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Acht Jahre Gesamtstrafe für Missbrauch im Kinderzimmer

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

shz.de von
erstellt am 13.Feb.2014 | 16:05 Uhr

Bis zum Schluss beteuert Georgios S. (33) seine Unschuld. Er sei weder pädophil noch habe er sich an seiner Stieftochter vergangen. Der gebürtige Grieche sitzt seit September 2011 wegen Vergewaltigung und Geiselnahme eine Haftstraße von sechs Jahren und sechs Monaten in der JVA Lübeck ab. Schon vor seinem Überfall auf eine Videothek im März 2011 in Reinfeld, wo er eine Aushilfe als Geisel nahm und sie vergewaltigte, sollen die sexuellen Übergriffe stattgefunden haben. Der Staatsanwalt klagt ihn wegen schwerem sexuellen Missbrauchs in drei Fällen an und fordert eine Gesamtstrafe von neun Jahren und drei Monaten für die Übergriff auf das damals fünf bis sechs Jahre alte Mädchen aus Reinfeld. Er begründet das Strafmaß mit dem fehlenden Geständnis und glaubhaften, detailreichen und alterstypischen Aussagen des Mädchens im Zeugenstand.

Der Verteidiger dagegen stellt die Glaubwürdigkeit des Mädchens in Frage. Es sei von Erwachsenen beeinflusst worden, hätte sich nur an die Einzelheiten der sexuellen Übergriffe, nicht aber an andere Ereignisse erinnern können. Auch die Zeitangaben stimmten nicht überein. Er habe Zweifel an den Schilderungen des Opfers, zumal dem Angeklagten keine pädophile Neigungen attestiert worden seien. Die Verteidigung beantragt erneute Beweisaufnahme und Bestellung eines weiteren Sachverständigen zur Prüfung der Glaubwürdigkeit des Kindes. Die Richterin lehnt den Antrag ab. Begründung: Das Gericht habe genug Information gesammelt, um sich ein Urteil zu bilden.

Nach zweistündiger Beratung spricht die Richterin das Urteil: Georgios S. wird zu einer Gesamtstrafe von acht Jahren und drei Monaten wegen schwerem sexuellem Missbrauchs verurteilt, was dieser mit gesenktem Blick zur Kenntnis nimmt. Das Gericht sei zu der Überzeugung gekommen – vor allem aufgrund der Aussage des Mädchens – dass der Angeklagte die Tat begangen habe – und dies nicht aus pädophilen Neigungen sondern wegen Beziehungsproblemen und Machtdemonstration. Seine Schuldfähigkeit sei laut Sachverständigem nicht beeinträchtigt. Somit folgt die Richterin weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft.


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