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Stormarner Tageblatt

22. Oktober 2017 | 21:58 Uhr

50 Jahre Theater der Oldesloer Bühne

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Vor einem halben Jahrhundert wurde die Oldesloer Bühne wieder begründet / Drei Gründungsmitglieder sind noch dabei und erinnern sich an die Anfänge

shz.de von
erstellt am 05.Jan.2016 | 00:32 Uhr

Es gibt nicht viele Vereine in Bad Oldesloe, die auf ein so stolzes Alter zurückblicken können: Die Oldesloer Bühne feiert in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag, und auch nach einem halben Jahrhundert gehen den aktuell 142 Mitgliedern des rührigen Vereins weder Tatkraft noch Ideen aus - ganz im Gegenteil. Das Jubiläumsjahr 2016 soll mit rund einem Dutzend Veranstaltungen und Aufführungen sowie einer zünftigen Geburtstagsparty groß gefeiert werden.

„Eigentlich gibt es uns ja schon viel länger, nämlich seit fast 100 Jahren“, sagt Peter Clasen, der die Oldesloer Bühne von ihren Kindesbeinen an kennt. Ohne den 72-Jährigen wäre im Verein nämlich Vieles nicht gelaufen, egal ob beim Bau und beim Transport der sperrigen und schweren Kulissen oder beim Schauspiel auf der Bühne. Jahrzehntelang prägte der Oldesloer mit der markanten Stimme vor allem die Weihnachtsmärchen, bevor er vor einem Jahr eine Pause einlegte.

Das mit den 100 Jahren stimmt sogar, denn bereits im Jahr 1920 fanden sich die ersten theaterbegeisterten Oldesloer zusammen und gründeten den Oldesloer Theaterverein von 1920. Das war der Einstieg für den heutigen Verein. Als 1936 die Theaterarbeit auf Geheiß der Nationalsozialisten eingestellt werden musste, weil der Verein angeblich nicht mehr „kulturgemäß“ arbeiten würde, endete auch kriegsbedingt erst einmal für alle Aktiven die Arbeit auf und hinter der Bühne. Erst 1947 kam es zu einer Neubelebung der Theaterszene durch Rudi Niebisch, Theatermensch durch und durch. Nach dem Krieg landete er in Bad Oldesloe und lernte hier August König, den legendären Leiter des Städtischen Musikkreises kennen. Gemeinsam wurden im damaligen Naturtheater (heute steht dort die Schwimmhalle) Opern, Operetten und Märchen aufgeführt. 1957 entschlossen sich die Theaterleute, den alten Namen wieder zu führen und gründeten den „Theater-Verein Oldesloe von 1920“ noch einmal neu.

Als aber immer mehr neue und und vor allem junge Spieler hinzu kamen, wurde der Verein schließlich am 25. Februar 1966 auf einer offiziellen Gründungsversammlung im Hotel zur Krone in „Junge Bühne e.V.“ umgetauft und 1968 noch einmal in „Oldesloer Bühne e.V.“. Fast drei Jahrzehnte lang hielt Rudi Niebisch das Vereinszepter in der Hand und arbeitete bis 1996 im Vorstand mit, malte Bühnenbilder, führte Regie und spielte selbst in vorderster Front auf der Bühne mit, denn er war ein Alleskönner. 2007 verstarb Rudi Niebisch und hinterließ eine große Lücke. Seitdem ist der Verein zwar stetig größer geworden, haust aber – nach elf Umzügen mit allen Requisiten, Kulissen, Kostümen und der Technik - immer noch in den Kellerräumen der Firma Ellerbrock, die zwar relativ groß, im Winter aber kalt, zugig und feucht sind. Immerhin gibt es hier einen Probenraum, der 2003 mit dem ersten Auftritt der frisch gegründeten Sketchgruppe eingeweiht wurde. Die Sketchgruppe gibt es zwar nicht mehr, dafür sind die 2004 ins Leben gerufenen Bühnenzwerge umso aktiver.

