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Stormarner Tageblatt

18. Dezember 2017 | 12:14 Uhr

Rethwischer Sammler : 750 Krippen aller Welt

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Wilfried Jess sammelt seit Mitte der 90er Jahre Krippen und führt die Sammlung im Sinne seines Vaters Hans Jess fort.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2013 | 18:30 Uhr

Nicht nur im geräumigen Wintergarten stehen sie: die einzigartigen Krippen aus aller Welt. Auch auf dem Flur und im Wohnzimmer hat sie Krippen-Liebhaber und Sammler Wilfried Jess wirkungsvoll in Szene gesetzt. Der Studienrat ist weit bis über Stormarn hinaus bekannt für sein Fachwissen und seine außergewöhnliche Sammlung, die inzwischen über 750 Unikate umfasst. Jess ist gerade dabei, diese neu zu sortieren und seine Internetseite übersichtlicher zu gestalten (www.krippensammlung.de).

Es ist wohl eine der bedeutendsten Krippen-Sammlungen in Norddeutschland. „Dabei waren mein Vater und ich bei unserer ersten Ausstellung 1996 schon stolz, 24 Krippen aus zehn Ländern zeigen zu können“, erinnert sich Jess. Anhand der Weihnachtskrippen etwas über das Leben anderer Völker zu erfahren, sei wohl der Auslöser gewesen. Alles begann vor vielen Jahren in Spanien, als Wilfried und Hans Jess Krippenfiguren aus Ton in einer Galerie entdeckten. Sie unterschieden sich von den kitschigen Massenanfertigungen aus den Kaufhäusern und animierten Vater und Sohn zum Kauf einer Krippe.

Heute, erzählt Jess, schaue er auch mal auf Flohmärkten, auf denen er so manches auf den ersten Blick kitschig und bunt anmutendes Exemplar ergattert. Denn, so ist er überzeugt: „Was heute als Massenware gilt, kann in 100 Jahren schon Sammlerwert haben.“

Seit dem Tod des Vaters im Jahr 2004 führt er die Tradition weiter und hatte so manches Mal vor Weihnachten sein Haus für Gäste geöffnet. In den letzten Jahren jedoch nicht. Statt dessen verlieh er viele Unikate an Spezialausstellungen.

Seit einiger Zeit sammelt Wilfried Jess wieder intensiver. Übernächstes Jahr gehe er in Pension, dann habe er wieder mehr Zeit für Ausstellungen in seinem Haus. Neu in seiner Sammlung sind so genannte Porzellankrippen aus Italien. Der Elektriker Antonio Piscopo aus Neapel fertigte eine Miniaturkrippe in einem Apfel, um den sich eine Schlange windet, und brannte sein Werk „Sündenfall und Krippe“ 1998 im Brennofen seiner Firma, der Porzellanfabrik Capodimonte. Durchaus nicht ungewöhnlich, denn die Ursache für das Weihnachtsgeschehen sei ganz eindeutig der Sündenfall, weiß Jess zu berichten. „Oft werden in katholischen Gegenden Adam und Eva als Symbol für die Sünde mit in die Krippe gestellt und zu Weihnachten wieder herausgenommen“, so Wilfried Jess. Die Geburt Jesu sei die Aussöhnung und Überwindung des Sündenfalls und ein Schritt zur Erlösung. Eine weitere Darstellung von Josef, Maria mit ihrem neugeborenen Kind ist ebenfalls aus Porzellan und von einem Pinienzapfen umhüllt.

Ebenfalls von Antonio Piscopo gefertigt, sollen hier Fruchtbarkeit, Auferstehung und ewiges Leben dargestellt werden. Eine weitere Miniaturkrippe in Form einer Marone sticht ins Auge – winzig und fein. Maronen sind ein Italien beliebtes Nahrungsmittel und symbolisieren das „Brot des Lebens“. Wilfried Jess zeigt einen Mammut-Stoßzahn, der 20000 bis 30000 Jahre im Eis gelegen hat und auf dem eine Krippendarstellung eingeritzt ist.

Auch die nigerianische Dornholzkrippe ist ein seltenes Unikat. Im Stammesgebiet der Yoruba wächst der Kapok- oder Wollbaum. Seine Farben finden sich in der handgefertigten Krippendarstellung wieder. Wie in einem kleinen Koffer „zum Mitnehmen“ kommt die Krippe aus Bananenblättern, Bast, Holz und Draht daher. Sie stammt aus Tansania, wo der Künstler mit nur einfachen Mitteln eine zauberhaft-leicht anmutende Darstellung erschuf.

Bemerkenswert der Flötenspieler mit Lendenschurz und mit Bast umwickelten Beinen. Eine seiner aktuellen Lieblingsstücke sind zwei mallorquinische Krippen.

„Die modernen Darstellungen aus Ton und Kalk und mit Lackfarben überzogen sammelte der Künstler Jean Miró. Sie gehen auf die phönizische Zeit zurück“, erklärt Jess. Gleich daneben steht eine aus Binsen gefertigte Krippendarstellung aus Bolivien. „Die habe ich bei Benediktinermönchen gekauft“, verrät er. Eine weitere wurde in Burkina Faso aus Mangel an anderen Rohstoffen aus alten Wasserhähnen gefertigt.

Die liebevoll in Handarbeit gefertigten Krippen stehen im krassen Gegensatz zu den von Jess auf dem Flohmarkt erstandenen Spieluhren, die eher grob und extrem bunt wirken. Sie dudeln Weihnachtsmelodien und lassen Jesus, Maria und das Jesuskind im Kreis laufen. Gewöhnungsbedürftig. Aber wie gesagt: „Viele Krippen aus dem 19. Jahrhundert sind im Grunde auch kitschig, und heute werden sie gesammelt.“ Wilfried Jess hofft, dass er zu Ostern wieder sein Haus für eine Passions-Ausstellung öffnen kann: „Die Exponate sollen ja unter die Leute.“

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