Kreis Steinburg : Akte Sturmflut: Zeitreise ins Jahr 1962

Sturmflut im Kreismuseum: Die Sonderausstellung mit zahlreichen Exponaten nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1962.  Foto: Ruff
1 von 3
Sturmflut im Kreismuseum: Die Sonderausstellung mit zahlreichen Exponaten nimmt Besucher mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1962. Foto: Ruff

Sonderausstellung zur Jahrhundertflut wird im Kreismuseum eröffnet. Schriftstück eines Unbekannten gibt Einblicke, wie Helfer die Katastrophe erlebten.

Avatar_shz von
22. Februar 2012, 12:23 Uhr

Kreis Steinburg | Schon am 15. Februar 1962 war es stürmisch. Bäume kippten um, Dachziegel flogen von den Häusern. Die Wetterlage spitzte sich in den folgenden Tagen weiter zu und die Natur zeigte Anzeichen für die drohende Katastrophe: Krabbentaucher im Hühnerstall, Heringe in den Netzen, Vögel aus Skandinavien, die landeinwärts flogen, aber kaum einer erkannte sie. Es gab Sturmwarnungen im Radio, "aber die sind zu der Jahreszeit nicht ungewöhnlich", erklärte Dr. Anita Chmielewski, Leiterin des Kreismuseums in Itzehoe. Die Menschen ahnten nichts von dem großen Ausmaß der bevorstehenden Sturmflut, die am 17. Februar 1962 den Norden Deutschlands traf.
Zum 50. Jahrestag der Flut gibt es eine Sonderausstellung im Kreismuseum. Ein Thema, das die Menschen noch immer bewegt, wie Landrat Dr. Jens Kullik bei der gestrigen Eröffnung feststellte. Er sei es gewohnt, vor Publikum zu sprechen, "aber die große Resonanz heute macht mich fast sprachlos." Zahlreiche Steinburger fanden den Weg ins Museum, um Erinnerungen an die Katastrophe wach zurufen oder eine Ahnung davon zu bekommen, wie die Menschen die Flut damals erlebt haben. Exponate und Fotos wurden gesammelt, Hintergrundinformationen und Zeitzeugenberichte zusammengestellt. Außerdem läuft im Museum ein Film, den es sonst nirgendwo zu sehen gibt. "Das sind Originalaufnahmen", so Chmielewski. Die Museumsleiterin bekam bei der Ausstellung tatkräftige Unterstützung von vielen Seiten. "Dafür möchte ich mich bedanken."
Die Akte Sturmflut 1962 verleiht der Ausstellung eine besondere Note
"Die Vorbereitungen liefen allerdings schleppend an", erinnert sie sich. Die Wende brachte ein Schriftstück eines Unbekannten: Die Akte Sturmflut 1962. Sie enthält Papiere, auf denen die Flut aus Sicht der Helfer akribisch dokumentiert ist. Eine Rarität. "Die meisten Unterlagen über die Sturmflut wurden leider vernichtet", erklärte die Fachfrau. Feuerwehrleute, Polizisten oder auch Soldaten berichten in der Akte von ihren Einsätzen. Einer von ihnen war "Feldwebel Tasche". Er rettete eine Familie, die sich vor den Fluten auf einem Kleiderschrank in Sicherheit gebracht hatte. Auch ein Bericht der Stadtwerke Itzehoe befindet sich darin. "Die Stadtwerke hatten keine Sturmwarnung erhalten", so Anita Chmielewski. Ansonsten hätte der Stromausfall verhindert werden können. "So musste die Rettung im Dunkeln erfolgen." Außerdem sind Angaben zu dem einzigen Toten in Schleswig-Holstein in dem Schriftstück nachzulesen. Wenn die Ausstellung vorbei ist, bekommt der Unbekannte das seltene Exemplar wieder zurück.
Aber auch zahlreiche andere Bürger haben mitgeholfen, die Zeitreise ins Jahr 1962 so authentisch wie möglich zu gestalten. Claus Ahmling (77) aus Heiligenstedten hat seine Kleidung, die er beim Einsatz gegen die Wassermassen trug, zur Verfügung gestellt. Andere haben ihre Erlebnisse zu Papier gebracht, die in der Ausstellung nachzulesen sind. Beim Rundgang mit Leberwurst- und Schmalzschnittchen in der Hand - "das haben die Helfer damals auch zu essen bekommen", so Chmielewski - kamen Interessierte, Zeitzeugen und Helfer ins Gespräch. Die Ausstellung berührt und regt zum Nachdenken an. "Natur können wir nicht besiegen, sondern ihr nur etwas abtrotzen", verdeutliche Landrat Kullik.

Die Austellung im Kreismuseum Prinzeßhof "Sturmflut 1962 im Kreis Steinburg - Ein Jahrhundertereignis" läuft noch bis 6. Mai. Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags 10 bis 12, 14.30 bis 17 Uhr.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen