Reinfeld : Älteste Bürgerin der Stadt

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Glückwünsche für Hildegard Zander: Sie feierte ihren 105. Geburtstag.

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13. März 2017, 18:42 Uhr

„Gott hat mir ein so langes Leben geschenkt“, zeigt sich Hildegard Zander dankbar, dass sie ihren 105. Geburtstag erleben darf. „Man muss immer mit Humor dabei sein. Ich habe in meinem Leben viel gelacht.“ Und das beweist sie auch in ihrem fast biblischen Alter noch, indem sie den Mitarbeitern des Reinfelder Senioren- und Pflegecentrums, in dem sie seit 2006 lebt, mit einem Gläschen alkoholfreien Sekt zuprostet. Ein Lächeln spielt um den Mund der rüstigen alten Dame, als sie all die Glückwünsche und Blumensträuße entgegennimmt.

„105 Jahre, ich kann es gar nicht glauben“, wiederholt sie immer wieder. Und die Geburtstagstorte schmeckt der gebürtigen Berlinerin ganz besonders gut. Kein Wunder: Serena Martens, stellvertretende Küchenchefin, hat sie selbst gebacken und obendrauf mit zartrosa Rosen, dem Berliner und Reinfelder Wappen aus reinem Zuckerguss und der Zahl 105 dekoriert.

Hildegard Zander schafft das ganze große Tortenstück und fordert die Gäste auf, doch auch noch ein Stückchen zu nehmen. „Frau Zander ist noch ganz gut zu Wege, nur morgens braucht sie eine Weile, um sich zurecht zu finden“, so Einrichtungsleiterin Petra Hansen. Aber mit 105 Jahren sei das wohl erlaubt, zwinkert sie der Jubilarin zu. „Hier ist jetzt meine Familie“, antwortet die alte Dame ihr. Gern hätte sie zu ihrem Ehrentag ein Kleid angezogen. Doch alle versichern ihr, dass sie in ihrer roten Bluse doch sehr festlich aussehe.

Bürgermeister Heiko Gerstmann hat ebenfalls einen Blumenstrauß dabei und überreicht der ältesten Bürgerin der Karpfenstadt einen bunten Frühlingsstrauß, sowie eine Urkunde der Stadt Reinfeld. „Hildegard Zander ist die älteste Bürgerin unserer Stadt, dicht gefolgt von einer 104-Jährigen, die noch zu Hause bei ihrer Tochter lebt“, sagt Gerstmann. „In meiner Verwandtschaft ist niemand so alt geworden wie ich“, erzählt die alte Dame, die auf ein arbeitsreiches und ereignisreiches Leben zurückblicken kann.

1912 wurde sie in Berlin-Schöneberg geboren. Ihren Vater verlor sie bereits im Ersten Weltkrieg, so dass ihre Mutter sie und ihre Geschwister allein durch schwere Zeiten bringen musste. Ihr Verlobter fiel im Zweiten Weltkrieg. Sie flüchtete mit Mutter und Schwester aus den Trümmern Berlins nach Barnitz, bezog einige Jahre später mit ihnen gemeinsam ein Haus an der Hamburger Chaussee in Reinfeld, wo sie sich nicht nur um die sechs Kinder ihrer Schwester kümmerte, sondern auch als „Mädchen für alles“ in einem Haus des Senioren- und Pflegecentrums arbeitete. „Sie war eine sehr fleißige Frau und hat bis ins hohe Alter gearbeitet“, so Einrichtungsleiterin Petra Hansen. Vielleicht habe das die Seniorin so fit gehalten.

Hildegard Zander schaut immer noch Fernsehen und hat guten Kontakt zu den Mitbewohnern. Nur mit dem Hören klappe es leide nicht mehr so. Doch die rüstige alte Dame mit den schlohweißen Haaren nimmt es so, wie es ist und freut sich über jeden neuen Tag: „Ich erzähle immer noch viel und habe meine Gedanken noch immer gut beisammen.“ Was für ein bewegtes Leben ...





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