Forschungszentrum Borstel : 15 Millionen Euro für Laborumbau

Blick in den Hochsicherheitsbereich: Ulrich Schaible erklärt Kristin Alheit die gefährliche Arbeit mit genmanipulierten Tuberkuloseerregern.
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Blick in den Hochsicherheitsbereich: Ulrich Schaible erklärt Kristin Alheit die gefährliche Arbeit mit genmanipulierten Tuberkuloseerregern.

Ministerin Kirstin Alheit bringt dem Forschungszentrum Borstel erstes Geld für Planungsleistungen im nächsten Jahr. In den kommenden Jahren werden 15 Millionen Euro in moderne Labore investiert.

Andreas Olbertz. von
19. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Ein seltsamer Geruch schlägt Wissenschaftsministerin Kristin Alheit (SPD) entgegen, als sie das Laborgebäude des Forschungszentrums Borstel betritt. Nein, das komme nicht aus der Kantine. „Wir autoklavieren gerade“, erklärt Frank Petersen. Ein spezieller Sterilisationsprozess mit heißem Wasserdampf. Diesmal sei der Geruch ja noch normal „Stellen Sie sich vor, dass aus 1000 toten Mäusen Suppe gekocht wird“, sagt der Professor. Die Ministerin verzieht nur das Gesicht und meint, das müsse sie nun nicht wirklich haben.

Kristin Alheit war gestern zum Antrittsbesuch im Forschungszentrum Borstel. Quasi als Begrüßungsgeschenk hatte sie eine Zusage über zwei Millionen Euro für die Sanierung des Laborgebäudes dabei. Wenn der große Umbau voraussichtlich 2018 abgeschlossen sein wird, werden sich auch die unangenehmen Gerüche aus den Autoklaven erledigen.

15 Millionen Euro sind insgesamt für die Modernisierung des Laborgebäudes eingeplant. Das Geld kommt jeweils zur Hälfte von Bund und Land. „Wir müssen das, was wir an Excellenz im Land haben, sichern“, betonte die Ministerin. Die Forscher machten deutlich, dass die Zustände im Borstel existenzbedrohend sind. „Wir können die EU-Standards nicht mehr gewährleisten und haben nur noch eine Gnadenfrist bekommen“, erklärte Institutsleiter Stefan Ehlers. Einige Messgeräte hätten Toleranzbereiche von nur fünf Grad. Die können aber wegen fehlender Klimatisierung nicht eingehalten werden. Die Mitarbeiter müssen im Winter mit extrem trockener Luft und im Sommer mit hohen Temperaturen bis 37 Grad kämpfen. Für die Haltung der Versuchstiere gebe es strenge Vorgaben, für das Personal leider nicht.

Obwohl das Gebäude aus den 1980er Jahren stamme und längst nicht mehr modernen Anforderungen genügt, seien in diesem Jahr einige herausragende wissenschaftliche Publikationen gelungen. Um auch zukünftig hochkarätiges Personal zu bekommen, müssten entsprechende bauliche Voraussetzungen geschaffen werden. In Borstel wird vor allem in den Bereichen Asthma und Tuberkulose geforscht – deutschlandweit auf diesem Niveau ziemlich einmalig. „Wir stehen in internationaler Konkurrenz“, machte Professor Ehlers deshalb der Ministerin deutlich: „Wir müssen den Leuten schon etwas Besonderes bieten.“ Im Laborbereich arbeiten rund 140 Mitarbeiter aus mindestens 20 Nationen. Das FZB hat weitreichende internationale Kooperationen.

Mit den zwei Millionen Euro soll im kommenden Jahr die Planung auf den Weg gebracht werden. Das wird keine einfache Aufgabe. „Sie können in einem Labor nicht einfach mal die Lüftung abstellen“, verdeutlichte Stefan Ehlers. Schon gar nicht im Hochsicherheitsbereich, wo mit genveränderten Tuberkuloseerregern geforscht werde. Deshalb ist vorgesehen, 2016 zunächst einen Anbau zu errichten. Rückläufige Forschungszahlen wird das Institut hinnehmen müssen. Bis zum tatsächlichen Baubeginn vergeht noch einige Zeit. Professor Stefan Ehlers: „Wir hoffen, dass wir dann mit den Kosten hinkommen.“ Doch da kannte die Ministerin kein Pardon. „Das ist keine Frage von Hoffnung“, machte Kristin Alheit deutlich. Mehr als die veranschlagten 15 Millionen Euro wird es nicht geben.

Besonders üppig ist diese Summe ohnehin nicht. „Träume werden damit nicht wahr“, sagte Ulrich Schaible, Direktor des Programmbereichs Infektion, „aber es sichert den Grund. Alles andere wäre schnell doppelt so teuer geworden.“

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