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Reinfelder Karpfen : 2014 war ideal für die Karpfenernte

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Das Abfischen des Herrenteichs verfolgten bei bestem Wetter tausende Besucher. Für den Pächter und seine 30 Helfer ist es harte Arbeit.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2014 | 05:45 Uhr

Was für ein Kaiserwetter zum traditionellen Abfischen des Herrenteichs! „Wir haben in diesem Jahr wirklich Glück gehabt“, sagt Emelie Wenskus, Tochter von Teichwirt Alfred Wenskus, die gemeinsam mit weiteren 30 Helfern seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen ist. Im vergangenen Jahr hatte zu viel Wasser durch die starken Regenfälle das rechtzeitige Abfischen verhindert. Die Spiegelkarpfen konnten erst am Nachmittag aus dem Wasser geholt werden.

Diesmal fließt das Wasser seit gut einer Woche sehr ruhig und geregelt ab. Alfred Wenskus, von allen nur kurz „Ali“ genannt, prüft immer wieder mit kritischem Blick, ob der Herrenteich genügend abgelaufen ist, stellt sich an den Mönch und reguliert das Wasser, damit die Karpfen in den Hälterbecken im Fischhaus nicht zu dicht gedrängt schwimmen. „Dann bekommen sie nämlich nicht mehr genug Sauerstoff“, weiß Emelie. Jedes Jahr sei es eine Überraschung, wie die Karpfen sich entwickeln, sagt der Teichwirt. Der Sommer 2014 war sei sehr heiß – ideale Bedingungen für eine gute Karpfenernte.

Im Fischhaus holen die Helfer die edlen Karpfen mit Zugnetzen heraus, füllen sie in Kescher und laden sie auf dem Sortiertisch ab. Ganz schöne „Brocken“ sind dazwischen, freut sich der Teichwirt. Ein ganz großer Karpfen wird gleich wieder hineingesetzt. „Der ist bestimmt schon 25 Jahre alt, der schmeckt nicht mehr“, sagt Niclas, der seit vier Jahren beim Abfischen mithilft.

Seit 7 Uhr auf den Beinen ist auch der 14-jährige Marc, dem es sichtlich Freude bereitet, kräftig mit anzupacken. Die Männer sind seit Jahren ein eingespieltes Team. Altbekannte Gesichter sieht man beim Keschern und Sortieren. Nicht nur den berühmten Spiegelkarpfen ziehen die mit Fischerhose und Gummistiefeln vor Spitzwasser und Modder geschützten Männer aus dem Herrenteich, auch Schleie, Weißfische, Barsche, Hechte und sogar Flusskrebse.

Sie haben alle Hände voll zu tun, um die Fische so schnell wie möglich in die dafür vorgesehen Behälter zu werfen, denn im Minutentakt wird der Fang auf dem Sortiertisch ausgekippt. Anschließend werden die Karpfen in Bottichen mit einem speziellen Förderband nach oben zum Kleintransporter befördert. Den Schrägaufzug bedient Alfred Leschert (75), der seit 35 Jahren beim Abfischen dabei ist.

Dass die ganze Familie mit anpackt, ist Ehrensache. Emelie erhält Unterstützung durch Bruder Stephan und Schwester Karolin. „Erfahrungsgemäß sind wir so gegen 20 Uhr fertig“, sagt Emelie. Am heutigen Montag wird es weitergehen. Wenn es zu viele Karpfen sind, müssen die beiden angrenzenden Teiche als Reserve dienen. Für die Hechte und Barsche steht ein Lkw aus dem bayerischen Tirschenreuth bereit. „Die Bayern bringen uns im Winter den Karpfenbesatz, wir beliefern sie im Gegenzug mit Barschen und Hechten“, sagt Ali.

Ein großer Spaß ist das Abfischen für die Kinder. Dean und Lasse lassen sich von den glitschigen Fischen gar nicht beeindrucken und versuchen, auch die größeren Exemplare in den Bottichen hochzuheben – mal klappt es, mal nicht.

Immer leerer läuft der Herrenteich. Über dem flachen Wasser kreisen die Möwen. Die Sonne scheint, und Tausende von Besuchern tummeln sich in Reinfeld. Was für sie ein willkommener und interessanter Ausflug, ist für die 30 Helfer harte körperliche Arbeit. Aber das sei halt schon immer so gewesen, sagt Alfred Wenskus und schaut über den (fast) abgefischten Herrenteich: Es ist der größte abzulassende Teich in Schleswig-Holstein.

 

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