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Urteil nach 15 Messerstichen : Acht Jahre Haft für Totschlag im Asylantenheim

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

45-jähriger drogenabhängiger Iraner hatte in Reinbek einen Bekannten im Streit erstochen

shz.de von
erstellt am 01.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Lebenslang hatte der Nebenkläger gefordert, Freispruch der Verteidiger. Am Ende orientierte sich das Gericht am Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine neunjährige Haftstrafe für angemessen hielt. Acht Jahre muss der drogenabhängige Iraner Ali A. nun hinter Gitter.

Der 45-Jährige, der 2012 angeblich wegen Bedrohungen in seiner Heimat einen Asylantrag in Deutschland stellte, lebte in einer städtischen Unterkunft am Mühlenweg in Reinbek, wo er im Mai 2013 mit einem Freund aus alten Tagen – Vater von vier Kindern und wohnhaft in Köln – aneinander geriet. Dieser beschuldigte den Angeklagten, ihm eine erhebliche Menge an Drogen (Opium, Kokain und Heroin) entwendet zu haben. Das Gericht sah es als bewiesen an, dass Ali A. mindestens 15 Mal mit einem 22 Zentimeter langen Klappmesser auf seinen Freund eingestochen und ihn dabei so schwer verletzt hat, dass dieser noch im Zimmer der Unterkunft seinen Verletzungen erlag.

Das Opfer habe ihn zuvor mit einem Elektroschocker zur Herausgabe der Betäubungsmittel gezwungen und bedroht, so der Angeklagte. Fieberhaft versuchte er, seine Tat zu verbergen, ein Auto zum Abtransport der Leiche in deren Heimatstadt Köln zu organisieren und den Betonboden seines Zimmers aufzustemmen, um die Leiche dort zu verstecken. Einem Zeugen drohte er, seiner Familie etwas anzutun, wenn dieser nicht den Mund halte.

Der Freund, ebenfalls Iraner, verblutete schließlich an einem Herzdurchstich, ohne dass der Angeklagte auf dessen Bitten hin einen Notarzt rief. Durch fingierte Handyanrufe hoffte er, der Familie des Toten glauben zu machen, dieser sei noch am Leben und warf schließlich die Tatwaffe in einen Teich. Das Gericht glaubte anhand dieser Vorgehensweise nicht an Notwehr, zumal Ali A. zum Tathergang diverse falsche Angaben machte.

Durch den jahrelangen Drogenkonsum, der ihn bereits mehrmals ins Gefängnis brachte – so das psychiatrische Gutachten – sind toxische Hirnschädigungen aufgetreten, die zu einer erhöhten Reizbarkeit und einer verminderten Steuerungsfähigkeit führen können. Ali A. bekam für diesen Umstand zwei Jahre Strafabzug.

Die Tat ist laut Richter spontan und unter Drogeneinfluss begangen worden. Jedoch könne sich der Angeklagte noch genau an den Tathergang und die darauf folgenden Ereignisse erinnern, so dass eine verminderte Schuldfähigkeit durch Drogenkonsum nicht gegeben sei. Der Iraner wird seine Haftstrafe im regulären Strafvollzug verbüßen. Von einer Therapie in einer Entziehungsanstalt versprach sich das Gericht keinerlei Erfolg.

Seit seinem 14. Lebensjahr hatte Ali A. mit Drogen aller Art zu tun. Was mit Zigaretten und Alkohol begann, endete mit Kokain, Opium, Heroin und Crack. Sein Weg führte vom Iran nach Japan, weiter in die Ukraine und in die Türkei zurück in sein Heimatland und schließlich als Asylbewerber nach Deutschland. Sein Leben finanzierte er hauptsächlich durch den Verkauf von Betäubungsmitteln.

 

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