Bargteheide : Drohungen im Instagram-Chat mit homosexuellem Jungpolitiker

Angefeindet: Nils Bollenbach
Angefeindet: Nils Bollenbach

Beleidigende Hassbotschaften und indirekte Morddrohung bei Instagram-Gespräch mit Nils Bollenbach und Katrin Langensiepen.

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22. Februar 2021, 16:05 Uhr

Bargteheide | Es klingt unglaublich, zeigt aber offenbar die fortschreitende Verrohung der Gesellschaft gerade auch im virtuellen Raum. Der „Fridays-for-Future“-Aktivist und homesexuelle Jung-Politiker mit einer Behinderung, der Grüne Nils Bollenbach aus Bargteheide, hatte sich vergangenen Donnerstag mit der ebenfalls behinderten Grünen, der Europa‐Abgeordneten Katrin Langensiepen, zum Gespräch auf Instagram verabredet. Sie tauschten sich mit Interessierten über die mangelnde Vielfalt in politischen Parlamenten aus.

Beleidigungen und indirekte Morddrohungen

Nach kurzer Zeit begannen laut Teilnehmern einige Zuschauer die Online-Veranstaltung aber mit beleidigenden Hassbotschaften bis hin zur indirekten Morddrohung zu stören. Bollenbach sei gedroht worden, dass man ihn als Homosexuellen in anderen Ländern hängen würde, er sei außerdem als „schwuler Hund“ beleidigt worden.

Gleiches sei dann geschehen, als die Europa- Abgeordnete Langensiepen berichtete, dass sie zum Glück noch keine Morddrohungen erhalten habe. Daraufhin wurde in einem Kommentar gedroht, dass die Rechten halt eher machen statt reden würden.

Bollenbach hat Polizei informiert

Freunde und Bekannte aus Bollenbachs persönlichen Umfeld zeigten sich schockiert. „Spätestens nach dem rechtsmotivierten Anschlag auf Walter Lübcke im Jahr 2019 ist wohl allen klar, wie weit der Hass gehen kann “, so Bollenbach. Auch die grüne Parteifreundin Renate Künast hat mit sexistischen Hassnachrichten zu kämpfen. Die Grünen haben deshalb eine interne Anlaufstelle eingerichtet. Mit der steht Bollenbach bereits im Kontakt und er hat auch die Polizei informiert.

„Hass und Hetze haben keinen Platz in unserer Gesellschaft“, sagt der 20-Jährige und will sich für andere stark machen. „Die Rechten sind online zwar lauter, aber wir sind mehr. “    

Besonders erschreckend finde er, dass die Kommentare kamen, als er mit der Europa Abgeordneten über das Thema Vielfalt sprach. „Es geht eben genau um diese fehlende Sichtbarkeit von gesellschaftlichen Minderheiten, welche immer wieder diskriminiert, bedroht und beleidigt werden.“ Genau aus diesem Grund will er sich dem progressiv entgegenstellen.

Kampf für Toleranz und Vielfalt

Bollenbachs Kampf für Toleranz und Vielfalt hat also gerade erst begonnen. Missstände wie diese sind es auch, die ihn dazu bewegt haben, sich bei den Grünen Schleswig‐Holsteins auf einen Listenplatz für die Bundestagswahl zu bewerben.

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