausschusses hat die Verwaltung vorgerechnet, dass derzeit 20 Krippenplätze in der Stadt fehlen – mindestens, denn Anmeldungen, die erst ab September 2015 eingegangen sind, wurden darin noch nicht berücksichtigt.

Die Not ist groß, doch Nicole Kanapin macht Hoffnung: „Ich habe noch gar nicht alle Plätze vergeben. Das dauert eine Weile.“ Schuld daran ist das unübersichtliche Anmeldesystem. Bislang hat niemand einen Überblick über freie oder frei werdende Plätze auf der einen und die echte Zahl der Anmeldungen auf der anderen Seite. Das muss mühsam händisch abgeglichen werden. Wenn die Kitaleitung dann die frohe Botschaft eines freien Platzes überbringt, bekommt sie oft zu hören, dass sich die Familie inzwischen anders beholfen hat. Einige Eltern springen ab, weil ihnen erst spät die Kosten für einen Krippenplatz bewusst werden. Nicole Kanapin: „Es kann durchaus sein, dass die Familie noch drei Zusagen bekommt.“ Abhilfe soll zukünftig eine neue Software bringen, die sich allerdings noch in der Probephase befindet. Drei Kitas testen das Programm aktuell. „Es funktioniert natürlich nur, wenn möglichst alle mitmachen“, weiß die Masurenweg-Leiterin: „Deshalb werde ich auf Leitungsebene noch mal etwas Werbung dafür machen.“

Auch bei den Kindern die älter als drei Jahre sind, also im sogenannten Elementarbereich, sieht es nicht viel besser aus. Konkret fehlen 14 Plätze und durch die Aufnahme von Flüchtlingskindern wird der Druck noch steigen. Als Sofort-Lösung hat der Sozialausschuss die Einrichtung von zwei neuen Wald-Gruppen beschlossen. Das kann ad-hoc umgesetzt werden.

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