Amtsgericht Ahrensburg : 246 000 Euro veruntreut: Frau muss hinter Gitter

Spielsucht: Für eine 56-Jährige hatte sich schwere Folgen. 30 Monate Haft wegen Untreue, um sich Geld zu beschaffen.
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Spielsucht: Für eine 56-Jährige hatte sich schwere Folgen. 30 Monate Haft wegen Untreue, um sich Geld zu beschaffen.

56-Jährige benötigte immer wieder Geld, um Spielsucht zu befriedigen. 30 Monate Haft.

shz.de von
05. April 2018, 15:36 Uhr

Es ist schon frappierend, wie gering die Kontrollen bei einer Bargteheider Versicherungsagentur gehandhabt wurden. Einer Mitarbeiterin gelang es, binnen drei Jahren mehr als 246 000 Euro zu unterschlagen. Sie war mit der Abwicklung von Schadensmeldungen beauftragt. Mit fingierten Meldungen leitete sie das Geld auf ein eigenes Konto um. Lediglich den Empfängernamen hatte sie geändert, aber das fiel auch der Bank nicht auf. Die Serie von insgesamt 157 Straftaten hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Ahrensburger Schöffengericht.

Die 56-jährige Versicherungskauffrau aus Ahrensburg nutzte dabei ihren Handlungsspielraum aus. Meldungen bis zum Betrag von 2500 Euro konnte sie eigenständig bearbeiten und bewilligen. Zwischen 500 und 2500 Euro überwies sie so an sich, um ihrer Spiellust zu frönen. Das Geld verdaddelte sie bei Gewinnspielen im Internet, denn in der Spielhalle hatte sie schon Hausverbot. „Wenn Geld da war, habe ich bis zum frühen Morgen am PC gesessen“, sagt sie aus. Das sei wie ein Zwang gewesen.

Sie habe nach einer Phase der Arbeitslosigkeit auch Schulden gehabt, und die Gläubiger hätten sie massiv unter Druck gesetzt. So legte sie im PC-System der Versicherungsagentur ein Konto unter falschem Namen an und überwies sich von April 2013 bis zum November 2016 Beträge, die sie nach eigener Aussage umgehend verspielte: „Wenn das Geld alle war, habe ich aufgehört.“ Es war sehr einfach für sie: „Ich habe nur auf einen Knopf gedrückt und das Geld ging raus“, erklärt die Angeklagte.

Auch die Schadensmeldungen wurden offenbar nicht überprüft. „Als Belege finden sich dort immer wieder weiße Blätter ohne einen Vermerk“, sagt der Vorsitzende Richter. Erst als eine Kundin um einen Versicherungsrabatt bat, flog die Sache auf. Denn auch auf ihren Vertrag hatte die Angeklagte einen Wasserschaden gemeldet, den es nicht gab. „Wir haben dann nach der Reparaturfirma gegoogelt, die gab es aber nicht“, so der Agenturinhaber.
Dann kam die Konzernrevision und konfrontierte die Angeklagte mit den Vorwürfen, nach zehn Minuten gestand sie. Das Landeskriminalamt hatte zunächst auch wegen Verdachts auf Geldwäsche ermittelt. Der Agenturinhaber wurde dann von seiner Muttergesellschaft für den Schaden haftbar gemacht. Er kommt aber glimpflich davon: „Meine Vermögensschadensversicherung übernimmt das, wir haben uns auf eine Kulanzzahlung von 160 000 Euro geeinigt.“

Bei Stichproben sei zunächst nichts aufgefallen: „Wir scannen und digitalisieren die Akten, die dann geschreddert werden“, sagte er gestern aus. Jetzt gelte das Vier-Augenprinzip und alle Prozesse würden überprüft. Die Angeklagte habe bis heute keine Schuldanerkennung unterzeichnet. „Ich wollte erst das Strafverfahren abwarten“, rechtfertigt sie sich. Wegen Veruntreuung von Kundengeldern bei anderen Versicherungen wurde sie bereits zweimal zu Geldstrafen verurteilt.

„Von einer pathologischen Spielsucht gehe ich nicht aus“, sagt die psychiatrische Sachverständige. Die Angeklagte sei aus ihrer Sicht schuldfähig: „Spielsüchtige vernachlässigen sich, sie hungern und können ihrer Arbeit nicht nachgehen.“ All das sei hier nicht der Fall. Die Angeklagte bezieht inzwischen eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit. Sie sei lungenkrank, betont sie mehrfach. „Dramatische Krankheitsbilder sehe ich aber nicht“, führt der Richter aus.

Die Staatsanwältin fordert drei Jahre Haft wegen gewerbsmäßiger Untreue. „Ich sehe keine Reue und kein Bemühen um Wiedergutmachung.“ Es sei der Angeklagten mehr als leicht gemacht worden, argumentiert ihre Anwältin. „Ich bereue meine Taten zutiefst“, sagt die Angeklagte in ihrem Schlusswort.

Das Schöffengericht verurteilt sie zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft. Außerdem muss sie die Verfahrenskosten tragen und den Schaden wiedergutmachen. „Sie haben das Spielen genossen und die Versichertengemeinschaft geschädigt“, sagt der Richter. Sie habe keine Hilfe für ihr Problem gesucht und sich nicht um Ausgleich für ihre Taten bemüht. Es gebe keine tätige Reue und es sei unsicher, ob sie aus ihren Fehlern gelernt habe.

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