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Stormarner Tageblatt

24. Oktober 2017 | 00:59 Uhr

Abschied von einem Biotop

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Pachtvertrag läuft zum Jahresende aus: Schottische Hochlandrinder kommen nicht wieder

Viele Spaziergänger vermissen sie schon: die zotteligen Highland-Rinder auf der Koppel an der Déviller Straße in Bargteheide. Die schottischen Hochlandrinder werden nicht wiederkommen. Denn der Pachtvertrag mit dem Züchter Hubertus Junge läuft zum Jahresende aus. 20 Jahre lang war die Wiese ein Refugium für die Natur. „Hier wurde nicht gedüngt oder gespritzt“, sagt Vorpächter Karl Dziomba. Deshalb habe sich eine artenreiche Flora und Fauna entwickelt. Teinwisch-Koppel heißt dieses Refugium.

„Knabenkraut, Kuckuckslichtnelke und andere seltene Pflanzen wachsen hier, auch Wildbienen nisten“, zählt Dziomba auf, „zeitweise hat hier sogar ein Wachtelkönig gebrütet.“ Das Gelände ist ideal für eine artenreiche Flora und Fauna. Der Höhenunterschied beträgt mehr als einen Meter, es gibt eher trockene und auch feuchte Biotope. Mitten durch die Wiese schlängelt sich ein Bach, der auch Tränke für die Highlands diente.

„Vor 19 Jahren war der Abfluss durch den Malepartus-Wald Richtung Tremsbüttel behindert und das Wasser staute sich hier“, erinnert sich Dziomba. Zeitgleich liefen auch einige Keller voll, ohne dass es einen Zusammenhang damit gab. Das stellte sich später heraus. Anwohner protestierten damals gegen den „Saustall“, der sich ihrer Meinung nach breitmachte und der ausgemistet gehöre. Sie machten ihrem Ärger auch in unserer Zeitung Luft. Nachdem die Ursache des Hochwassers auf dem Nachbargrundstück beseitigt war, floss der Bach aus dem Rückhaltebecken wieder einwandfrei ab.

Gelegentliches Hochwasser nach Starkregen setzt bis heute die tiefliegenden Teile der Fläche unter Wasser. Ohne Dziombas Zustimmung veranlasste dann der Gewässerpflegeverband eine Sohlreinigung des Bachlaufs. „Dabei wurde das Biotop brutal zerstört“, sagt er, „die Natur hat sich bis heute nicht davon erholt.“ Den Enten, die am Ufer brüteten, fehlte danach die Deckung vor Fressfeinden. Der Blutweiderich sei seitdem ganz verschwunden, der Bestand des Knabenkrauts habe gelitten.

Auf der fünf Hektar großen Wiese grasten bis zu acht Robust-Rinder. Die letzten beiden hat Junge kürzlich auf andere Weidegründe verfrachtet. Was jetzt aus dem Areal wird, ist unklar. Es gehört einer Erbengemeinschaft, ein Makler hatte sich das Vorkaufsrecht gesichert und Junges Pachtvertrag gekündigt. Allerdings gibt es keinen gültigen Bebauungsplan, nur einen vergeblichen Anlauf dazu vor sieben Jahren. Damals waren sieben Doppelhäuser an der Straßenfront geplant, der hintere Grundstücksteil sollte landwirtschaftliche Nutzfläche bleiben. „Die Aufstellung ist vor sieben Jahren gescheitert, weil es keine Mehrheit dafür gab“, sagt Dziomba. Auch die Untere Naturschutzbehörde legte ihren Einspruch ein.

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