Freiwillige Feuerwehr Ahrensfelde : Ahrensburg: Brandstifter sind Feuerwehrmänner

Neben Funkgeräten und Pyrotechnik fanden die Beamten mehrere Ausgaben des Stormarner Tageblatts mit Berichten über die Brandstifter bei den Tatverdächtigen.
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Neben Funkgeräten und Pyrotechnik fanden die Beamten mehrere Ausgaben des Stormarner Tageblatts mit Berichten über die Brandstifter bei den Tatverdächtigen.

Seit über einem Jahr brennen bei Ahrensburg Strohballen, Autos und Container – nun ist die Brandserie aufgeklärt.

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12. Dezember 2014, 15:51 Uhr

Ahrensburg | Die seit Herbst 2013 anhaltende Serie von Brandstiftungen in Ahrensfelde (Kreis Stormarn) ist aufgeklärt. Alle sechs mutmaßlichen Täter sitzen seit Freitagnachmittag in Untersuchungshaft. Am Donnerstag hatte die Polizei mitgeteilt, dass die eigens für die Ahrensfelder Brandserie eingerichtete Ermittlungsgruppe in dieser Woche sechs junge Männer festgenommen hat.

„Die Ermittlungen sind aber noch nicht abgeschlossen“, sagte Staatsanwalt Dirk Hartmann. Die aufgeklärten Taten seien möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs. Demnach also nicht geklärt ist die hohe Anzahl von Brandstiftungen direkt in Ahrensburg. Hier brannten seit dem vergangenen Jahr massenweise, Papiercontainer, Kleidercontainer, Holzschuppen, Gartenlauben, Carports und Autos ab. Hier werde weiter ermittelt.

Vier der sechs Männer sind Angehörige der Feuerwehr Ahrensfelde. Zwei der mutmaßlichen Brandstifter sind 19 Jahre ,einer zwanzig und ein weiterer 21 Jahre alt. Ihnen werden mindestens zehn Brandstiftungen in Ahrensfelde zur Last gelegt. Weitere vier Brandstiftungen gaben sie aus Angst vor Entdeckung an zwei 17 und 20 Jahre alte Bekannte in Auftrag, und bezahlten diese dafür mit Geld. Die beiden Männer waren bereits Anfang Dezember festgenommen worden.

„Die Feuerwehrleute standen schon seit einiger Zeit unter Beobachtung. Sie hatten unter anderem falsche Angaben gemacht und sich vor Ort auffällig verhalten. Als sie das mitbekamen, ließen sie ihre Bekannten Brände legen, um den Verdacht von sich abzulenken“, sagte der Leiter der Kriminalpolizei Ahrensburg, Ralf Lorenzen. In seiner Dienststelle war bereits im September 2014 die Ermittlungsgruppe „Florian“ eingerichtet worden.

Juristisch sei es egal, ob jemand eine Tat selbst begeht oder dazu anstiftet, sagte Staatsanwalt Dirk Hartmann. In diesen Fällen sei die Anstiftung jedoch fast krimineller als die eigentliche Brandstiftung, da die Auftraggeber ihre Bekannten vorschickten, um von sich selbst abzulenken.

Bei den zehn Brandstiftungen, die den Festgenommenen zur Last gelegt werden, ist nach Angaben der Polizei ein Schaden von rund 140.000 Euro entstanden.

Bei den Beschuldigten fanden die Ermittler Böller und andere Feuerwerkskörper, Benzin für Modelflugzeuge, mehrere Sprechfunkgeräte, Funkscanner zum Abhören der Feuerwehr sowie Zeitungsartikel über die Brände. „Als Motiv für die Taten vermuten wir Geltungsucht. Dadurch, dass die Feuerwehrmänner immer früh an den Brandorten waren, wollten sie wohl die Anerkennung ihrer Kameraden erlangen“, sagte der stellvertretende Leiter der Polizeidirektion Ratzeburg, Holger Meincke, am Freitag.

Der Landesfeuerwehrverband zeigt sich bestürzt darüber, dass die Täter offenbar aus den eignen Reihen kommen. „Die Freiwilligen Feuerwehren des Landes Schleswig-Holstein mit ihren knapp 50.000 Mitgliedern distanzieren sich von derartigen Fehlverhalten ihrer Kameraden aufs Schärfste“, sagt Holger Bauer. Es handele sich um „schwarze Schafe“. Feuerwehren seien ein Spiegel der Gesellschaft und solche Fälle seien daher nicht auszuschließen. „Jährlich werden in Deutschland etwa ein Dutzend Fälle bekannt, bei denen ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau Brandstifter war. Dies entspricht etwa 0,3 Promille aller Brandstiftungen.“ Dennoch: Der Imageverlust für die Feuerwehren sei immens. Holger Bauer: „Die Wehrführungen nehmen die jüngsten Vorkommnisse zum Anlass, diese Thematik mit ihren Mitgliedern im Sinne der Prävention aufzuarbeiten.“ Die Tatverdächtigen seien sofort vom Dienst suspendiert worden, teilte der Verband mit.

Zuletzt hatten Ende November rund 300 Strohballen auf einem Feld bei Hammoor, ein Carport in Ahrensburg, sowie eine Mülltonne und ein Papiercontainer in Großhansdorf gebrannt. Insgesamt sind in Ahrensburg und Umgebung seit Oktober 2013 etwa 20 Autos, mehrere Carports und Scheunen, Tausende Strohballen und unzählige Papiertonnen und Container in Flammen aufgegangen. Die Polizei schätzt den Gesamtschaden der über 100 Brandstiftungen auf 3,6 Millionen Euro.

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