700 Jahre: Tangstedt feiert mit Verspätung

Detlev von Liliencron war prominenter Gast auf dem Gut.
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Detlev von Liliencron war prominenter Gast auf dem Gut.

Die Stormarner Gemeinde Tangstedt und das englische Königshaus haben eine Gemeinsamkeit: Beide verlegen die Feier zu ihrem Geburtstag in wärmere Monate. Doch während die Queen in diesem Jahr gerade mal ihren 83. Geburtstag feiern kann, ist es bei Tangstedt schon der 700. Geburtstag.

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17. Februar 2009, 10:12 Uhr

Tangstedt | Erste urkundliche Erwähnung fand Tangstedt am 2. Februar 1309. In dem Dokument, das heute im Besitz der Hamburger Staatskanzlei ist, berichtet das Hamburger Domkapitel über die Stiftung einer Vikarie und einer Seelenmesse durch den Ritter Hartwig von Hummelsbüttel, bezahlt werden sollten diese durch Einkünfte aus "Tancstede". Hünengräber in der Gegend deuten allerdings schon auf weit frühere Besiedelung hin.

"Die weitere Geschichte Tangstedts ist sehr verworren und nicht sehr aufregend", fasst Tangstedts Gemeindearchivar Horst Völksen die weiteren 700 Jahre zusammen. Wobei er da nur bedingt Recht hat. Schon im 17. Jahrhundert galten die Tangstedter, die dem Gut Tremsbüttel unterstanden, als aufsässig. Aus diesem Grund ließ der Tremsbütteler Vogt das Gut Tangstedt errichten, eine Art Außenposten zur Überwachung. Im Laufe der Jahrhunderte wechselte es mehrere Male die Besitzer. Im Jahr 1756 erwarb die Familie von Holmer das Gut. Aus einem Teil ihres Familienwappens entsteht später das Wappen der Gemeinde.

Prominenter Gast auf dem Gut ist im 19. Jahrhundert der Dichter Detlev von Liliencron. Als "Tangbüttel" verewigte er Ort und Gut später in seinem Buch "Leben und Lüge". Zwischen Tangstedt und Wilstedt (damals noch ein eigenständiger Ort) stand die so genannte "Liliencron-Buche". "Liliencron soll sehr trinkfest gewesen sein", erläutert Archivar Völksen den Namen. "Und unter dem Baum hat er dann seinen Rausch ausgeschlafen." Im Juli jährt sich der Todestag Liliencrons zum 100. Mal. "Da wollen wir auch etwas auf die Beine stellen", kündigt Völksen an. Und nicht nur der Lyriker fand Gefallen an Tangstedt. Zu den prominenten Bewohnern zählten auch Hans Schreiber, Drafi Deutscher und Uwe Lost von "Truck Stop".

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden im Gutshaus polnische Offiziere, Verbündete der Briten, untergebracht. "Es geht das Gerücht, dass diese Offiziere fleißig Schwarzhandel betrieben haben", schildert Völksen. Doch als dann für den 3. Februar 1947 eine Razzia der Briten angesetzt wurde, begannen die polnischen Offiziere am Abend zuvor eiligst, ihre Waren in den Gutsöfen zu verbrennen. Schnell waren diese damit überfordert, das Feuer griff auf das gesamte Gebäude über. "Da es ein ziemlich kalter Februar war, waren die Rohre zugefroren und es konnte nicht richtig gelöscht werden", berichtet Archivar Völksen. Das über 300 Jahre alte Gutshaus brannte bis auf die Grundmauern nieder. Die Steine der Gutsruine wurden später zum Bau der ersten "Neubaugebiete" in den 50er Jahren benutzt.

Im Jahr 1970 erfolgte die Zusammenlegung der Gemeinden Tangstedt, Wulksfelde und Wilstedt zur Großgemeinde Tangstedt, seit Januar 2008 gehört sie zum Amt Itzstedt.

All das wollen die Tangstedter am Sonnabend, 16. Mai, mit einem großen Dorffest feiern. Auf dem Schulgelände sind unter anderem ein Fußballturnier und viele andere Aktionen der örtlichen Vereine und Verbände geplant.

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