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Stormarner Tageblatt

25. September 2017 | 01:11 Uhr

Jubiläum : 700 Jahre Steinhorst

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Der Kulturausschuss, zahlreiche freiwillige Helfer und örtliche Vereine bereiten einen Festtag zum 700. Geburtstag der Gemeinde Steinhorst vor.

„Das Dorf Steinhorst wurde vor 700 Jahren zum ersten Mal urkundlich erwähnt“, erzählt Heinz-Peter Strunck, der sich 39 Jahre lang ehrenamtlich für seinen Heimatort als Bürgermeister einsetzte und 2013 sein Amt an Horst Wardius weitergab. Der Kulturausschuss, zahlreiche freiwillige Helfer und dörfliche Vereine planen nun den großen Festtag am 27. Juni.

Steinhorst ist noch eines der wenigen Orte, die wirklich dörflich erscheinen. Sternförmig zweigen die Straßen vom Dorfkern ab, umgeben von alten Bäumen, Wiesen und Äckern. Mitten im Ort das alte Herrenhaus und seine teilweise noch erhaltenen Liegenschaften. „Heute gibt es nur noch wenig Landwirtschaft. Steinhorst ist wie die meisten anderen Dörfer fast ein reines Schlafdorf geworden. Die Leute arbeiten in Hamburg, Bad Oldesloe und Lübeck“, erklärt Strunck.

Das war vor Jahrhunderten natürlich ganz anders. Der Reichtum des Örtchens war neben den fruchtbaren Äckern der schöne Waldbestand. Diesen wollte Herzog Christian Albrecht im Jahre 1697 allerdings zu Geld machen. Sicher würde der Wald längst verschwunden sein, hätte nicht Herzog Julius Franz den Machenschaften Einhalt geboten. Im Jahre 1691 ging das Amt Steinhorst für 70  000 Taler an Magnus von Wedderkop über – ein Rechtsgelehrter und in Diensten des Kurfürsten Ludwig von der Pfalz.

Schon zu seinen Lebzeiten übertrugen beide Söhne das „Anfallsrecht“ auf den König von Dänemark, der gern bereit war, die von Wedderkops zu unterstützen, indem er 1736, als die Untertanen sich auflehnten, Hilfe schickte. Aber Sohn Gottfried von Wedderkop, der 1721 das Herrenhaus errichten ließ, lebte auf großem Fuß, war überschuldet und verhandelte auch mit dem Kurfürsten von Braunschweig-Lüneburg – dem damaligen König Georg II von England, der 1738 das Vorkaufsrecht für das Gut Steinhorst erhielt. Das hatte den Einmarsch von 26 dänischen Reitern zur Folge – jedoch vergeblich, denn 700 Mann Hannoveraner besetzten das Amt. „Steinhorst ist also auch eine Zeit lang nicht nur dänisch, sondern auch englisch gewesen“, so Strunck. Steinhorst ging in das hannoversche Amt über, wieder 164 Jahre später wurde es mit dem Herzogtum Lauenburg vereint.

Turbulente Jahre folgten: 1803 bis 1813 kamen die Franzosen, danach herrschten die Dänen bis 1864. Im 19. Jahrhundert wurden die Spar- und Leihkasse, die Apotheke, eine „Postexpedition“ und die Schule eröffnet. Eine Besonderheit Ende des 19. Jahrhunderts waren die „Rentengüter“ auf Gut Steinhorst, mit deren Hilfe das Betreiben eines eigenen, ländlichen Betriebs ohne große finanzielle Mittel möglich sein sollte. Es gab acht Arbeiter-Rentengüter, wovon noch zwei erhalten sind.

1928 wurden die Gutsbezirke aufgelöst und Steinhorst wurde zur selbstständigen Landgemeinde. Bis in die 50er Jahre des letzten Jahrhunderts hatte Steinhorst noch eine Apotheke, ein Gefängnis einen Arzt und zwei Gaststätten. Heute befindet sich die Amtsverwaltung in Sandesneben.

1939 hatte Steinhorst 338 Einwohner, nach dem 2. Weltkrieg stieg die Zahl aufgrund der Flüchtlinge auf 847 an. „Viele Flüchtlinge aus Pommern und Ostpreußen wurden später nach Nordrhein-Westfalen umgesiedelt, viele blieben hier“, erinnert sich Strunck. 1949 wurde der Sportverein gegründet, das Freibad, das sich heute noch großer Beliebtheit erfreut, erbaut und die DLRG ins Leben gerufen. Erst 1998 wurde die Poststelle, 1999 das Kaufhaus Homann geschlossen.Über 80 Jahre ist die Freiwillige Feuerwehr aktiv, 2005 wurde das Museum „Vergessen Arbeit“ gegründet. „Heute ist das Gut Steinhorst eine Domäne mit 720 Hektar Getreideland“, sagt Strunck. Das Dorf hat 572 Einwohner und ist mit 1  600 Hektar das zweitgrößte im Amt. Lehrer Götze schrieb 1924 die Chronik „Versunken und verklungen – aus der Geschichte von Steinhorst“. Strunck: „Ohne dieses Büchlein wüssten wir heute nicht so viele Details über unseren Heimatort.“

 

 

> 700 Jahre Steinhorst:

Am Sonnabend, 27. Juni, beginnen die Feierlichkeiten auf der Domäne Steinhorst um 14.30 Uhr. Um 15 Uhr erfolgt die Begrüßung durch Bürgermeister Horst Wardius. Ab 15.15 Uhr spricht Amtsarchivar Christian Lopau über die Geschichte. Anschließend gibt es eine Kaffeetafel und Grußworte mit Musik vom Swinging-Orchestra aus Schönberg.

 

 

 

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