Ahrensburger Empfang unter Terror-Schock

Interreligiöser Dialog: (v. li.) Rüdiger Schmidt, Abdul Wahab Nazar, Katrin Taylor-Voss, Axel Fricke, Dorothea Schmidt und Anke Wendt vom Netzwerk und Freundeskreis für Flüchtlinge.
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Interreligiöser Dialog: (v. li.) Rüdiger Schmidt, Abdul Wahab Nazar, Katrin Taylor-Voss, Axel Fricke, Dorothea Schmidt und Anke Wendt vom Netzwerk und Freundeskreis für Flüchtlinge.

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11. Januar 2015, 17:03 Uhr

Der Neujahrsempfang der Stadt Ahrensburg stand unter dem Eindruck der brutalen Terror-Morde in Frankreich. Integration und nicht Ausgrenzung seien jetzt das Gebot für ein friedliches Zusammenleben, darin waren sich viele Besucher einig. Bürgermeister Michael Sarach brachte es auf diesen Punkt: „Wir müssen den Menschen mit verschiedenem kulturellen oder religiösen Hintergrund zeigen, dass sie ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft sind.“

Geschockt vom Terrorismus im Nachbarland zeigte sich Dorothea Schmidt vom Netzwerk Migration & Integration. Sie sieht Parallelen zu den Taten des NSU bei uns und dem norwegischen Massenmörder Breivik: „Die Täter fallen immer in dieselbe Kategorie. Es sind junge Männer, die wichtig sein wollen und dafür nur den Weg zum Mord sehen.“ Für Mord gebe es keine Entschuldigung. Die Eskalation der Gewalt in Frankreich zeige auch, wie wichtig die Arbeit des Netzwerks und des Freundeskreises für Flüchtlinge sei.

Das hat auch Anke Wendt überrascht: „Wir waren lange zu blind und haben die Entwicklung zu solch extremen Tendenzen nicht wahrgenommen.“ Die gesamte islamische Welt habe diesen Terror verurteilt, sagt Abdul Wahab Nazar: „Auch bei uns gilt das Gebot, du sollst nicht töten. Die Täter können keine Muslime sein.“

„50 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht“, sagte Sarach, „auch wir werden in diesem Jahr weitere 150 Flüchtlinge willkommen heißen.“ So viele Menschen werden voraussichtlich Schutz vor Krieg und Verfolgung in Ahrensburg suchen. Sarach dankte den vielen Ehrenamtlichen, die für die Integration wirken.

Für Ahrensburg soll ein neuer Flächennutzungsplan auf den Weg gebracht werden. Ein Entwurf der Verwaltung liegt vor. „Der alte Plan wurde bereits vor 40 Jahren aufgestellt“, so Sarach, „wir müssen neue Planungsziele festlegen.“ Der F-Plan sei das Steuerungsinstrument, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Die Nachfrage sei groß und werde weiter anhalten.

Das Klima in der Stadtverordnung habe sich spürbar verbessert, so Sarach: „Ich hoffe dass es auch zur bevorstehenden Bürgermeister-Wahl anhält.“ Bürgervorsteher Roland Wilde will sein Scherflein beitragen: „Es ist meine Aufgabe, beim demokratischen Streiten ausgleichend zu wirken.“ Jeder Deutsche sei im Ausland auch ein Fremder: „Aber wir dürfen in unsere Heimat zurück.“

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