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Bad Oldesloe : 380-KV-Stromtrasse: Neubau als Chance sehen

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Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Die Ostküstenleitung wird auf der Trasse der vorhandenen 220 KV-Leitung gebaut. Umweltminister Habeck zeigte sich bei der Verjkündung in Bad Oldesloe froh über die sachliche Diskussion.

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erstellt am 24.Apr.2015 | 06:00 Uhr

Hamberges Bürgermeister Paul-Friedrich Beeck stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Seine Gemeinde wird nicht auch noch eine 380 KV-Stromleitung bekommen. Die neue Ostküstenleitung wird auf der Trasse der bisherigen 220 KV-Leitung verlaufen von Stockelsdorf zwischen Mönkhagen und Langniendorf nach Rehhorst und weiter zwischen Seefeld und Wakendorf I über die Trave und die A21 nördlich von Tralau Richtung Seth. Endpunkt ist das Umspannwerk in Henstedt-Ulzburg.

Das hatte Energiewendeminister Robert Habeck gleich zu Beginn der Ergebniskonferenz in des Oldesloer Festhalle verkündet, „weil wir keinen künstlichen Spannungsbogen aufbauen wollen“. Die Bewertung der möglichen Korridore brachte das Ergebnis, das die meisten Experten erwartet hatten: Der Ersatz der bisherigen Überlandleitung ergibt unter dem Strich den – vergleichsweise – konfliktärmsten Korridor. Bewertet wurden die Varianten nach ökologischen, raumordnerischen sowie technischen und wirtschaftlichen Kriterien.

Dass sich die „Begeisterung für Strommasten in Grenzen hält“, wie Joachim Wagner als Stellvertreter des Landrats zu Beginn sagte, weiß auch Habeck. „Wir hatten alle ein bisschen Bammel vor diesem Termin“, sagte der Minister in der Pause und war merklich froh, „dass alles sehr sachlich und konstruktiv war, obwohl viele Leute extrem betroffen sind.“

Das gilt vor allem für Henstedt-Ulzburg, wo es kaum Alternativen zur Führung der 200-KV-Leitung gibt, die derzeit sogar Häuser überspannt. Das wird es beim Neubau der 380- KV-Leitung nicht mehr geben. „In vielen Bereichen sind auch Verbesserungen gegenüber dem heutigen Stand möglich“, so Habeck, der darum warb, den Neubau als Chance zu sehen.

Auch wenn die Feinplanung erst jetzt beginnt, ist in einigen Bereichen bereits klar, dass die neue Trasse anders verlaufen wird. Zum Beispiel in Tralau, wo die Masten heute zwischen Ortsrand und Einzelbebauung stehen. Dort wird es vermutlich einen Schwenk Richtung Norden geben. Ähnliches gilt in anderen Bereiche, wo die Leitung heute Häusern nahekommt oder in Rehhorst, wo sie noch durch einen Windpark läuft.

Mit Abständen von 300 bis 450 Metern können die größeren Masten rund 100 Meter weiter auseinander stehen als die heutigen. „Natürlich kann man den 500 Meter breiten Planungskorridor auch aufweiten, wenn alle damit einverstanden sind“, sagt Klaus Deitermann, der bei Tennet für den Netzausbau in Schleswig-Holstein verantwortlich ist.

Zudem macht sich Habeck dafür stark, dass die Ostküstenleitung in die Liste der Teststrecken für Erdverkabelung aufgenommen wird: „Sie ist dafür prädestiniert, weil es ein problematischer und eng besiedelter Raum, die Leitung selbst aber nicht systemrelevant ist.“ Ob die vier bis achtmal so teure Erdverkabelung an sensiblen Stellen Sinn macht, könne nur in Einzelfall entschieden werden. Während Masten nur partielle Eingriffe sind, werden Erdkabel in Großbaustellen durchgängig verbuddelt, und die Flächen darüber müssen dauerhaft frei bleiben.

Auch Erdverkabelung ist ein Thema für die Feinplanung, die jetzt beginnt. Im Mai wird Tennet weitere Gespräche mit den Bürgermeistern führen, im Juni wird es Infoveranstaltungen und erste Gespräche mit den Grundeigentümern geben. „Bis September sind wir immer wieder in der Region“, so John-Karl Herrmann, Ansprechpartner bei Tennet für die Ostküstenleitung. Danach ist allerdings erstmal Schluss mit Vorschlägen und Einwänden. Erst nach der Auslegung im Planfeststellungsverfahren können dann wieder Bedenken erhoben werden. Und erst dann sind auch Klagen möglich.

Als „großes demokratischen Experiment“ hatte Habeck das Dialogverfahren bezeichnet, das Mitwirkung ermögliche, aber auch Verantwortung einfordere. Man habe jetzt noch keine endgültige Lösung, aber die Abwägung der Varianten sei „fair und lauter gelaufen“.

Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Energiewende und die Notwendigkeit der 380 KV-Leitung wollte der Minister nicht mehr führen und unterband das durch klare Stellungnahmen gleich zu Beginn.

 

>Tennet wird noch ein Büro in Stockelsdorf einrichten. John-Karl Herrmann ist im Kieler Büro unter (0431) 78028154 oder (0151) 27657780 zu erreichen. Unterlagen und Berichte zum Verfahren sind unter www.schleswig-holstein.de/Energie/DE/Beteiligung/Dialogverfahren/01_Ostkuestenleitung/Ostkuestenleitung_node.html zu finden.

 

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