Mysteriöser Diebstahl : 270 Orgelpfeifen gestohlen

Die Orgelpfeifen sind wieder vollzählig. Zur offiziellen Einweihung des Instruments spielte  Organist  Manfred Aeins in der Kapelle.
Die Orgelpfeifen sind wieder vollzählig. Zur offiziellen Einweihung des Instruments spielte Organist Manfred Aeins in der Kapelle.

Die Kapelle des Heinrich-Sengelmann-Krankenhauses ist der Ort eines seltsamen Verbrechens. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist die Orgel ausgeraubt worden. Die Beseitigung des Schadens kostete 20 000 Euro.

shz.de von
05. Juni 2014, 06:00 Uhr

Eine Kapelle ohne Orgel ist wie eine Fußballweltmeisterschaft ohne Ball – nicht ausführ- und bespielbar. Davon kann Andreas Erler, seit 2007 Pastor im Heinrich-Sengelmann-Krankenhaus (HSK) in Bargfeld-Stegen, ein Lied singen. Er erlebte, dass der Teufel wahrlich im Detail steckt. Ein Dreiviertel Jahr musste der Pastor bei Andachten, Gottesdiensten und kleineren Veranstaltungen ohne die schönen Klänge der kleinen Orgel auskommen. Warum, was war passiert?

Eines Tages waren von den zirka 500 Orgelpfeifen des Instruments 270 weg, wie vom Erdboden verschluckt – gestohlen! Irgend jemand hatte quasi alle Register gezogen und die Holz- und Messingpfeifen mitgehen lassen, sagt Andreas Erler heute noch verwundert. „Das muss im vergangenen Herbst zwischen dem 23. und 26. September passiert sein. Die Kapelle ist ja immer offen.“ Das war kaum zu glauben, aber wahr und der Schreck beim Pastor, beim Hauptorganisten Manfred Aeins und bei Mitarbeitern natürlich groß.

Noch immer stellt sich Erler die Frage, was die- oder derjenige mit den Orgelpfeifen wollte. Bis heute sind weder die Originalpfeifen wieder aufgetaucht, noch ist der Dieb geschnappt. Mysteriös!

Der Pastor vermutet hinter dem Langfinger einen psychisch erkrankten Menschen, der die Orgel vielleicht als bedrohlich empfunden und sie deshalb „verteufelt“ habe. Einen rechten Reim auf den Pfeifen-Klau kann er sich nicht machen.

„Das ist wirklich kein alltäglicher Fall“, fügt er lächelnd hinzu. Mittlerweile kann er wieder lachen. Heute ist die kleine Orgel aus Lübeck wieder vollständig. Die Holz- und Messingpfeifen sind im weißen Orgel-Schränkchen gut aufgehoben und mit einem besseren Schloss gesichert, allein der Versicherung wegen.

„Bis das mit der Versicherung geregelt war, hatten wir Januar. Dann mussten die 270 Pfeifen handgefertigt und eingebaut werden“, so der Kirchenmann. Gott sei Dank zahlte die Versicherung. Denn es ging nicht um Peanuts, sondern um stolze 20 000 Euro! Zum Happy-End fand gestern Mittag die offizielle Einweihung der wieder vollständigen Orgel in der HSK-Kapelle statt. Dabei spielte der Organist munter auf und Mitarbeiter auf Akkordeon oder Gitarre dazu. Gesungen wurde natürlich auch – zusammen mit den zahlreichen Besuchern des Konzerts aus voller Kehle. Halleluja. Lobet den Herrn ...

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