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Oldesloer Kneipen : Abschied nach 44 Mühlen-Jahren

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Oldesloer Gastwirts-Ehepaar Struppek verabschiedet sich am 2. Januar endgültig von seinen Gästen.

shz.de von
erstellt am 26.Dez.2013 | 18:49 Uhr

Das Restaurant „Zur Mühle“ erstrahlt in neuem Glanz – so titelte das Stormarner Tageblatt am 20. August 1985, als Ute und Harry Struppek ihr Traditionslokal in der Oldesloer Innenstadt nach grundlegender Um- und Neugestaltung wieder eröffneten. In dem „Outfit“, in dem es sich bis zum heutigen Tag in der Mühlenstraße präsentiert.

Damit waren die Voraussetzungen gegeben, dass die „Mühle“ für bislang fast drei weitere Jahrzehnte blieb, was sie an gleicher Stelle im Familienbesitz schon 55 Jahre gewesen war: Ein Fixpunkt in der Oldesloer Gastronomie-Landschaft. 1929 hatte sie Heinrich Peemöller (sen.), Ute Struppeks Großvater, von Wirt Heinrich Busch gekauft. Peemöller, ein gelernter Tischler, hatte schon 1904 ins Gastgewerbe gewechselt.

Doch Peemöller starb bald nach der Übernahme. Seine Frau Margarete und deren Schwester Minna führten die „Mühle“ mit Umsicht weiter, bis Heinrich Peemöller (jun.) übernahm. Mit seiner Frau Irma, die später das Lokal alleine unter Wind hielt, als ihr Mann erst in den Krieg ziehen musste und dann bis zu seiner Rückkehr 1948 in Kriegsgefangenschaft geriet.

Wieder vereint sorgten die Eheleute Peemöller für weiteren Aufschwung. Die „Mühle“, die auch Clublokal des Oldesloer „Doppelquartetts“ war, bis sich der Chor auflöste, ist nicht zuletzt zum Domizil für Oldesloer Sportler geworden. Insbesondere dem Fußball war Heinrich Peemöller zugetan, die Kicker des VfL Oldesloe gingen bei ihm ein und aus.

Tochter Ute – 1942 im Haus Nr. 15 in der Mühlenstraße geboren – wurde früh in den elterlichen Betrieb einbezogen, in den sie nach Schulabschluss und einer Lehre als Zahnarzthelferin 1960 endgültig eintrat. In der Mühle war es 1961 auch, wo sie dem Fußballer Harry Struppek über den Weg lief. Der 1939 in Ostpreußen geborene Struppek war nach dem Krieg mit seiner Familie über Rümpel nach Bad Oldesloe gekommen. In der erfolgreichsten Ära des Oldesloer Fußballs in den 1960er Jahren war er als gefürchteter Torjäger, unermüdlicher Kämpfer und besonders vereinstreuer Sportler Idol und Legende in der lokalen und regionalen Szene. An seinem 22. Geburtstag am 25. Dezember 1961 kamen sich Ute und Harry näher und schon im August 1962 heirateten sie. 1969 übernahmen sie gemeinsam die Gaststätte.

Die beiden haben in inzwischen 44 Jahren die „Mühle“ zu einer wahren Kultkneipe vor allem für Sportler gemacht, nicht nur für Fußballer und besonders den VfL, sondern auch Sportart-und Vereinsübergreifend. Die „Mühle“ ist Treffpunkt für Stammtische, Skat-, und Sparclubs. Silvester endet die seit 85 Jahren währende Ära Peemöller/Struppek in der Mühlenstraße. Oft hat das Gastwirtehepaar – beide mittlerweile in ihrem achten Lebensjahrzehnt – ihren Abschied in den Ruhestand verschoben, aber nun ist es unumstößlich: Der Silvestertag wird der letzte Arbeitstag in ihrer Kneipe.

Zwei Tage später, am 2. Januar, laden sie zu einem Abschiedsempfang ein und sagen endgültig Tschüss. Willkommen sind ihnen ab 17 Uhr alle, die sich ihnen und ihrem Lokal verbunden fühlen.

Ein Nachfolger scheint mit dem bisherigen „Old Esloe“ - Wirt Sven W. Pehla gefunden zu sein. (siehe Artikel Seite 15). Doch noch ist keine Tinte unter den Verträgen. Sollte die Übernahme gelingen, möchte er dafür sorgen, dass sich die Sportler sowie die Stamm- und Knobeltische auch in Zukunft wohlfühlen. Erweitert werden soll das Angebot um kulturelle Veranstaltungen, wie sie Pehla erfolgreich im „Old Esloe“ etabliert hat. Vom Krimistammtisch bis zur „Open Stage“ ist auch in der Mühle einiges möglich.

„Erstmal möchte ich die Verträge mit Harry Struppek machen und dann könnte es im Februar losgehen. Ich bin optimistisch, dass das klappt. Aber noch ist nichts offiziell, auch wenn zwischen uns alles klar ist“, so Pehla.


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