3. Liga : Abstiegsplatz und leeres Konto: VfB Lübeck kämpft an zwei Fronten

Vorstandssprecher Thomas Schikorra bestätigt, der VfB Lübeck werde dem DFB den Nachweis erbringen, dass der Aufsteiger über die nötigen Mittel verfügt, um die Saison in der 3. Liga zu Ende spielen zu können.
Vorstandssprecher Thomas Schikorra bestätigt, der VfB Lübeck werde dem DFB den Nachweis erbringen, dass der Aufsteiger über die nötigen Mittel verfügt, um die Saison in der 3. Liga zu Ende spielen zu können.

Der abstiegsbedrohte VfB muss dem DFB 824.000 Euro nachweisen – und den Gürtel in der 3. Liga künftig enger schnallen.

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17. Januar 2021, 16:34 Uhr

Lübeck | Auf dem Punktekonto von Fußball-Drittligist VfB Lübeck sieht es düster aus: 16 Zähler stehen nach 18 Spielen zu Buche. Die Grün-Weißen, deren letzte Hinrundenpartie am Sonnabend gegen Hansa Rostock wegen Vereisung des Platzes an der Lohmühle ausgefallen ist, stecken tief im Abstiegskampf. Auf dem Bankkonto sieht es ebenfalls düster aus: Dem Aufsteiger fehlen aufgrund der Corona-Pandemie die Zuschauereinnahmen. Die Hansestädter kämpfen also an zwei Fronten – und haben nun auch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Nacken.

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Der DFB hat im Zuge seines Nachlizensierungsverfahrens den VfB aufgefordert, einen Liquiditätsnachweis über 824.000 Euro zu erbringen. Die Frist endet am Donnerstag, den 21. Januar. Kann der Verein nicht nachweisen, über die entsprechenden Mittel zu verfügen, droht im schlimmsten Fall Punktabzug.

Verein nimmt Kredit auf

So weit wird es jedoch nicht kommen, wie Thomas Schikorra bestätigt: „Wir werden diesen Nachweis erbringen. Alle Zusagen und Verträge sind geschlossen, wir erwarten die letzten Zahlungseingänge spätestens am Mittwoch“, erklärt der Vorstandssprecher. Mitarbeiter des Vereins haben bis Saisonende auf 15 Prozent ihres Gehalts verzichtet (rund 100.000 Euro), den Rest der Summe finanziert der Verein über einen Kredit.

Wir sind vielen Menschen zu Dank verpflichtet, nicht nur unseren Mitgliedern, die uns die Treue halten und Solidaritätstickets kaufen, oder unseren Sponsoren, die uns weiterhin unterstützen, sondern auch allen Mitarbeitern. Thomas Schikorra, Vorstandsvorsitzender
 

Das sagt Schikorra, der im November betont hatte, dass es gemeinsame Kraftanstrengungen brauchen werde, um die Krise zu meistern.

1,3 Millionen fehlen in der Vereinskasse

60.000 Euro kostet den VfB jedes Geisterspiel. Mit den nicht eingeplanten Corona-Tests werde es am Saisonende ein Loch von rund 1,3 Millionen Euro in der Vereinskasse geben, hatte Schikorra im November erklärt (wir berichteten). Der Verein hatte im Vorfeld die Saison defensiv geplant und solide durchfinanziert. Als die Lizenzunterlagen zusammengestellt werden mussten, war nicht absehbar, wie einschneidend die Corona-Pandemie sein würde.

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Um alle 20 Clubs durch die Saison zu bringen, stellt der DFB im Winter die Finanzlage der Vereine auf den Prüfstand. Der VfB ist nicht der einzige Drittligist, der daraufhin Post vom Verband erhielt. Etliche Vereine müssen nachbessern, auch Lübecks Konkurrenten aus dem Tabellenkeller, FSV Zwickau oder Waldhof Mannheim. Allerdings haben diese Klubs den Vorteil, finanzielle Unterstützung aus dem 200-Millionen-Euro-Fonds der Bundesregierung für den Profisport erhalten zu haben.

VfB prüft juristische Schritte

Bis zu 800.000 Euro konnten Vereine als finanziellen Ausgleich für entgangene Zuschauereinnahmen einstreichen. Der Aufsteiger guckte in die Röhre, weil als Berechnungsgrundlage die Zuschauerzahlen aus dem Vorjahr herangezogen wurden – Lübeck war damals noch Regionalligist. Der VfB fühlt sich benachteiligt und prüft juristische Schritte.

Dass die Schleswig-Holsteiner einen Rechtsstreit gewinnen würden, dürfte allerdings ebenso unwahrscheinlich sein, wie von der zweiten Tranche zu profitieren. Der DFB hatte die Drittligisten in der vergangenen Woche informiert, dass die Bundesregierung erneut Millionen zur Verfügung stellen will, um die Einnahmenausfälle von Januar bis Juni 2021 auszugleichen. Lübeck dürfte erneut leer ausgehen – die Bewertungsgrundlagen haben sich kaum geändert. „Ein Skandal, dass politische Entscheidungen so fallen, dass wir erneut im Vergleich zu anderen Vereinen keinerlei Unterstützung erhalten“, echauffiert sich Schikorra.

Der VfB wird den Gürtel enger schnallen, um die Krise und deren Folgen zu meistern: Gehaltsreduzierung sind geplant, dazu soll der 29 Spieler umfassende Kader verschlankt werden. Die sportliche Qualität werde darunter nicht leiden, betont Schikorra: „Wir werden weiterhin eine drittligataugliche Mannschaft zur Verfügung haben.“ Die ist jedoch nur erforderlich, wenn der VfB auch den sportlichen Kampf gewinnt und den Klassenerhalt schafft.

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