Aktiv für eine Erinnerungskultur

Aktiv für Erinnerungskultur: ( v.l.) Pröpstin Petra Kallies, Antje Peters-Hirt (die Gemeinnützige), Olivia Kempke (Lübeck Management), Angela Haecker-Goette (Stattauto).
Aktiv für Erinnerungskultur: ( v.l.) Pröpstin Petra Kallies, Antje Peters-Hirt (die Gemeinnützige), Olivia Kempke (Lübeck Management), Angela Haecker-Goette (Stattauto).

Zum dritten Mal hat der Verein „Klopf Klopf. Lübeck ist weltoffen“ für den 29. März einen Aktionstag vorbereitet

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10. März 2014, 15:23 Uhr

Was 2012 als breites bürgerliches Bündnis gegen die Nazi-Aufmärsche anlässlich der Bombardierung Lübeck 1942 begann, hat sich zur überkonfessionellen und interdisziplinären Bewegung für Erinnerungskultur und Gegenwartsfragen entwickelt. Zum dritten Mal hat der Verein „Klopf Klopf. Lübeck ist weltoffen“ einen Aktionstag auf die Beine gestellt. Flüchtlinge, Vertriebene und Migranten damals und heute stehen im Fokus des Aktionstages am Sonnabend, 29. März, und der drei eröffnenden Veranstaltungen.

Das Programm ist umfangreich. Geschichte einfach abhaken? Das funktioniert nicht; darf auch nicht funktionieren. Daran lassen Pröpstin Petra Kallies, Anke Peters-Hirt, Olivia Kemke (Lübeck-Management) und Angela Haecker-Gotte (StattAuto), vier der „Klopf-Klopf“-Köpfe keinen Zweifel.

Antje Peters-Hirt packt gleich das diesjährige Motto an: „Es kann doch nicht wahr sein, dass im Hungerjahr 1945 500 000 Flüchtlinge durch das Lager Pöppendorf geschleust wurden, 250 000 nach Lübeck kamen und die Hälfte davon hier blieben. Und heute regen wir und über 500 Flüchtlinge auf, die die Gemeindediakonie jedes Jahr betreut“, sagt sie mit Nachdruck. Denn auch das gehört zur Erinnerungskultur, wie der Verein sie verstanden wissen will: Die Auswirkungen von Krieg und Verbrechen auf die Verfolgten des Nazi-Regimes wie auf die Bürger einer bombardierten Stadt.

Dass Gewalt Gegengewalt erzeugt und eine Epoche aus der vorigen hervorgeht, alte Erkenntnisse, die gleichwohl immer wieder neu ausgeleuchtet werden müssen. Und so steht auch das, was Peters-Hirt flott „Vorprogramm“ nennt, unter genau diesem Zeichen. Mit dem Vortrag „Schleswig-Holstein und der Nationalsozialismus“ des Historikers Uwe Dankert starten die Lübecker Aktionen am morgigen Mittwoch, 12. März, um 19.30 Uhr im Vortragssaal der „Gemeinnützigen“, Königstraße 42. . In Schleswig-Holstein hatte der Nationalsozialismus ebenso früh wie nachhaltig Fuß gefasst. Aber kaum ist heute noch gegenwärtig, dass ein gewisser Otto Heinrich Drechsler, gelernter Zahnarzt und begeistertes NSDAP-Mitglied von 1933 bis 19 45 nicht nur als Lübecker Bürgermeister in Amt und Würden war, sondern von 1941 bis 1944 Generalkommissar im Reichskommissariat Ostland in Riga und somit zuständig für die Konzentrationslager in Lettland. Weitere Auftaktvorträge folgen am Mittwoch, 19. März, („Jüdisches Frauenleben in Lübeck bis 1933. Und danach?“) und Dienstag, 25. März, („Ist Lübeck weltoffen?“).

Der Aktionstag, 29. März, selbst startet um 10 Uhr mit einem Fahrrad-Spaziergang zu ehemaligen Zwangsarbeiter-, Flüchtlings- beziehungsweise Vertriebenenlagern in Wesloe; um 10.30 Uhr ist Aufbruch zu einem Spaziergang „Migration in St. Lorenz Nord“. Der offiziellen Eröffnung ab 13 Uhr auf dem Marktplatz geht um 12.30 Uhr eine Andacht in St. Marien voran. Dann folgen zeitgleich um 14 Uhr acht Stadtspaziergänge. Themen sind „Gedenken: Orte der Mahnung“, „Menschen und Verfolgung. Recht und Unrecht in Lübeck“, „Kunst und Erinnerung“, „Die Folgen der Machtergreifung“, „Verfolgtes Leben in Lübeck“, „Ausstellung, Theater und Musik“, „Bauen und Zerstörung“, „Informieren und Aufklären“.

Mehr zum Programm gibt es im Internet unter www.klopfklopf.net.

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