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Stormarner Tageblatt

15. Dezember 2017 | 09:55 Uhr

Brunsbek : Aktiv und gut für Kronshorst?

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Schnell einen Verein gründen und Räume mieten, damit die nicht für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden können.

Spieleabende, Flohmärkte, gemeinsames Basteln, Eltern-Kind-Treffen, diverse Nachbarschaftsveranstaltungen, private Feierlichkeiten, kleine Konzerte, Rücken- und Yogakurse und vieles mehr. Die Realisierung verschiedenster Angebote hat sich der Verein „Kronshorst aktiv“ auf die Fahne geschrieben – zur Bereicherung des Dorflebens in dem Brunsbeker Ortsteil.

Dafür wurden die ehemaligen Büroräume einer Rohr- und Kanalreinigungsfirma in einem ehemaligen Bauernhaus angemietet. Eine Nutzung ist kurzfristig möglich und muss nicht erst den Umweg über die Gemeindevertretung gehen, wie beim Gemeindezentrum.

Rund 30 Mitglieder konnten bisher von dem Konzept überzeugt werden, doch die tatsächliche Idee zur Vereinsgründung war alles andere als uneigennützig. Maklerin Britta Siemer hatte den Auftrag zur Vermietung erhalten. Sie wohnt selbst in dem ehemaligen Bauernhof und erfuhr vom Besitzer, dass er die Gewerberäume auch dem Amt Siek angeboten hatte – als mögliche Wohnung für Flüchtlinge.

Daraufhin wurde ein Flyer mit der Überschrift „Tag der Kronshorster Deutschen Einheit“ in der Nachbarschaft verteilt. Kronshorst mit kaum Handyempfang und ÖPNV sei „völlig ungeeignet zur Unterbringung von Asylanten“, vor allem die Räumlichkeiten „direkt neben dem Fahrrad-Abstellplatz der Schulkinder, und unweit vom Kinderspielplatz.“

„Wir sind keine Rassisten, Rechte oder sonstwas“, schreiben „die Bewohner der Häuser Im Dorfe 11 und Im Dorfe 13“. Auf einer der vier Seiten werden den Lesern als „Hintergrund-Informationen“ Aussagen des Chefs der Polizeigewerkschaft GdP, Rainer Wendt, gegeben, der vor Gewalt und kriminellen Strukturen in Flüchtlingsunterkünften und vor Gefahren für die innere Sicherheit warnt. „Wollen wir solche Zustände in Kronshorst?“ lautet die rhetorische Frage im Flyer.

„Der Plan“ zur Verhinderung einer Flüchtlingsunterbringung sei die Anmietung der 160 Quadratmeter durch die Gründung eines Heimatvereins. Je mehr Mitglieder der habe, desto geringer sei der monatliche Beitrag. „Sollte uns das die Sache nicht wert sein?“, fragen die Initiatoren

14 Gründungsmitglieder, riefen dann „Kronshorst aktiv“ ins Leben. Der Verein wurde als gemeinnützig anerkannt, zur Vorsitzenden wurde Britta Siemer gewählt. Angesprochen auf den Flyer zeigte sie sich beim ersten Tag der offenen Tür des Vereins am 10. Januar reumütig. „Als wir von den Plänen erfahren haben, waren wir in Panik und wollten wissen, wie andere darüber denken“, sagt Britta Siemer, „es war eine Panikreaktion, die uns im Nachhinein total leid tut. Ich kann es leider nicht mehr rückgängig machen.“

Zudem seien sie und ihr Mann Olaf Kriewald, Vorstandsmitglied in der AfD Stormarn, um ihre Nachtruhe besorgt gewesen. Ihr Schlafzimmer sei nur durch eine dünne Decke von den Räumen getrennt, die früher der Heuboden gewesen seien. „Wir sind nicht ausländerfeindlich“, sagt Britta Siemer, und „Kronshorst aktiv“ habe nichts mit dem im Flyer angedachten Verein zu tun.

„Da steckt der Wolf im Schafspelz“, sagt Brunsbeks langjähriger Bürgermeister und Amtsvorsteher Olaf Beber. Wenn sich Menschen zusammentun, um einen Verein zu gründen, frage man normalerweise nicht groß nach, „doch hier wurden subjektive Interessen auf eine breite Basis gestellt.“ Ihm und anderen Gemeindevertretern war der Flyer im Oktober zugetragen worden. Sie hatten ihm zu einer rechtlicher Prüfung ans Amt gegeben, an die Öffentlichkeit ging man nicht, „weil wir nicht die weitere Verbreitung für die Urheber übernehmen wollten“, so Beber.

Er finde es „deprimierend“, dass so etwas in Brunsbek geschehe. Vom propagierten Mehrwert für Kronshorst durch den Verein ist der Bürgermeister nicht überzeugt, sorgt sich eher um 30 Jahre Integrationsarbeit zwischen den drei Ortsteilen Langelohe, Papendorf und Kronshorst: „Wir haben ja nicht umsonst ein Gemeindezentrum gebaut.“

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