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Mensch des Jahres : Ahrensburgs Erfinder des Interkulturellen

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Kandidat 3: Hans-Peter Weiß aus Ahrensburg.

„Ich habe das interkulturelle Bewusstsein in Ahrensburg auf den Weg gebracht.“ Wenn Hans-Peter Weiß das sagt, klingt das weder überheblich noch übertrieben. Er hat den interkulturellen Gesprächskreis mit initiiert und lange geleitet, ebenso das Netzwerk Migration und Integration, er war beim „Engel der Kulturen“ ebenso dabei wie beim Runden Tisch Ahrensburg für Zivilcourage und Menschenrechte – gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus. Ein Name, den auch Weiß als sehr sperrig empfindet, auch wenn der Germanist immer bemüht ist, seine Worte möglichst so zu wählen, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt. 1970 kam der in München geborene Österreicher, dessen Vater im Nazireich im Gefängnis war, nach Ahrensburg. Er unterrichtete in Hamburg Deutsch für Spätaussiedler und entwickelte den ersten Lehrplan. Vor seiner Pensionierung aus gesundheitlichen Gründen hatte er das Bildungszentrum viele Jahre geleitet.

An der VHS Ahrensburg, wo er schon vor 2000 unterrichtete, regte er die Bildung eines Interkulturellen Gesprächskreises an. 2003 übernahm er ehrenamtlich die Moderation. Auch an der Gründung des Netzwerks Migration und Integration 2008 war er beteiligt. „Ich wurde ins Sprecherteam gewählt, obwohl ich das gar nicht vorhatte.“ Trotzdem war es Weiß, der das Netzwerk fünf Jahre lang prägte, sowohl nach innen wie auch nach außen.

Als wenn das noch nicht reichen würde, regte er 2009 den interkulturellen Herbst an. „Es gab die interkulturelle Woche der Kirchen Ende September. Aber ich habe mich gefragt, wie man in nur einer Woche die Menschen in ihrer Vielfältigkeit ansprechen will, vor allem auch die, die sonst nicht zu solchen Veranstaltungen kommen“, so Weiß. Mittlerweile ist daraus nicht nur eine große Veranstaltungsreihe geworden, andere Städte haben auch das Konzept übernommen.

Umgekehrt war es beim „Engel der Kulturen“ 2013. Da hatte sich der Ahrensburger von Bad Oldesloe inspirieren lassen. Das Projekt lag ihm „am Herzen, weil es darum ging, dass Reden über Integration in die Frage mündet, was man tun kann.“

Es ist Hans-Peter Weiß’ Lebensthema. Den Gesprächskreis hatte er nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York (USA) begonnen, weil es danach „eine deutliche Diskriminierung der Islamgläubigen gab.“ Im Jahr 2011 gab er die Leitung an Dorothea Schmidt weiter, in diesem Jahr zog sich Weiß, der Ende November 74 wird, auch als Sprecher des Netzwerks zurück. Und es war auch der letzte Interkulturelle Herbst, den er in vorderster Reihe bestritten hat.

„Ich bin krank und meine Kräfte sind begrenzt“, sagt Weiß, der das Feld aber bestellt weiß: „Es ist nicht entscheidend, dass ich die Dinge mache, sondern dass die Dinge über mich hinauswachsen können. Dass sie es tun, empfinde ich als Belohnung für das wirklich auch harte Engagement.“

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erstellt am 14.Nov.2014 | 18:15 Uhr

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