Ganz wichtig ist der feste Spielplan der Oldesloer Bühne. So gibt es im Frühjahr ein plattdeutsches und im Herbst ein hochdeutsches Theaterstück zu sehen, und im Dezember die beliebten Weihnachtsmärchen – inzwischen sind es mehr als 170 Stücke seit der Gründung. Allerdings war das längst nicht immer so, erinnert sich Peter Clasen, der drei Monate nach deren Gründung Mitglied der Bühne wurde. In der Anfangszeit wurden nämlich fünf verschiedene Stücke pro Jahr inszeniert, zunächst ausschließlich hochdeutsche Boulevardstücke, so genannte „Schenkelklopfer“. Schließlich gab es da noch wenig Konkurrenz durchs Fernsehen. Die Aufführungsorte wechselten. Man spielte in der Turnhalle der Stadtschule oder im Thalia-Theater, einem Kino in der Hagenstraße. Heute steht dort die Sparkasse.

1967 wurde das erste plattdeutsche Stück gespielt. Als Günter Ackermann 1968 zur Bühne kam und vorschlug, doch auch Weihnachtsmärchen aufzuführen, stieß das zunächst auf wenig Gegenliebe. Aber 1971 war es dann doch so weit und mit „Rumpelstilzchen“ kam das erste Märchen in die Stadtschulturnhalle. „Meine Tochter Doris spielte damals das Rumpelstilzchen“, erinnert sich das Bühnenurgestein Günter Ackermann, dessen inzwischen verstorbene Frau Herma Ehrenmitglied der Bühne ist. Die Weihnachtsmärchen wurden rasch zu einer Erfolgsgeschichte für die Oldesloe Bühne.

Als Anfang der 70er Jahre die Festhalle gebaut wurde, konnte die Oldesloer Bühne endlich in einem richtigen Theatersaal spielen. Doch das gefiel längst nicht allen, zumal nun auch der frisch gegründete Theater- und Konzertverein die Festhalle für seine Veranstaltungen nutzen wollte. „Anfangs wurden Stimmen laut, dass hier nur anspruchsvolles Tourneetheater geboten werden sollte. Dann sollten wir sogar eine Gebühr für die Aufführungen bezahlen, dagegen haben wir protestiert. Die Bevölkerung hat Druck gemacht, dass wir dort wieder unentgeltlich auftreten durften“, erzählt Claus Cummerow, der zu den Gründungsmitgliedern gehört und fast vier Jahrzehnte lang in vorderster Front mitspielte und gerne Regie führte. Mit der Zeit wurden die Stücke auch anspruchsvoller und das Ensemble der Oldesloe Bühne ging auf Tournee nach Süsel, Bad Bramstedt und sogar bis Dassow in Mecklenburg. Das bedeutete lange und beschwerliche Transportwege mit Kulissen und dem ganzen Equipment, wovon Peter Clasen und Günter Ackermann heute noch ein Lied singen können. „Wohl mehr als 1000 Mal haben wir die Kulissen auf- und wieder abgebaut“, erzählt Peter Clasen, der in rund 100 Stücken selbst auch mitspielte. Und Günter Ackermann war der Kulissenschieber vom Dienst und die graue Eminenz im Hintergrund, der auch lange im Vorstand mitarbeitete. „Wir haben früher Aschenputtel fast immer mit echten weißen Tauben gespielt, das war das Schönste“, erinnert sich Peter Clasen etwas wehmütig.

Ja, und dann ist da noch Günter Geffe, Gründungsmitglied und seit fast 50 Jahren auf der Bühne. „Es wird zwar weniger mit den Jahren, und die Rollen werden kleiner, aber man kann nicht ganz loslassen“, sagt der 72-Jährige mit dem phänomenalen Gedächtnis. „Was Günter an Texten gelernt hat, das weiß er heute noch“, staunt Claus Cummerow. Hannelore Garbers hatte erste Rolle mit 18 Jahren als Heiratsschwindlerin. „Da durfte ich endlich mal einen Mann schlagen“, erzählt die 66-Jährige ganz begeistert. Welcher Mann das war, bleibt ein Geheimnis. Darüber kann „Nesthäkchen“ Heike Gräpel nur lachen. Sie hat sich als resolute Theaterfrau schon mit vielen Männern auf der Bühne angelegt – sei es als selbstbewusste Putzfrau oder als renitente Ehefrau. Seit einigen Jahren führt die 54-Jährige den Vorsitz und bereitet ihren Verein jetzt auf die Jubiläumsfeierlichkeiten vor.

Ein bisschen graut es Heike Gräpel schon vor dem Umzug in disem Sommer – dann geht es nämlich mit Sack und Pack ins nagelneue Kultur- und Bildungszentrum. „Vorher müssen wir hier aber noch jede Menge ausmisten - 50 Jahre Oldesloer Bühne lagern hier“, sagt die Vollblutschauspielerin.





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