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Ahrensburg : 19-Jähriger überfällt die selbe Tankstelle zweimal

vom
Aus der Redaktion des Stormarner Tageblatt

Urkundenfälschung, Fahren ohne Führerschein – 18 Monate auf Bewährung für zwei Überfälle in elf Tagen.

Sein Vorgehen war professionell und dreist dazu: Innerhalb von nur elf Tagen überfiel Marcel J. (Name geändert) zweimal nachts die selbe Tankstelle in Ahrensburg. „Der erste Überfall hat nur 20 Sekunden gedauert, der zweite nur 37 Sekunden“, sagt die Staatsanwältin. Das sei bemerkenswert. Für beide Taten und anderes muss sich der 19-Jährige vor dem Jugendschöffengericht in Ahrensburg verantworten.

Marcel J. zeigt sich reuig und geständig. „Ich hatte große Schulden. So bin ich auf diese doofe Idee gekommen.“ Die Schulden seien durch Handys und teure Klamotten entstanden. „Ich wollte damit dazugehören.“ Vor der Tat habe er sich Mut angetrunken. Mit dem Rad sei er dann zur Tankstelle am Reeshoop gefahren, habe sich dort mit einer Sturmhaube maskiert und sei mit einer Schreckschusspistole in den Verkaufsraum gestürmt.

„Geld her, sonst knall’ ich dich ab“, drohte er dem Angestellten. Der legte den Kasseneinsatz auf den Tresen und Marcel J. griff zu. 700 Euro erbeutete er beim ersten Raubüberfall, beim zweiten waren es etwa 900 Euro.

„Er wirkte unsicher bis aggressiv, beim zweiten Mal schon deutlich sicherer“, sagt der Angestellte der Tankstelle aus, der zweimal zum Überfall-Opfer geworden war. Er habe danach einige Wochen Schlafstörungen gehabt. Die Entschuldigung des Angeklagten im Gerichtssaal will das Opfer nicht annehmen: „Dazu hat er acht Monate Zeit gehabt.“

Mit dem Geld aus dem ersten Überfall habe er seine Schulden begleichen wollen, dann aber ein anspruchsvolles Mädchen kennen gelernt und die Beute mit ihr verpulvert. Vier Wochen später klickten die Handschellen. Der junge Räuber war er auf der Tankstellen-Videoüberwachung Sekunden unmaskiert zu erkennen gewesen, außerdem es gab einen Hinweis. Nur wegen seines Geständnisses erhielt Marcel J. Haftverschonung. Die Polizei hatte Marcel J. ohnehin schon auf dem Schirm, denn er stand auch wegen anderer Straftaten vor Gericht. „Ich hatte mir einen alten Polo gekauft und wollte damit fahren.“ Daher schraubte er vor einem Supermarkt ein Nummernschild ab und befestigte es an seinem Wagen. Das hatte die Polizei über Nacht wieder entfernt, und so stahl er erneut ein Nummernschild. Ohne Zulassung, Versicherung oder Führerschein unternahm er Spritztouren mit einem 20-Jährigen, der dabei ebenfalls ans Steuer durfte. Der hatte zudem einen Ladendiebstahl begangen, bei seiner Durchsuchung fand die Polizei zwei Klappmesser. Das Verfahren gegen ihn war mit Arbeitsauflagen eingestellt worden. In der Gerichtsverhandlung würdigen sich die beiden ehemaligen Freunde keines Blicks mehr. Marcel J. hat sich mit seinen Überfällen keinen Gefallen getan: Er stand vier Monate vor seiner Gesellenprüfung als Glaser, erhielt aber die Kündigung, als seine Taten bekannt wurden. Heute lebt er bei seiner Oma in Hamburg, hat einen Teilzeit-Job als Service-Kraft und ist seit acht Monaten nicht wieder straffällig geworden. „Ich möchte jetzt sehr gern meine Lehre abschließen“, sagt er. Seine Arbeitsauflagen nach der Haftverschonung hat er zuverlässig erfüllt.

Die Staatsanwältin fordert 22 Monate Haft wegen Urkundenfälschung, Fahren ohne Führerschein und zwei schweren Raubtaten. Das Urteil solle wegen der guten Sozialprognose für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Das Schöffengericht verhängt dann 18 Monate und gewährt eine gleich lange Bewährungszeit. Außerdem muss er 60 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten.






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